16.02.2021 - 16:34 Uhr
AmbergSport

Oberpfälzer Trainer kommentieren Matchplan von Club-Coach Robert Klauß

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Der Trainer des 1. FC Nürnberg spricht vom asymmetrischen Linksverteidiger und vom breitziehenden Zehner. Die Kollegen aus dem Amateurlager nennen das "neumodisches Geschmarre" und "Fettnäpfchen".

Der Nürnberger Trainer Robert Klauß hat bei der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen St. Pauli „seinen“ Matchplan erklärt. Verstanden haben ihn die wenigsten.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Diese Pressekonferenz sorgt für Diskussionen – mal wieder über den Club aus dem Frankenland, genauer über Trainer Robert Klauß, als er auf die Matchplan-Frage eines Journalisten wie aus der Pistole geschossen antwortet. In einem Vokabular, bei dem die Meinungen auseinandergehen, wie viele Fußballer (nicht nur die des 1. FC Nürnberg) das wirklich verstanden haben. Oberpfalz-Medien hat sich umgehört, was Trainer in der Region zum "asymmetrischen Linksverteidiger" und zum "breitziehenden linken Zehner" sagen.

  • Martin Edenharter (31, DJK Ensdorf II)

"Ich bin ja Nürnberg-Fan, wir haben gestern schon in einer Whatsapp-Gruppe darüber diskutiert. So richtig verstanden hat das keiner. Ich musste mich erst im Internet kundig machen, was ein asymmetrischer Linksverteidiger ist. Ich glaube, die Club-Spieler haben das auch nicht verstanden, sonst hätten sie anders gespielt. Das ist halt der klassische Laptop-Trainer, wie es Mehmet Scholl schon mal gesagt hat. Früher hat man Fußball gespielt. Der Klauß war Co-Trainer beim Nagelsmann in Leipzig. Vielleicht spielen dort ja lauter Studierte."

  • Alexander Heldrich (40, SV Illschwang)

"Ich kann's wirklich nicht erklären, was er meint. Mir ist das alles zu übertrieben, das ganze neumodische Geschmarre. Da lobe ich mir noch solche Trainertypen wie den Werner Lorant oder Felix Magath. Was ein breitziehender linker Zehner ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, was ein ballferner Zehner ist, das habe ich ja jahrelang praktiziert. Der ist immer extrem weit weg vom Ball und möchte auch nicht angespielt werden. Aber ich sehe schon, ich werde meinen Wortschatz vergrößern müssen."

  • Karl-Heinz Wagner (67, FC Amberg)

"Das ist Wahnsinn. Symmetrisch heißt gleich, asymmetrisch heißt ungleich. Also steht der linke Verteidiger irgendwie anders als der rechte Verteidiger, so verstehe ich das. Aber vermutlich musst du heute so vor die Mannschaft treten, aber du verwirrst sie nur. Man wird taktisch immer weiter gebildet. Wenn man ein Spiel anschaut, verschiebt sich das ständig. Aber das hilft alles nichts, wenn der Mühl im Sechzehner einen legt, und es gibt Elfmeter. Dann hilft der ganze Matchplan nichts. So 60 bis 70 Prozent der Spieler verstehen in etwa, was der Trainer will. Aber die Zuschauer und Fans, die verstehen das nicht. Da macht er sich nur lächerlich."

  • Christian Zechmann (36, TSV Stulln)

"Seine Spieler werden damit schon etwas anfangen können, aber für uns Amateure war das sehr verwirrend. Das war ganz komisch, es haben viele nicht verstanden, dieses neudeutsche Gered'... Vielleicht kann er es bei der nächsten Pressekonferenz so erklären, dass es auch die Amateurspieler verstehen. Ich bin mir sicher, dass ich das Wort "asymmetrisch" in einer Spielersitzung noch nicht benutzt habe. Sonst würden meine Spieler genau so schauen wie ich bei den Ausführungen von Robert Klauß. Aber er hat sich damit auf jeden Fall seinen Kultstatus gesetzt."

