15.01.2021 - 15:26 Uhr
AmbergSport

Uwe Bellmann: Aus der Loipe an den Laptop

Hobby Nummer eins: der Skilanglauf. Der hat das Leben von Uwe Bellmann geprägt und ihn aus der DDR in die Oberpfalz gelockt. Als Cheftechniker des DSV sorgte er bei Olympia für 15 Medaillen. Hobby Nummer zwei ist sein Beruf.

Die Skilanglauf-Staffel des SC Monte Kaolino Hirschau gewann von 1992 bis 1995 vier Deutsche Meistertitel in Folge. 1993 waren die Läufer in Amberg und gaben bei der Amberger Zeitung eine Autogrammstunde (von links): Jochen Behle, Uwe Bellmann, Torald Rein, Peter Schlickenrieder und Johann Mühlegg.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Ich war zu DDR-Zeiten schon kein einfacher Typ. Ich bin meinen Weg immer gegangen, ohne Wenn und Aber. Ich habe mich von den Trainern oder Funktionären nicht drücken lassen." Uwe Bellmann blickt selbstbewusst auf zwei seiner drei Karrieren zurück: Als erfolgreicher Skilangläufer zuerst in der DDR, dann für den SC Monte Kaolino Hirschau, bevor er als Cheftechniker des Deutschen Skiverbandes für noch mehr Erfolge mitverantwortlich war.

Disziplin-übergreifend für alle Sportarten im DSV arbeitete Bellmann, 14 Medaillen bei Olympischen Spielen waren das herausragende Ergebnis der deutschen Wintersportler: 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin und 2010 in Vancouver. Mittlerweile arbeitet er als IT-Fachmann in der Bundeskasse in Weiden.

Aus Sachsen in die Welt

Uwe Bellmann ist in Sayda, einem kleinen Ort in Sachsen, aufgewachsen. Im Alter von sechs Jahren stand er das erste Mal auf Langlaufskiern. "Das war 1968, Anfang der 1. Klasse", erinnert er sich. 14 Jahre später, nach zahlreichen DDR-Titeln, die er als Jugendlicher gewann, gelang Uwe Bellmann sein größter Erfolg: 1982 in Oslo holte er als Startläufer der DDR am Holmenkollen die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft über 4x10 Kilometer.

Der Weg dahin war oft nicht einfach. "Der Bellmann, der redet mir zu viel quer, den tue ich raus", habe einer seiner Trainer damals gesagt - und Bellmann flog zunächst aus der Mannschaft. Kurt Hinze, der Trainer, kam vom Biathlon, erinnert sich Bellmann. Und der junge Skilangläufer befand aber nicht alles für gut, was dieser so mitbrachte. Bellmanns Credo: "Wenn ich gut bin, komme ich wieder rein in die Mannschaft."

Zweimal bei Olympia

Und prompt, wegen seiner guten Leistung, war Bellmann wieder drin. Weil er so gut lief, wurde er - so war das damals in der DDR - 1976 an die Kinder- und Jugendsportschule Oberwiesenthal "delegiert". Als 18-Jähriger gewann er 1980 ein Qualifikationsrennen der Männer, danach reihte sich ein Erfolg nach dem anderen auf nationaler Ebene. An zwei Olympischen Winterspielen nahm er teil, 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary. "Die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Albertville 1992 habe ich um eine Sekunde verpasst," blickt Bellmann zurück.

Dazwischen lag die Wende und damit auch die Wende in seinem Leben: "Karl-Heinz Weber, der Teamchef des SC Monte Kaolino Hirschau, hat mich damals in die Oberpfalz gelockt", erklärt Bellmann. Ein Wechsel, der ihm nicht schwer fiel. Denn eine Anstellung beim AKW in Hirschau - mit Unterstützung der Langlauf-begeisterten Familie Heckmann - quasi als "Vollprofi" in Sachen Skilanglauf half enorm.

