01.12.2021 - 15:12 Uhr
AmbergSport

Triathlet Wolfgang Schmatz: Nach Notaufnahme im Klinikum folgt Einladung auf Trauminsel

Wolfgang Schmatz ist mit drei WM-Titeln beim Hawaii-Ironman ein erfolgreicher Triathlet. Doch was er in diesem Jahr erlebte, stellt alles in den Schatten: Zuerst Herz-OP nach Frust-Wettbewerb in Frankreich – und dann das Happy-End.

Wolfgang Schmatz.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Der sportliche Tiefpunkt war am 22. August in diesem Jahr: Der Amberger Triathlet Wolfgang Schmatz wollte sich beim Ironman in Vichy in Frankreich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii 2022 qualifizieren. Der erste Schock kurz nach dem Wettbewerb: Schmatz verpasste sein Ziel um gerade mal acht Sekunden, weil er "nur" den zweiten Platz der Altersklasse 55 erreichte. Der Frust war groß bei dem 59-Jährigen, da ihm nach dem Zielleinlauf vom Veranstalter mitgeteilt wurde, dass entgegen der Ausschreibung sich nicht die ersten Drei für Hawaii qualifizieren, sondern nur der jeweilige Altersklassensieger. Schock Nummer zwei ein paar Wochen später – und der war ungleich heftiger: Puls bei 180 nach ein paar Meter Schwimmen, Hausarzt, EKG und Notaufnahme im Amberger Klinikum St. Marien.

Denn schon seit zweieinhalb Jahren wird Wolfgang Schmatz von Herzrhythmusstörungen geplagt. Mit Medikamenten bekam er das in den Griff. Aber schon im Vorfeld von Vichy merkte Schmatz: Sie kommen wieder häufiger. Nur: "Ich dachte: Liegt es an der falschen Ernährung? Wenn man zu hastig isst, kann man das Zwerchfell abdrücken, und das behindert das Herz", erklärt Schmatz.

"Da kann etwas nicht stimmen"

Größere Gedanken machte er sich zunächst keine. Als er aber bei Kilometer 30 beim Laufen in Vichy Probleme mit der Sauerstoffversorgung bekam und dazu etliche Krämpfe, wurde ihm bewusst: "Da kann etwas nicht stimmen!"

Eine Woche nach dem Ironman in Frankreich wollte Schmatz im Amberger Hockermühlbad beim Schwimmen abtrainieren, doch nach ein paar Bahnen wurde sein Zustand prekär: "Ich dachte, ich geh' hops. Ich sitze da, und mein Puls war bei 180. Was ist da los?" Gerade noch, so Schmatz, habe er es zu seinem Hausarzt geschafft – und ab da ging's schnell: EKG, Herzrhythmusstörungen, Notaufnahme im Amberger Klinikum. Die Diagnose: Wolfgang Schmatz als langjähriger Ausdauersportler habe ständig eine sehr niedrige Pulsfrequenz, und im Alter kämen die Probleme. "Der Arzt hat zu mir gesagt: Das haben fast alle in Ihrem Alter." Schmatz, der nächstes Jahr 60 wird, bekam zwar bestätigt, dass sein Herz grundsätzlich in Ordnung sei, aber: Nur eine Ablation könne Abhilfe schaffen. Eine Operation am Herzen, mit der "Fehlzündungen" des Herzmuskels verhindert werden. "Die nennen das tatsächlich 'Zündkerzen' zwischen den Lungenvenen. Und die erzeugen unrhythmische Impulse, und das muss verödet werden", sagt Schmatz.

48 Sekunden überlegt

Am 14. Oktober wurde er operiert ("Das war eine super Betreuung im Klinikum, absolut top"), und einen Tag nach der OP glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen: "Ich hab' mein Handy in der Hand, meine Tochter kommt gerade zur Tür rein, ich schaue aufs Handy, und denke: Das gibt's doch nicht. Jetzt habe ich eine Einladung für Hawaii 2022 bekommen." Einen Startplatz bei der Weltmeisterschaft im Triathlon. 48 Stunden habe er Zeit, um zuzusagen. "Ich habe nicht mal 48 Sekunden überlegt", erklärt Schmatz und lacht. Zwölfmal war er bereits in seiner Karriere bei der Ironman-WM auf Hawaii dabei – im nächsten Jahr wird es Nummer 13 sein. "Die Veranstalter, die World Triathlon Corporation, habe dem Druck von etlichen Sportlern nachgegeben, die sich über die kurzfristige Reduzierung der Startplätze geärgert und sich beschwert hatten – darunter auch Schmatz. "Die haben das wieder geändert auf die normale Zahl von Slots, damit hatte ich eigentlich schon gerechnet. Aber der Hammer ist: Der erste Wettkampf, für den es geändert wurde, war meiner in Vichy. Alle anderen davor nicht", erklärt der Amberger Triathlet. Warum es auf einmal trotz Corona-Auflagen klappt, habe einen Grund: Frauen und Männer werden auf Hawaii getrennt starten, die Frauen am Donnerstag, 6. Oktober 2022, die Männer am Samstag, 8. Oktober. "Dadurch wird das Feld mit den Tausenden von Athleten entzerrt."

1000 Euro Startgebühr

Jetzt hofft Wolfgang Schmatz, dass er in einem Jahr nach seiner OP fit ist, denn das Unternehmen "Hawaii" ist nicht gerade billig. "Du musst gleich 1000 Euro Startgebühr bezahlen, das ist schon heftig. Wenn du absagst, bekommst du nichts mehr." Aber seine Familie will unbedingt mit, denn die Aussichten für den dreifachen Altersklassensieger (zweimal AK 50, einmal 55) sind gut: "Mein Traum ist, nochmals zu gewinnen. Ich werde nächstes Jahr 60, und bin dann einer der Jüngsten in der Sechziger-Klasse, und da hoffe ich auf einen guten Wettkampf." Nun kann Schmatz zwar trainieren, aber gemächlich: "Mein Herz schlägt durch die Medikamente, die ich nach der OP nehmen muss, viel ruhiger als normal. Wenn ich einen Berg hochlaufen will, denke ich am Anfang: Ich kippe wieder runter. Da muss ich mich zurückhalten."

Eines hat Schmatz noch genau in Erinnerung: Als er zu den Voruntersuchungen vor der Operation ins Klinikum musste, gab's Probleme. "So einen Ausdauersportler wie mich kann man nicht einfach untersuchen. Das MRT zum Beispiel funktioniert ab einer Herzfrequenz von 60. Jetzt komm ich daher mit unter 40. Da mussten sie mir erst ein Mittel spritzen müssen, damit es klappt." Und der operierende Arzt, der sich immer wieder nach der OP erkundigt habe, wie es ihm gehe, sagte ihm danach voller Erstaunen: "Herr Schmatz, ich habe sie gegoogelt. Um Gottes Willen, was hatte ich da für ein Gerät am Tisch!"

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"Ich dachte, ich geh' hops. Ich sitze da, und mein Puls war bei 180. Was ist da los?"

Wolfgang Schmatz, Ausdauersportler, nach ein paar Runden Schwimmen im Amberger Hockermühlbad

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