17.03.2021 - 16:23 Uhr
AmbergSport

ERSC Amberg ein gutes Sprungbrett für Eishockeyspieler aus Kanada und USA

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Der Sportliche Leiter Chris Spanger plant auch in der kommenden Bayernliga-Saison mit Spielern aus Übersee. Im Interview erzählt er, wie er sie in die Oberpfalz zu den ERSC-Löwen lockt, und warum Liam Blackburn nicht mehr zurück kommt.

Chris Spanger, der Sportliche Leiter des ERSC Amberg, pflegt sehr gute Kontakte zu den Profiligen.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

ONETZ: Herr Spanger, Sie sind der Sportliche Leiter des ERSC Amberg und haben einen großen Anteil an der Verpflichtung der Spieler. Wie kommen Sie an die Talente?

Chris Spanger: Mein Beruf ist von Vorteil. Ich habe mit meiner Trikotfirma sechs Mannschaften aus der DEL und fünf aus der DEL2 unter Vertrag. Dadurch bin ich mit deren Managern per Du.

ONETZ: Was macht Ihre Firma?

Chris Spanger: Sie produziert die Spiel- und Fantrikots, auch die der deutschen Eishockeynationalmannschaft. Mein Netzwerk in die Profiligen ist deshalb sehr gut. Da frage ich öfter mal nach, wie es mit Spielern aussieht.

ONETZ: Seit wann haben Sie Kontakt zu den Profis?

Chris Spanger: Seit 2008. Ich kannte vorher schon einige Leute, zu den Straubing Tigers hatte ich zum Beispiel ein gutes Verhältnis. 2008 habe ich mich selbständig gemacht, 2010 hatte ich die deutsche Nationalmannschaft unter Vertrag. Beim ERSC Amberg bin ich seit 2015.

ONETZ: Was ist Ihre Aufgabe beim ERSC Amberg?

Chris Spanger: Als Sportlicher Leiter kümmere ich mich auch um die Kaderplanung. Ich schaue mir den Markt an. Es gibt einen Spieler- und Agentenpool, wo alle Spieler aus allen Ligen drin sind, mit Statistiken und so weiter. Oft fällt einem ein Spieler auf. Man beobachtet ihn über einen längeren Zeitraum, das können auch ein paar Jahre sein. Dann nehme ich Kontakt auf. Oft laufen die ersten Gespräche über einen Agenten.

ONETZ: Wie lotsen Sie einen Spieler wie Liam Blackburn, der aus Kanada stammt, nach Amberg?

Chris Spanger: Liam hat in der höchsten University-Liga gespielt, in der NCAA in der ersten Division. Grundsätzlich ist es sehr schwer, so einen Spieler nach Deutschland in die vierte Liga zu holen. Ich habe ihm gesagt, dass der ERSC Amberg ein Sprungbrett sein kann. Das Umfeld ist sehr familiär, und hilft ihm bei der nächsten Station. Ein junger Spieler sagt dann: Das ist mein erster Verein im Ausland, ich kann mich hier beweisen. Es ist vielleicht besser, in einer unteren Liga zu beginnen. Wenn man da gut spielt, kommt am automatisch nach oben. Das hatte ich Liam im Sommer vergangenen Jahres so erklärt. Und genauso ist alles eingetroffen.

ONETZ: Sie sind seit einiger Zeit eher auf kanadische Spieler fixiert?

Chris Spanger: Wir hatten die letzten Jahre viele Tschechen im Kader. Dadurch, dass Dan Heilman Trainer geworden ist, und er auf und neben dem Eis Englisch spricht und das kanadische Eishockeysystem spielt, war es nur konsequent. Amberg war ja in den 1990er Jahren immer sehr kanadisch geprägt. Deshalb habe ich mich mit der Vorstandschaft besprochen, ob es nicht sinnvoller wäre, wieder Spieler aus Kanada zu holen.

ONETZ: Der ERSC braucht ja Ersatz für Liam Blackburn und David Norris ...

Chris Spanger: Liam wird nicht mehr zurückkommen, das ist sicher. Er hat Angebote aus der 2. Liga. Er kommt aber nach der Saison nochmal zu Besuch zu uns, bevor er heimfliegt. Das zeigt, dass es ihm wirklich hier gefallen hat. Zu David kann ich nichts sagen. Aber ich plane mit zwei Ausländern aus Kanada oder aus den USA, beides ist möglich. Ich hab ein letzter Zeit viel mehr mit dem Ausland telefoniert als in Deutschland. Wobei es davon abhängt, wie die Situation im September sein wird, wegen Corona.

