06.01.2021 - 16:48 Uhr
AmbergSport

Wie ein Schuss ans Knie die Karriere einer Eishockey-Legende des ERSC Amberg beendete

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George Quinn, Eishockey-Legende des ERSC Amberg, sitzt auf dem Sofa - mit einem dicken Gips am rechten Bein. Ein Foto, entstanden vor 25 Jahren. Und eine kuriose Geschichte dazu, an der auch Jason Dunham beteiligt war.

Januar 1995: ERSC-Stürmer George Quinn hat einen dicken Gips am rechten Bein. Ein Puck hat ihn erwischt – das Saisonende für ihn.
von Autor PAProfil

Ein Gips am Bein - und aus war's mit aktivem Eishockey. An das Foto, entstanden im Januar 1995, kann sich George Quinn (67), Ex-Spieler des ERSC Amberg, der heute in Calgary in Kanada lebt, noch gut erinnern. "Ich wurde im Bundeswehr-Krankenhaus operiert. Die Saison war danach für mich vorbei", berichtet Quinn. Und an noch etwas kann er sich genau erinnern: an das Buch, das er auf dem Bild in Händen hält. "Das Buch trägt den Titel 'Alles, was Männer über Frauen wissen'. Aber wenn man es aufschlägt, stellt man fest: Die Seiten sind leer."

In den vergangenen Jahrzehnten hatte der ERSC Amberg einige Eishockey-Idole in seinen Teams, eines der größten ist wohl George Quinn. Selbst jüngere Amberger Fans, die ihn nie selbst spielen sahen, kennen seinen Namen. Der in Ohio (USA) geborene Verteidiger mit kanadischer Staatsbürgerschaft verzückte von 1980 bis 1986 die Zuschauer der Amberger Löwen und war maßgeblich an den Aufstiegen von der Bayern- in die Regional- und Oberliga mitverantwortlich.

Groß war die Freude, als er 1994 mit damals 41 Jahren nochmals als Aktiver in die Vilsstadt zurückkehrte - aber das Glück meinte es nicht gut mit ihm, spielte einen bösen Streich. Nach dem wirtschaftlichen Rückzug des ERSC im Jahr 1986 schloss sich Quinn dem TEV Miesbach an, bis 1990 als Spieler, anschließend als Trainer. Danach coachte er auch in Weiden und Regensburg, bis er den Rufen aus Amberg folgte und das ERSC-Trikot in der 2. Liga Süd erneut überstreifte. Die beiden Slowaken Roman Mucha und Jozef Kovacik hatten Amberg verlassen, und mit Mike Daski stand mittlerweile ein Kanadier an der Bande. Zu Craig Streu und Manfred Wenzel gesellten sich noch Mike Morin (Rückkehrer aus Bayreuth bzw. Weiden) und der pfeilschnelle Außenstürmer Ron Goodall. Torhüter Jürgen Arzberger komplettierte die "Ahornblätter" bei den Löwen. "

"Wir hatten ein tolles Team, spielten typisch kanadisch und George war praktisch unser 'Quaterback', machte von hinten das Spiel", weiß Mike Morin von dieser Spielzeit zu berichten. Quinn spielte erfolgreich - und wie: 18 Scorerpunkte in zehn Spielen sprechen für sich. Allerdings blieb es bei zehn Einsätzen. Zunächst musste er wegen einer Knöchelblessur etwas pausieren, aber die Verletzung erwies sich als nicht zu dramatisch. Im Januar 1995 war die Saison für Quinn aber beendet: "George verzichtete auf neue Schienbeinschoner und zog die älteren, gebrauchten an", erinnert sich Morin noch genau an den verhängnisvollen Ablauf.

Ein Schlagschuss im Spiel gegen Dingolfing traf den Verteidiger unterhalb des Knies, der Schoner splitterte, und Quinn zog sich eine Fraktur zu. "Der Arzt setzte Schrauben ein, um die Kniescheibe zusammenzuhalten, und sie wurden nach acht Wochen", erinnert sich George Quinn (67), der heute in Calgary in Kanada lebt.

"Schütze" war übrigens kein anderer als der Dingolfinger Torjäger Jason Dunham - der zwei Jahre später den ERSC mit in die Hacker-Pschorr-Liga schoss. "Ich habe damals mit Jason gesprochen, es war keine Absicht von ihm, nicht seine Schuld. Er hat mir ein Bier spendiert", kann sich George Quinn noch erinnern.

Die Geschichte ist aber damit nicht zu Ende. Quinn setzte sich ans Telefon und besorgte in seinem jüngeren Bruder Joseph einen Ersatz für den ERSC. Joe Quinn war ein exzellenter Stürmer, der auch schon in den Drafts des NHL-Teams der Hartford Whalers stand. Beim Auswärtsspiel in Waldkraiburg feierte Joe Quinn sein Debüt bei den Löwen, war mit einem Treffer und zwei Vorlagen maßgeblich an der zwischenzeitlichen 3:1-Führung des ERSC beteiligt - bis ihn nach 13 Spielminuten die Scheibe unglücklich am Sprunggelenk traf. Diagnose: Knöchelbruch - einfach kaum zu glauben. Joseph flog nach Kanada zurück. "Das war keine gute Saison für die Quinns", erklärt George.

Der ERSC schloss die 16er-Liga auf einem starken 6. Rang ab, ließ Teams wie Bietigheim, Regensburg, Ingolstadt oder Sonthofen hinter sich. Ron Goodall schaffte mit 155 Scorerpunkten (!) einen Rekord, bis heute beim ERSC noch unerreicht. George Quinn blieb noch ein Jahr in Amberg, coachte die Mannschaft dann in der Saison 1995/96. Dort wurde der 6. Rang in einer spielerisch noch stärkeren 2. Liga Süd bestätigt. In seiner aktiven Zeit kam George Quinn für den ERSC auf 334 Scorerpunkte (180 Tore), ist damit mit Abstand bester Verteidiger und unter den Top-10 (7.) der ERSC-Alltimescorer. Aber eine Saison, wie die 1994/95 mit den Löwen - die wird er wohl niemals vergessen.

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Amberg
Hintergrund:

Zur Person: George Quinn

  • Geboren am 24.11.1953 in Avon Lake in Ohio (USA)
  • 1976-1977 Eishockeyspieler der Dinos an der University of Calgary
  • 1980-1986 Verteidiger des ERSC Amberg, maßgeblich an Aufstiegen in Regional- und Oberliga beteiligt
  • 1986-1990 Spieler und Trainer des TEV Miesbach
  • 1994-1995 Rückkehr zum ERSC Amberg in die 2. Liga Süd
  • Bester Torschütze mit 180 Toren als Verteidiger des ERSC Amberg
  • Lebt in Calgary (Kanada)

 

 

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