12.03.2021 - 17:50 Uhr
AmbergSport

Fußball-Spielleiter: "Ich bin nicht an einen festen Spielplan gebunden"

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Was für Fußballbezirke und Kreise gilt, gilt auch für Bayern- und Landesligen: Im Falle eines Saisonabbruches wird die Quotientenregel angewandt. Ein Spielleiter verfolgt einen Ansatz, um möglichst Fairness in diese Regel zu bringen.

Die Spieler der SpVgg SV Weiden jubeln - aber auch nächste Saison wieder in der Landesliga, falls die Quotientenregel zum Tragen kommt.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Stand jetzt darf noch nicht Fußball im Amateurbereich gespielt werden, auch Training ist nicht erlaubt. Was für die Bezirke und Kreise gilt, gilt auch für die höherklassigen Ligen: dass im Falle eines Saisonabbruches die Quotientenregel aus Paragraf 93 des Bayerischen Fußballverbandes zum Tragen kommt. Das heißt, es gibt keine Relegation, nur Auf- und Absteiger.

Ende am 30. Juni 2021

"Wir geben alles dafür, dass die Saison zu Ende gebracht werden kann. Wir warten aber im Moment darauf, dass es von staatlicher Seite zusätzliche Erleichterungen gibt", erklärt Patrick Garbe, der Spielleiter der Bayernliga Nord. Vom DFB sei vorgegeben, dass die Saison spätestens am 30. Juni endet. An eine Verlängerung sei nicht gedacht.

Inzidenz von 33 bis 320

In der Bayernliga Nord gebe es zwei "Problemfälle", sagt Garbe. Viktoria Kahl und die SpVgg Bayern Hof müssen jeweils noch elf Spiele austragen. In Bamberg stand der Inzidenzwert am Freitag auf 33,6 - in Hof bei 327,33. "In Bamberg könnte trainiert werden, in Hof mit der aktuellen Regelung nicht", erklärt Garbe. Deswegen versuche man zusammen mit der Politik eine Lösung zu finden, dass für den Sport "flächendeckend gleiche Verhältnisse vorherrschen."

Lösung muss es geben

Die Politik, so Garbe mache sich schon Gedanken, warum sie an einem Inzidenzwert festhalte. Aber: "Ich glaube, dass wir für den Sport eine Möglichkeit bekommen müssen, um einheitlich in Bayern vorzugehen. Gerade in der jetzigen Lage hilft der Sport eher, das eine oder andere, was die Pandemie angerichtet hat, wieder zu verbessern." Im Moment sei es schwierig, irgendwelche Aussagen zu treffen. Weil man nicht wisse, was passiere, wenn in einem Landkreis nicht gespielt werden dürfe - in einem anderen hingegen schon. "Deswegen haben wir keine zuverlässige Planungssicherheit. Wir hoffen, dass von der Politik etwas kommt."

Für die Quotientenregel gilt: Entweder wird sie komplett angewendet, oder komplett nicht. Das bedeutet, falls weitergespielt werden sollte, und fast alle Mannschaften sämtliche Partien absolvieren, aber nur eine Mannschaft nicht, dann wird trotzdem die Quotientenregel angewandt, so Garbe.

Ein Ziel im Auge

Einen interessanten Ansatz, um leidlich Gerechtigkeit in diese Regel zu bringen, verfolgt Werner Mages, der Spielleiter der Landesliga Mitte: "Wenn wir spielen dürfen, dann werde ich die Partien so ansetzen, dass diejenigen Mannschaften, für die es noch um etwas geht, auch spielen. Ziel muss sein, dass diese Mannschaften alle die gleiche Anzahl von Spielen haben. Der gesicherte Mittelfeldplatz ist dann zweitrangig." Es sei, so Mages, das Fairste, dass eben Mannschaften, die aufsteigen oder sich retten könnten, mit einem Gleichstand der Spieleanzahl abschließen. "Ich bin als Spielleiter frei und kann Partien entsprechend ansetzen. Ich bin nicht an feste Spieltage gebunden."

Zuschauerfrage klären

In der Landesliga Mitte gebe es aktuell Inzidenzwerte von 72 im Landkreis Kelheim bis Weiden mit knapp unter 200. "Mit der SpVgg SV Weiden und der SV Grafenwöhr habe ich zwei Hausnummern, mit denen ich mich hart tue." Mages betonte, dass aber nicht der Fußballverband entscheide, sondern die Politik, ob es überhaupt weitergehe. Ein wesentlicher Gesichtspunkt, so Mages, sei bisher in der gesamten Diskussion noch nicht bedacht worden: die Zuschauer. "Mir bringt der ganze Sport nichts, wenn wir vor Ende Mai keine Zuschauer zum Spiel zulassen dürfen. Ich kann die Vereine nicht in ein Training starten lassen, ohne vorher diese Frage zu klären."

17 von 18 nicht ohne Fans

Denn 17 von 18 Vereinen der Landesliga Mitte hätten in einer Umfrage vergangenes Jahr erklärt, ohne Zuschauer würden sie nicht spielen. "Wenn die Regierung aber Zuschauer nicht zulässt, dann werden wir auf die Vereine noch einmal zugehen, und dann werden wir sehen, was herauskommt." Falls die Quotientenregel zum Tragen käme, wäre die SpVgg SV Weiden betroffen: Die Mannschaft von Trainer Andreas Scheler will unbedingt in die Bayernliga aufsteigen, doch das würde nicht klappen - als Tabellenzweiter hinter dem ASV Neumarkt müsste Weiden in der Landesliga bleiben.

Die "nackten Fakten"

"Mir tun alle Vereine leid, die es so erwischt. Egal, ob es die sind, die aufsteigen wollen, oder die, die sich retten könnten. Aber wenn es so weit ist, muss eine Entscheidung her. Da sprechen nur die nackten Fakten. Das muss am einfach akzeptieren", erklärt Werner Mages.

Bei Saisonabbruch im Fußball: Quotientenregelung und keine Relegation

Amberg
Hintergrund:

Auf- und Absteiger nach Quotientenregel

  • Bayernliga Nord: Aufsteiger SC Eltersdorf; Absteiger FC Viktoria Kahl
  • Landesliga Mitte: Aufsteiger ASV Neumarkt; Absteiger SV Grafenwöhr und SpVgg Pfreimd
  • Landesliga Nordost: Aufsteiger 1. SC Feucht; Absteiger TuS Feuchtwangen und Baiersdorfer SV

 

 

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