ONETZ: Wie überzeugen Sie einen Spieler, damit er nach Amberg kommt und beim ERSC spielt?

Chris Spanger: Das ist schwierig. Zum jetzigen Zeitpunkt warten viele Spieler, was sich noch ergibt. Wir haben aber auch keinen Druck, und wir können die Ausländerpositionen auch als letztes besetzen.

ONETZ: Wie nehmen Sie Kontakt mit einem Spieler auf?

Chris Spanger: Per Telefon, oder ich skype, oder bei manchen ist der erste Kontakt per E-Mail. Meistens zuerst mit dem Agenten. Erst wenn es konkreter wird, spreche ich auch mit dem Spieler. Dann redet der Spieler mit dem Trainer, was er mit ihm plant. Wenn das alles passt, dann kann man es schnell abschließen.

ONETZ: Sie fliegen aber nicht nach Kanada oder in die USA?

Chris Spanger: Nein. Wir bekommen immer ein Video zugeschickt. Das schaue ich zuerst alleine an, in der Endauswahl dann mit dem Trainer zusammen. Das sind so Highlight-Videos, wie eine Bewerbung. Da können wir sehen, wie er sich in bestimmten Spielsituationen verhält. Dann treffen wir einen Entscheidung. Die Clips dauern so fünf Minuten, ich habe auch schon eines mit 15 Minuten bekommen.

ONETZ: Werben Sie dann mit dem Amberger Bergfest oder dem Altstadtfest, um den Spieler zu bekommen?

Chris Spanger: Ich sage dem Spieler, was er wirklich zu erwarten hat. Ganz groß geschrieben bei uns ist, dass wir Spieler mit Charakter brauchen. Wir gehen da nicht nur nach Statistiken. Und dass es in Amberg sehr familiär ist.

ONETZ: Wie kann man in Telefonaten oder per Skype herausfinden, dass ein Spieler Charakter hat?

Chris Spanger: Man schaut, mit welchen Spielern hat er zusammengespielt. Mit welchen Trainern. Im Gespräch kann man den Charakter oft ganz gut einschätzen. Welche Fragen der Spieler stellt, wie er redet. Bisher hatte ich immer einen guten Riecher.

ONETZ: Ist der ERSC Amberg wieder zu einer guten Adresse geworden?

Chris Spanger: Ich würde sagen, dass Amberg ein guter Standort ist, um als Sprungbrett für talentierte ausländische Spieler zu dienen.

ONETZ: Das bedeutet aber auch, dass diese Spieler nur eine Saison beim ERSC bleiben?

Chris Spanger: Ein junger Spieler möchte natürlich so hoch wie möglich spielen, und wird die Chance nutzen. Liam Blackburn hat gesagt, wenn es um das Umfeld ginge, würde er in Amberg spielen. Aber es ist auch der sportliche Ehrgeiz de Einzelnen. Wenn man einen wirklich guten Spieler hat, ist es schwer, ihn in der vierten Liga zu halten. Aber in dieser einen Saison, in der sie hier sind, helfen sie dem Verein enorm.

ONETZ: Liam Blackburn hat bei den Passau Black Hawks top eingeschlagen. Das hat sich auch in Kanada herumgesprochen und war indirekt auch Werbung für den ERSC Amberg?

Chris Spanger: Ich glaube, der Grund war, dass ich geschaut habe, dass er irgendwo unterkommt. Unser guter Draht zu Passau hat da geholfen. Ich habe mit ihm online ein Spiel von Passau angeschaut. Liam hat natürlich seine Verbindungen nach Kanada, und wenn er zu Amberg gefragt wird, kann er eher etwas Positives über den ERSC erzählen als etwas Negatives. Das zeichnet uns aus, dass wir in der Lage sind, gute Spieler zu holen.

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Amberg
Hintergrund:

Zur Person: Chris Spanger

  • Sportlicher Leiter des ERSC Amberg, frühere Bezeichnung war Obmann
  • Geboren in Nabburg ("aber nur im Krankenhaus"), aufgewachsen in Amberg, 34 Jahre alt
  • Inhaber zweier Firmen seit 2008: "Jersey53" ist offizieller Trikothersteller von sechs DEL-, fünf DEL2-Teams und der deutschen Eishockeynationalmannschaft; "Hockey-Dealer" rüstet mit Eishockey-Equipment diverse Jugendmannschaften aus, auch Oberligateams wie die Blue Devils Weiden

 

 

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