20.01.2021 - 12:14 Uhr
AmbergSport

Umfrage zur Handball-WM: Von Euphorie (noch) keine Spur

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Was waren das für Handball-Feste in den vergangenen Jahren. Egal, ob WM, EM oder Olympische Spiele: Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft waren Zuschauermagneten. Die WM in Ägypten läuft bislang noch unter dem Radar. Woran liegt das?

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft jubelt nach dem Sieg zum WM-Auftakt gegen Uruguay.

Von Josef Maier und Fabian Leeb

Zum Auftakt feierte die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der WM in Ägypten einen Kantersieg gegen Außenseiter Uruguay. Der zweite Auftritt gegen die Exoten aus Kap Verde fiel coronabedingt gleich ganz aus. Das finale Gruppenspiel gegen Ungarn (28:29) stellte somit den ersten WM-tauglichen Vergleich für die DHB-Auswahl dar. Wo es bei vorangegangenen Handball-Turnieren die Zuschauer noch vor die TV-Geräte zog, wo öffentliche Public-Viewings veranstaltet wurden, hat sich bislang noch keine WM-Euphorie breitgemacht. Sorgt nur die Corona-Pandemie für eine gewisse Sport-Müdigkeit? Steigt das Handball-Fieber erst mit zunehmend stärker werdenden Gegnern? Über die Gründe, weshalb das Turnier-Motto bis dato eher "Nebenbei, statt mittendrin" lautet, spekulieren die Handball-Experten aus der Region in der Oberpfalz-Medien-Umfrage.

Wolfgang Schaller (HG Amberg)

Wolfgang Schaller von der HG Amberg.

Da es für die Vereine in Corona-Zeiten ohnehin schwierig ist, den Kontakt zu Mitgliedern aufrechtzuerhalten, hat die HG Amberg ein vereinsinternes WM-Tippspiel organisiert. „Via Whatsapp können unsere 50 Gruppen-Mitglieder auf die deutschen Treffer in den einzelnen Spielen tippen. Wer die genaue Anzahl richtig vorhersagt, erhält 15 Euro, wer am nächsten dran ist, bekommt noch 5 Euro“, sagt Wolfgang Schaller aus dem HG-Vorstand. Tippt keiner die korrekte Trefferzahl richtig, wandern die 15 Euro in einen Jackpot. „Nach dem Turnier sollen die Sieger jeweils Gutscheine von Vereinssponsoren erhalten.“ So wollen Schaller und seine Vorstandskollegen vor allem den Nachwuchs animieren, zumindest die deutschen Spiele zu verfolgen. „Bislang klappt das wunderbar, auch wenn das Spiel gegen Kap Verde ausgefallen ist.“

Daniela Nickl (HC Weiden)

Daniela Nickl vom HC Weiden.

Die WM läuft, „und sie läuft irgendwie so nebenher“, sagt Daniela Nickl, Sportliche Leiterin beim HC Weiden. „Die Jahre zuvor hatten wir Public-Viewing mit Beamer und Leinwand.“ Jetzt sitzen sie alle alleine zu Hause. „Das Vereinsleben fehlt natürlich sehr in dieser Zeit.“ Nickl weiß zwar, dass einige Spielerinnen aus der Damenmannschaft die WM-Spiele verfolgen, aber so groß wie in den Jahren zuvor sei die Begeisterung nicht. Auch für die Jugendlichen seien das schwierige Zeiten. „Einige unserer Trainer machen aber Online-Training mit ihnen“, berichtet Nickl von den Versuchen, den Handballnachwuchs bei Lust und Laune zu halten. Und noch einen Punkt gibt es, um die Gemeinschaft zumindest ein bisschen zusammenzuhalten. „Auch wir haben ein WM-Tippspiel.“

Mario Baier (HV Oberviechtach)

Mario Baier vom HV Oberviechtach.

Wenn Mario Baier, Spielleiter des HV Oberviechtach, Einträge der HV-Spieler und -Jugendlichen in den Sozialen Medien sieht, dann geht es nicht um die derzeitige Handball-WM. „Früher war das anders“, sagt er. Da habe man sich zum Public Viewing verabredet. Doch durch den coronabedingten Stillstand auch im Handball habe sich das alles verändert. „Ich denke 50 Prozent der Spieler schauen die Spiele gar nicht.“ WM-Fieber? Fehlanzeige. Aber nicht nur hier hinterlässt die Corona-Zeit beim Handballverein tiefe Spuren. Von der C-Jugend abwärts werde derzeit gar nicht mehr online trainiert, berichtet der Spielleiter. Durch eine neue Idee kann aber doch ein bisschen Kontakt gehalten werden. Physio Henry Seifert bietet zwei Mal die Woche über Teams Koordinationstraining an. Das Interesse ist groß. Baier: „Da sind immer 40 bis 45 Leute dabei.“

Christian Rohrbach (HC Sulzbach)

Christian Rohrbach vom HC Sulzbach.

Die Handballer beim HC Sulzbach verfolgen die WM-Spiele im fernen Ägypten, „wenngleich wir situationsbedingt verständlicherweise keine Events oder großartigen Treffen daraus machen können“, merkt HC-Vorsitzender Christian Rohrbach an. Das Welt-Turnier sei schließlich die einzige Möglichkeit, irgendwie den Bezug zu dieser Sportart zu halten. „Das fühlt sich trotzdem alles unwirklich an.“ Zwar sei das Interesse bei Handballern an der WM zwangsläufig „schon da“, doch bei weitem nicht so, wie das bei vorangegangenen Turnieren der Fall war. „Der Sport per se ist seit mittlerweile einem Jahr nicht mehr ausführbar – mit einer kurzen Unterbrechung im Herbst. Gepaart mit der aktuellen Pandemie sind das die beiden Gründe, weswegen alles darniederliegt und im Vorfeld der WM weder Euphorie noch Stimmung entstanden ist.“

Karl Söllner (HSG Nabburg-Schwarzenfeld)

Karl Söllner von der HSG Nabburg-Schwarzenfeld.

Von einer „ganz schwierigen Situation“ spricht Karl Söllner, Trainer der Damen der HSG Nabburg-Schwarzenfeld. „Die Mädels sind zweimal pro Woche zu einem digitalen Krafttraining verabredet, ansonsten haben wir derzeit kaum Kontakt.“ Bei den spärlichen Austauschen spiele die WM bislang keine Rolle. „Ich muss gestehen, dass das Ungarn-Spiel die erste Partie war, die ich mir angeschaut habe“, räumt Söllner ein, für den das mangelnde öffentliche wie eigene Interesse „irgendwie seltsam“ ist. „Vielleicht sind wir es schon gewohnt, dass nichts los ist. Allerdings müsste doch, weil derzeit nichts anderes läuft, großes Interesse da sein.“ Söllner hat noch einen Ansatz, weshalb sich die WM eher nebenbei abspielt: „Wir dürfen seit Monaten selber nicht spielen. Dass sich das bei Profis, die mit dem Sport ihren Lebensunterhalt verdienen, aber anders darstellt, versteht sich von selbst.“

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