24.10.2021 - 22:30 Uhr
MünchenSport

Die Bayern wurschteln und zaubern gegen Hoffenheim

Der FC Bayern zieht auch gegen 1899 Hoffenheim vom Leder. Die Gäste aus dem Kraichgau dürfen nur gut 20 Minuten mitspielen. Bei den Münchenern gibt es ein überraschendes Debüt.

Bayerns Omar Richards (links) in Aktion gegen Hoffenheims Kevin Akpoguma. Der 23-jährige Engländer stand bei den Münchnern erstmals in der Startelf.
von Josef Maier Kontakt Profil

Thomas Müller wurschtelte und wurschtelte und wurschtelte nochmal. Irgendwie hatten sich seine und die Beine des Hoffenheimers Chris Richards verknotet. Mit der guten alten Bauernspitz stupste Müller den Ball schlussendlich zu Robert Lewandowski. Der Bayern-Torjäger veredelte das Zuspiel mit einem Schuss aus 20 Metern ins Tor, so wie man es in einem Lehrbuch nicht schöner beschreiben könnte.

Diese Szene in der 30. Minute im Spiel gegen 1899 Hoffenheim, die zum 2:0 führte, verdeutlichte, welch' immense Bandbreite die Bayern draufhaben: Fußball auf ganz einfache Art und Fußball-Ästhetik auf allerhöchstem Niveau. "Das war ein schönes Tor", sagte Lewandowski. "Das kann man genießen." Aber der Pole hat ja schon oft genossen. Deswegen war ihm die Euphorie kaum anzumerken.

Hernández verletzt raus

Mit 4:0 (2:0) siegten die Münchener gegen die Gäste aus dem Kraichgau und zeigten, dass sie ihren Sturm und Drang auch zügeln können. "Nach dem 2:0 war ein bisschen Leerlauf drin", meinte Dino Toppmöller. "In der zweiten Halbzeit hat auch in der Defensive ein bisschen die Schärfe gefehlt." Wenn die Bayern derzeit jammern, dann jammern sie auf hohem Niveau. Das weiß auch Toppmöller, den die "Bild" ob des wegen Corona fehlenden Cheftrainers "Not-Nagelsmann" taufte. Der Sieg der Münchener, bei denen Lucas Hernández zur Pause wegen muskulärer Probleme raus musste (Toppmöller: "Das ist keine größere Sache") hätte verdienter nicht sein können, auch weil Hoffenheim nicht wie zuletzt Frankfurt agierte: "Uns hat in der ersten Hälfte die Überzeugung und Courage gefehlt", klagte Sebastian Hoeneß. Die zweite Halbzeit versöhnte den Sohn von Dieter und Neffen von Uli Hoeneß etwas.

Gegen Ende legten die Bayern nach dem 2:0 von Serge Gnabry (16.) und Lewandowski (30.) nach der kurzen Leerlaufphase noch durch die eingewechselten Eric Maxim Choupo-Moting (82.) und Kingsley Coman (87.) den dritten und vierten Treffer nach. Einer jubelte da fleißig mit, den niemand in der Anfangself erwartet hatte. Omar Richards verteidigte überraschend auf der linken Seite.

"Ein Kindheitstraum"

Der 23-Jährige, im Sommer vom englischen Zweitligisten FC Reading gekommen, schien in den letzten Wochen das Idealbild eines Bankdrückers abzugeben. Der Mann mit den Rastalocken fügte sich bestens sein. "Bei Bayern zu spielen, ist ein echter Kindheitstraum für mich. Ich habe heute jede Minute genossen", freute er sich über das Vertrauen der Trainer und über das Ambiente: "Die Fans haben für Gänsehaut-Stimmung gesorgt." Allerdings waren nur 60 000 der erstmals wieder 75 000 möglichen Plätze belegt.

Kimmich-Debatte im Vordergrund

Corona ist noch nicht vorbei. Das Virus spielt weiter mit, was nicht nur zeigt, dass Nagelsmann wegen Covid-19 erneut nicht im Stadion war. Vor allem die Debatte um den nicht geimpften Joshua Kimmich (Seite 3) rückte den 4:0-Sieg in den Hintergrund. Über Müllers Wurschteln und Lewandowskis Ästhetik redete am Ende keiner mehr.

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