16.06.2020 - 15:56 Uhr
AmbergSport

400 Meter in Corona-Zeiten: "Man sieht sich höchstens auf der Zielgeraden"

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Corinna Schwab könnte bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft am 8. und 9. August in Braunschweig ein kleines Orientierungsproblem bekommen – aufgrund der Corona-Regeln.

Bei der Deutschen Meisterschaft in der Halle gewann Corinna Schwab (Mitte) heuer am 23.Februar Gold über die 400 Meter in einer überragend schnellen Zeit von 52,65 Sekunden.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Die Leichtathletin der LG Telis Finanz Regensburg freut sich schon, dass zumindest ein Wettkampf in dieser Saison stattfindet: Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 werden am 8. und 9. August in Braunschweig ausgetragen. Die Stadt hat jetzt grünes Licht gegeben für die Durchführung der Titelkämpfe - unter veränderten Rahmenbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie.

Keine Zuschauer

"Das ist top, dass jetzt Wettkämpfe in Aussicht sind. Aber es war keine große Überraschung für mich. Der Verband hat schon länger geplant, eine alternative deutsche Meisterschaft auszurichten", erklärt Corinna Schwab. Zuschauer im Stadion sind allerdings aufgrund des deutschlandweiten Verbots für Großveranstaltungen bis 31. August nicht zugelassen. In Braunschweig können auch nicht alle Disziplinen ausgetragen werden, sondern nur diejenigen, bei denen die Corona-Vorschriften mit den Abstandsregeln greifen. Heißt zum Beispiel: Keine Staffeln, keine längeren Distanzen als 800 Meter bei den Laufwettbewerben.

Schwab startet über die 400 Meter und ist damit dabei. "Auf dieser Distanz läuft jeder auf seiner Bahn, eine Bahn dazwischen bliebt immer leer", erläutert die Athletin aus Hiltersdorf das DLV-Konzept. "Aber ab den längeren Distanzen laufen dann alle auf einer Bahn, überholen und kommen eventuell in ein Gerangel. Da ist alles möglich. Im Sprint ist das einfacher. Da lässt sich das Hygienekonzept einhalten."

Wer in Braunschweig alles starten wird, ist noch offen, da nach jetziger Planung nur ein begrenztes Feld an Teilnehmern um Medaillen kämpfen wird - durch die Beschränkungen wird ein Auswahlverfahren das klären. "Da muss es ein Kriterium geben. Das wissen wir aber noch nicht, es gibt noch viele Fragezeichen", sagt Corinna Schwab. Sie geht aber davon aus, dass sie in Braunschweig dabei ist. Rund sieben Wochen sind es noch bis zu jenem Wochenende, Schwab bereitet sich unabhängig davon auf der 400-Meter-Distanz vor: "Wir haben ein Langzeitziel, das hängt nicht von einem Wettkampf ab."

Neue Erfahrung

Besucher im Stadion in Braunschweig sind nicht erlaubt. "Das wird für uns alle eine neue Erfahrung sein, ohne Zuschauer. Auch das Rennen selbst, denn bei den 400 Metern und einer Bahn Abstand hat man keine Orientierung mehr. Man sieht sich dann höchstens auf der Zielgeraden", erklärt die 21-Jährige.

Live bei ARD/ZDF

Eine Live-Übertragung an beiden Tagen ist von ARD/ZDF vorgesehen. Frank Lebert, CEO der Deutschen Leichtathletik-Marketing GmbH DLM, dazu: "Die DM in Braunschweig bietet den Auftakt für weitere Leichtathletikübertragungen, die in der 'Late Season' von uns organisiert werden."

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Hintergrund:

Die EM-Zweite Gina Lückenkemper sieht die geplanten deutschen Meisterschaften am 8./9. August mit reduzierten Starterfeldern und ohne Laufwettbewerbe ab 1500 Meter kritisch. „Generell ist es eine gute Nachricht für die Leichtathletik, dass die deutschen Meisterschaften in Braunschweig und andere Wettkämpfe wieder ausgetragen werden“, sagte die 23-jährige Sprinterin des SCC Berlin. „Nur glaube ich nicht, dass die DM mit vorherigen Meisterschaften vergleichbar sein wird.“ Schließlich fehlten die Langstreckler und Hindernisläufer. Dazu kämen limitierte Starterfelder. „Zur Leichtathletik gehören für mich auch Athleten aus der zweiten und dritten Reihe aus kleineren Vereinen, die tolle Arbeit an der Basis leisten“, meinte Lückenkemper. „Wenn solche Athleten 2020 nicht bei der DM starten können, ist es für mich keine ‚echte‘ deutsche Meisterschaft.“ Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte um Verständnis für die in der Coronakrise notwendigen Einschränkungen geworben. Man müsse sich an den derzeitig geltenden behördlichen Verordnungen über infektionsschützende Maßnahmen orientieren, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Auch Hindernis-Europameisterin Gesa Krause hatte sich beklagt, in ihrer Spezialdisziplin nicht um einen Titel kämpfen zu können.

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