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Viermal Deutscher Meister

Für den SC Monte Kaolino Hirschau bedeutete dies die erfolgreichste Phase seiner Geschichte: Mit Jochen Behle an der Spitze, Johann Mühlegg, Torald Rein, Peter Schlickenrieder, Holger Bauroth und Uwe Bellmann mischte der SCMK die deutsche Szene auf und holte viermal in Folge von 1992 bis 1995 die Meisterschaft. "Erst war das eine Hobby mein Beruf, jetzt ist es das zweite", sagt Bellmann. Nummer zwei nach dem Skilanglauf: "Die IT hat mich mein ganzes Leben nach der Wende begleitet." Angefangen hat es, als ein Mitarbeiter von Conrad Electronic in Hirschau ihn tiefer in die Materie eingeführt hat. 1996 bewarb sich Bellmann für die Zoll-Skimannschaft und bestritt für diese bis zum Ende seiner sportlichen Karriere 1999 nationale und internationale Wettkämpfe. "Das war für meine Karriere als Ski-Techniker sehr gut, weil ich immer eine Alternative hatte. Ich musste mich nicht irgendwelchen Sachen beim Deutschen Skiverband beugen."

Der Beginn einer Karriere nach der Karriere. "Beim Deutschen Skiverband waren wir die ersten, die eine richtige Datenbank entwickelt haben. Die Ski wurden vermessen und alle Wettkämpfe erfasst."

Heute lebt Uwe Bellmann mit seiner Frau in Ehenfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach. Der 58-Jährige arbeitet beim Zoll bei der Bundeskasse in Weiden und ist dort als Betreuer zuständig für die IT. "Mit 50 habe ich im einfachen Dienst begonnen und bin jetzt Zollhauptsekretär." Gerade in der Coronakrise hatte er "so richtig zu tun." Notebooks wurden für die Mitarbeiter extra angeschafft, damit diese auch von zu Hause aus arbeiten konnten.

In Weiden die zweitgrößte

"Die Bundeskasse ist systemrelevant, weil sie unter anderem die Coronahilfen auszahlt", erklärt Bellmann. Deswegen wurde in diesem Bereich gut investiert. Gerade in der ersten Phase im Frühjahr mussten sich die Mitarbeiter umstellen, und von daheim aus arbeiten. "Das musste sehr, sehr schnell gehen." Die Bundeskasse gehört zum Zoll, insgesamt gibt es in Deutschland vier Standorte: in Kiel, in Halle, in Trier die größte und in Weiden die zweitgrößte.

Uwe Bellmann ist für alles zuständig, was mit PCs, Notebooks, Monitore und so weiter zu tun hat. "Wenn ein Mitarbeiter ein Problem hat, dann ruft er an, und dann löse ich ein Ticket", sagt Bellmann. "Wenn Notebooks kommen, muss ich mich um sie kümmern, Software aufspielen und so weiter. Dann Tele-Arbeitsplätze betreuen, zu den Leuten nach Hause fahren, wenn irgendetwas ist." Weil es sich um heikle Finanzdaten handle, die bearbeitet werden, gebe es eine spezielle Verschlüsselungssoftware. "Das ist in der Coronakrise schon extrem geworden."

Zwei Enkelkinder

Uwe Bellmann genießt das Leben in der Oberpfalz und besucht ab und zu die Familie seines Sohnes, die in der Nähe von Amberg wohnt - und kann sich dann um die beiden Enkeltöchter (drei und ein Jahr alt) kümmern.

Hintergrund:

Zur Person: Uwe Bellmann

  • Geboren 8. Oktober 1962 in Freiberg in Sachsen
  • Seit Anfang der 1980er Jahre als Skilangläufer der DDR bei internationalen Wettbewerben
  • Größter Erfolg: Bronzemedaille 1982 als Startläufer der DDR-Staffel bei WM in Oslo über 4 x 10 Kilometer
  • Olympische Winterspiele 1984 in Sarajevo: Platz sieben über 15 Kilometer, Platz zehn über 30 Kilometer
  • Olympische Winterspiele 1988 in Calgary: Platz fünf über 15 Kilometer Klassisch, Platz acht über 50 Kilometer Freistil
  • 1997 letzte Teilnahme an einer WM, Platz 18 über 10 Kilometer Klassisch in Trondheim
  • Mit Vereinsstaffel des SC Monte Kaolino Hirschau vier Deutsche Meistertitel in Folge von 1992 bis 1995
  • Dazu weitere zahlreiche nationale Titel in der DDR
  • 2000 bis 2012 Cheftechniker des Deutschen Skiverbandes, erfolgreiche Teilnahme an drei Olympischen Winterspielen (2002 Salt Lake City, 2006 Turin, 2010 Vancouver)
  • Seit 2014 IT-Betreuer bei der Bundeskasse in Weiden

 

 

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