  • Sebastian Schell (36, TSV Püchersreuth)

"Das war schon relativ kompliziert. Ich habe selber einen Trainerschein gemacht, aber asymmetrischer Linksverteidiger und breitziehender Zehner sind mir nicht bekannt. Ich glaube, dass die Spieler durch solche taktischen Anweisungen zu sehr in einer Schablone sind. Der Club sollte in dieser Situation vielleicht mehr auf die Grundtugenden wie Kampf und Einsatz setzen. Es war ganz klar ein Fettnäpfchen, in das er hineingetreten ist. Es ist schon grenzwertig, wenn ich solche Informationen an meine Spieler weitergebe, aber das dann den Medien so gegenüber zu sagen, ist absolut übertrieben."

Kommentar: Der 1. FC Nürnberg braucht endlich eine komplette Erneuerung

Nürnberg
Hintergrund:

Die "Übersetzung" des Matchplanes

  • “Wir sind in einem 4-2-2-2 auf Pressinglinie eins angelaufen”: Der Club spielte gegen St. Pauli in der Grundformation hinten mit einer Viererabwehrkette (von rechts: Knothe/Latteier, Mühl, Sörensen, Handwerker), zwei defensiven Mittelfeldspielern (Geis, Krauß), zwei offensiven Mittelfeldspielern/”Zehnern” (Möller Daehli, Nürnberger) sowie zwei Angreifern (Dovedan, Schleusener). Mit Pressinglinie verdeutlicht Klauß, ab wann der ballführende Gegenspieler aktiv angelaufen wird. “Pressinglinie eins” dürfte eine interne Codierung sein, die das Anlaufen in vorderster Front bedeutet, sprich: Dovedan und Schleusener lösen das Pressing in Verbund mit Möller Daehli und Nürnberger aus, sobald St. Pauli begonnen hat, das Spiel von hinten heraus über die Innenverteidiger aufzubauen. Die Alternative zu diesem Angriffspressing ist das Mittelfeldpressing. Das bedeutet, man lässt den Gegner hinten rausspielen und attackiert erst ab einer “Pressinglinie zwei”, die in etwa zwischen der Mittellinie und der gegnerischen Spielfeldmitte gesetzt sein dürfte. Das variiert aber von Trainer zu Trainer, von Spielidee zu Spielidee.
  • “Wir wollten nach Ballgewinn über den ballfernen Zehner umschalten”: Erobert der Club den Ball von St. Pauli, soll der Gegenangriff über den “Zehner” vorgetragen werden, der vom Ort des Ballgewinns weiter entfernt ist. Wenn beispielsweise der Ball in der linken Nürnberger Spielfeldhälfte gewonnen wird, soll der erste Pass direkt zu Mats Möller Daehli gespielt werden, weil der laut Grundformationen den halbrechten, offensiven Mittelfeldspieler gibt. Gelingt dem Club der Ballgewinn aber auf der rechten Seite, war Fabian Nürnberger als linker “Zehner” der Pass-Adressat für den schnellen Gegenstoß.
  • “Wir sind in Ballbesitz in eine Dreierkatte abgekippt mit dem asymetrischen Linksverteidiger und dem breitziehenden linken Zehner, so dass wir in ein 3-4-3 respektive 3-1-5-1, je nachdem, wo sich Dove (Nikola Dovedan) aufgehalten hat, abgekippt sind”: Im 3-4-3-Spielaufbau (einfach: wenn der Club das Spiel von Torwart Christian Mathenia aus aufbaute) bilden so die Innenverteidiger Mühl und Sörensen mit dem “asymetrischen Linksverteidiger” Handwerker die Dreierkette. Rechtsverteidiger Knothe/Latteier schiebt auf die Höhe der defensiven Mittelfeldspieler Geis und Krauß vor, dazu besetzt der “breitziehende linke Zehner” Nürnberger die linke Außenbahn in dieser Mittelfeld-Viererkette. In vorderster Front sind Schleusener, Möller Daehli und Dovedan. Interpretiert Dovedan seine Rolle defensiver, rückt Krauß im 3-1-5-1 als alleiniger defensiver, zentraler Mittelfeldspieler nach hinten, davor bilden Knothe/Latteier, Geis, Möller Daehli, Dovedan und Nürnberger eine Fünferkette hinter der einzigen Spitze Schleusener. (fle)

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.