23.02.2021 - 15:54 Uhr
AmbergSport

Tennis-Verbot ist "nicht nachvollziehbar"

In einer Live-Diskussion des Bayerischen Tennisverbandes sind sich Trainer, Anlagenbetreiber und BTV-Präsident Helmut Schmidbauer einig: Die Bayerische Staatsregierung muss ihre Corona-Politik ändern.

In der Theorie beginnt bald die Tennissaison im Freien.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

In einer Facebook-Live-Diskussion haben sich am Montag Tennistrainer, Betreiber von Tennisanlagen und der Bayerische Tennis-Verband (BTV) für eine sofortige Änderung der Corona-Politik der Bayerischen Staatsregierung hinsichtlich des organisierten Individualsports ausgesprochen. BTV-Präsident Helmut Schmidbauer wies erneut auf den vom BTV ausgearbeiteten Stufenplan zur Öffnung der Tennisanlagen hin und begrüßte die von Ministerpräsident Söder in Aussicht gestellten Maßnahmen: „Nach einem harten Winter mit monatelangem Lockdown verlangt die bayerische Tennisszene nun deutliche Lockerungen und einen ’normalen’ Saisonverlauf in den Sommermonaten.“

Die Untersagung des kontaktfreien Tennissports sei schlicht nicht nachvollziehbar. Unabhängig vom wirtschaftlichen Schaden etwa für tausende bayerische Tennistrainer, für Anlagenbetreiber, Vereine, Gastronomen und die Sportindustrie würden kaum differenzierte Maßnahmen dem Schutz der Volksgesundheit deutlich zuwiderlaufen. Das sagen die Teilnehmer:

  • Uwe Dressel, 1. Vorsitzender TG Neunkirchen, Inhaber einer Tennisschule, Referent Trainerausbildung, Schul- und Kindergartentennis im BTV-Bezirk Oberpfalz

"Die Politik sollte umdenken. Statt nur zu verbieten, weil sie vieles nicht optimal gemacht haben, müssen Perspektiven aufgezeigt und alles Gefahrlose ermöglicht werden. Die Menschen, insbesondere die Kinder, leiden schwer unter dem Lockdown. Der Sport kann den Menschen vieles geben und sie sehnen sich danach. Spätestens, wenn die Witterung das Spielen auf den Freiplätzen erlaubt, haben ich und viele Tennisfreunde kein Verständnis mehr für das Tennisverbot. Zu zweit im Freien Tennis unter Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften zu spielen, ist völlig ungefährlich und muss ermöglicht werden."

  • Michael Schaller, Rechtsanwalt und Steuerberater, Schaller & Partner, München

"Die aktuelle Situation ist inzwischen für alle sehr belastend, nicht nur wegen der finanziellen Sorgen der Betroffenen. (...) Zudem bin ich der Meinung, dass die Maßnahmen viel besser begründet und mit Fakten belegt werden müssen, wie das tatsächliches Infektionsrisiko in der Tennishalle. Die aufgelegten Hilfsprogramme sind grundsätzlich in Ordnung. Die Umsetzung ist aber leider in einem völligen Bürokratiewahnsinn ausgeartet, der am Ende alle Betroffenen verzweifeln lässt. Ich kann hier einen massiven Stimmungseinbruch bei den Mandanten feststellen."

Kommentar: Es ist allerhöchste Zeit für Lockerungen im Sport

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  • Dudo Safaric, Leiter Tennis Werkstatt in Prien a. Chiemsee, Mitglied der Facebook-Gruppe Tennistrainer in Zeiten von Corona, Repräsentant Snauwaert Deutschland

"Die Stimmung unter den Tennistrainern ist momentan richtig am Boden, weil wir von der Politik überhaupt nicht gehört werden! Wie kann es sein, dass sich niemand die Zeit nimmt und unsere Konzepte begutachtet, die dafür sorgen, dass wir unseren Beruf ausüben können. Nicht nur wir Trainer, sondern Menschen aus anderen Berufsgruppen bestätigen uns, dass eine Blockade des Tennisspielens keinen Sinn ergibt.

  • Sebastian Beutelstahl, Inhaber Sportpark Beutelstahl, Oberhaching

"Sport ist ein ganz wichtiger Teil für ein soziales Miteinander und unsere Gesundheit. Wie hoch wird die Dunkelziffer sein an Herz-Kreislauferkrankungen und Depressionen der Kinder und Erwachsenen, die seit Monaten keinen Sport machen? Warum hinterfragt man das nicht? Mir fehlen hier klare Differenzierungen der Politik und der Blick auf Folgeschäden. Corona ist ein sehr ernst zunehmendes Virus, das uns noch länger beschäftigen wird. Aber es reicht jetzt mit undifferenzierten Schließungen und Verboten, ohne den Menschen eine Perspektive zu geben."

Hintergrund:

Die Forderungen des Bayerischen Tennisverbandes

  • Öffnung der Tennishallen (Indoor-Sport) zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf Basis der Bestimmungen der 8. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung
  • Öffnung der Freiplätze (Outdoor-Sport) im März für den Trainingsbetrieb mit maximal vier Personen plus Trainer pro Platz und unter Einhaltung der erweiterten Hygienebestimmungen (FFP2-Masken außerhalb der aktiven Sportausübung)
  • Öffnung des Wettkampftennis bei weiterem Rückgang des Infektionsgeschehens ab dem 1. April mit den erweiterten Hygienekonzepten aus dem Frühjahr 2020

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