15.04.2021 - 16:36 Uhr
AmbergSport

Saisonabbruch: Fußballverband will vor Vereinsumfrage Optionen ausarbeiten

Der Ball rollt in Richtung vorzeitiges Saisonende: Der Bayerische Fußballverband will aber zunächst alle Optionen eines Saisonabbruchs durchleuchten. Erst im nächsten Schritt wird die Umfrage an der Basis folgen.

Runter vom Spielfeld: Der Saisonabbruch im Fußball ist so gut wie sicher. Allerdings ist die Frage, wie er vonstatten gehen soll. Der Verband arbeitet in den kommenden Tagen Optionen aus und wird dann seine Mitgliedsvereine befragen.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Am Dienstag war der Bayerische Fußballverband (BFV) mit einer Mitteilung auf seiner Homepage vorgeprescht und hatte darin den Eindruck erweckt, dass eine Vereinsumfrage bezüglich eines Saisonabbruchs unmittelbar bevorsteht. Dem ist aber nicht so. Der Verbandsvorstand hat in seiner Videokonferenz am Mittwochabend zwar nochmals ohne Gegenstimme festgestellt, dass er es aufgrund der staatlichen Verfügungslage – die 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde bis mindestens 9. Mai 2021 verlängert – "de facto für nicht mehr möglich erachtet, die aktuell aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit 2019/21 in den allermeisten Ligen ordnungsgemäß zu Ende zu führen und ein Abbruch der Verbandsspielklassen deshalb unvermeidlich erscheint". Ein formeller Beschluss zum Abbruch soll aber aus formalen Gründen derzeit noch nicht getroffen werden.

„Stand heute gilt die Verordnung des Freistaats Bayern nur bis zum 9. Mai 2021. Auch wenn wir aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen nicht davon ausgehen, wäre es rein theoretisch noch möglich, einzelne Spieltage bis zum offiziellen Saisonende am 30. Juni 2021 anzusetzen", betont der für Rechtsfrage zuständige Vizepräsident Reinhold Baier auch in Hinblick auf die in den Statuten verankerte Quotientenregelung. "Schon ein Spiel könnte die Quotienten und damit das Tabellenbild verändern." Aufgrund der aktuellen Infektionslage hält der Verband die kurzfristige Rückkehr in einen geordneten, mehrwöchigen Trainingsvorlauf zwar laut Baier "für höchst hypothetisch und unwahrscheinlich". Rein formell sei dies "aber nicht in Gänze auszuschließen."

In den vergangenen Wochen sind in München mehrere offene Briefe und einzelne Anträge von Vereinen eingegangen. Absender sind überwiegend Klubs, die in den Abstiegskampf involviert sind. Einige Vereine fordern den BFV dazu auf, die Quotientenregelung nicht zur Anwendung zu bringen oder noch einzelne Spiele zur Veränderung der Quotienten zuzulassen. Wiederum andere Klubvertreter bitten um die verbindliche Umsetzung des Paragrafen 93. Und es gibt auch Stimmen, die sich für eine Fortsetzung der Saison über den 30. Juni 2021 hinaus einsetzen. „Wir müssen die Sicht der betroffenen Vereine akzeptieren und wollen diese auch nicht mit dem bloßen Hinweis auf die bestehenden Bestimmungen abweisen", betont Baier.

Wie geht es aber nun weiter? Der Verbandsspielausschuss hat in den vergangenen Monaten bereits vorab eine Vielzahl von Modalitäten eines Saisonabbruchs entwickelt. Der BFV-Vorstand hat nun am Mittwoch entschieden, diese Aspekte und die von den Vereinen eingebrachten Anträge nochmals genau zu bewerten. "Natürlich wird man uns, dem BFV-Vorstand, wieder wie schon im ersten Lockdown Zögern und Zaudern vorwerfen", räumt Thomas Graml ein. Der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende warnt aber vor einem Schnellschuss: "Wir wollen das Meinungsbild für unsere Vereine gründlich vorbereiten. Und dazu gehört es auch, die Auswirkungen der Entscheidungen klar darzustellen." Laut Graml geht es unter anderem darum, Alternativen zum Abbruch unter Anwendung der Quotientenregel zu prüfen. "Was mich die Pandemie gelehrt hat, ist mehr Geduld aufzubringen. Ich verstehe aber alle, die mit der Gesamtsituation nicht zufrieden sind." Als Zielsetzung für die Vereinsbefragung nennt Graml einen Zeitraum bis Ende April.

Die Quotienten-Regelung auszusetzen, stattdessen nur Aufsteiger zuzulassen und den Abstieg nicht zu vollziehen, ist dem Vernehmen nach eine Option, die auf dem Tisch liegt. "Die Konsequenzen wären extrem weitreichend, das muss man sich sehr genau ansehen. Stand heute haben wir mit dem Paragrafen 93 eine klare Regelung mit Auf- und Absteigern“, sagt Vize-Präsident Robert Schraudner. Der Bezirks-Vorsitzende des BFV in Oberbayern leitet die vom Vorstand eingesetzte Gruppe, die sich in den kommenden Tagen nochmals spieltechnisch und sportrechtlich mit allen infrage kommenden Modellen zur Abwicklung der Saison 2019/21 auseinandersetzen wird. „Wir müssen bei allen Überlegungen immer fest im Blick haben, dass uns die Pandemie auch in der Saison 2021/22 begleiten wird. Wir müssen übervolle Ligen und damit eine Vielzahl an zusätzlichen Spieltagen möglichst vermeiden, um nicht wieder an den Punkt zu kommen, an dem wir jetzt stehen." Für Graml ist indes jetzt schon klar: "Egal welche Entscheidung wir treffen: Wir werden es nicht allen recht machen können."

Formell hat der BFV-Vorstand am Mittwochabend wie angekündigt den Ligapokal-Wettbewerb mit Ausnahme der Regionalliga Bayern abgebrochen. Zudem findet aktuell der Austausch mit den betroffenen Vereinen und dem Bayerischen Innenministerium hinsichtlich des weiteren Vorgehens für den Toto-Pokal-Wettbewerb sowie für die Play-offs und den Ligapokal-Wettbewerb der Regionalliga Bayern statt.

Fußballverband rüstet sich für vorzeitiges Saisonende

Amberg
Hintergrund:

Chronologie der Saison 2019/21

  • 13. März 2020: Der Bayerische Fußball-Verband setzt den Trainings- und Spielbetrieb aus.
  • 20. April 2020: Ergebnis einer Umfrage unter allen bayerischen Vereinen. Die Mehrheit spricht sich für eine XXL-Saison 2019/21 mit Fortsetzung ab 1. September 2020 aus.
  • 19. September 2020: Nach langen Diskussionen zwischen dem BFV und der bayerischen Staatsregierung um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, rollt ab 19. September wieder der Ball, mit Hygienekonzept der Vereine und begrenzter Zuschauerzahl.
  • 1. November 2020: Nach dem neuerlichen Sportverbot ruft der BFV die vorgezogene Winterpause aus. Seitdem geht nichts mehr.
  • 26. März 2021: Es gibt Hoffnung: Die bayerische Staatsregierung erwägt Öffnungsschritte für den Sport nach den Osterferien ab 13. April.
  • 30. März 2021: BFV verabschiedet einen Vier-Punkte-Plan zur Fortsetzung des Spielbetriebs. Unter anderem muss ein uneingeschränkter Trainingsbetrieb ab spätestens 3. Mai möglich sein.
  • 8. April 2021: Keine Lockerungen bis 26. April, BFV streicht den Ligapokal.
  • 13. April 2021: BFV kündigt eine Vereinsabstimmung über den Abbruch der Saison 2019/21 an.
  • 15. April 2021: BFV hält Abbruch der Saison 2019/21 für unvermeidbar, Rechtsfragen bleiben im Detail noch offen.

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