09.07.2021 - 19:05 Uhr
Deutschland und die WeltSport

Kommentar zur EM 2021: Und was bleibt? Fußball mit Leidenschaft und Männer aus dem Mittelalter

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Italien gegen England. Am Sonntag geht die EM mit dem großen Finale zu Ende. Es waren vier Wochen voll von Jubel und Schmerz, von Unverständlichem und Kuriosem. Unser Sportredakteur Josef Maier nennt auch die wichtigste Erkenntnis.

Die Szene dieser Europameisterschaft: Die dänischen Spieler schützen ihren kollabierten Mitspieler Christian Eriksen beim Spiel gegen Finnland - und beten für ihn.
von Josef Maier Kontakt Profil
Kommentar

Ob draußen auf der Wiese oder in Wembley - vielen Spielern bei dieser Europameisterschaft würde das Kicken überall Spaß machen. Diese paneuropäische EM hat eines gezeigt: Fußball ist Leidenschaft, Wille, Herz, Freude. Einer für alle, alle für einen. Fußball - und das wird bei aller Taktik-Schwafelei oft vergessen - ist nur ein Spiel.

Und natürlich Emotion: Man hat das Gefühl, die Italiener singen ihre Hymne immer inbrünstiger, aber auch immer schlechter, dafür spielen sie wieder besser Fußball. Auch die Dänen, die Schweizer, die Schweden waren frech und fröhlich unterwegs. Spanien hat sich neu erfunden und England träumt. Die Three Lions gegen Italien, würdiger könnte das EM-Finale kaum sein.

Bei uns Deutschen war der Spielspaß nur in Spurenelementen vorhanden. Ja, es ist alles gesagt: Natürlich hätte Joachim Löw nach dem WM-Desaster 2018 zurücktreten müssen, natürlich waren es drei verschenkte Jahre. Das Alibi Löw lenkt aber auch stark von den Mitschuldigen ab. Weil ja in diesen Zeiten Statistiken total "in" sind: Beim Achtelfinal-Aus gegen England standen sieben Champions-League-Sieger der letzten zwei Jahre auf dem Platz plus Toni Kroos, dessen Titelsammlung nahezu einmalig in Europa ist. Aber gerade dieses langatmige und langweilige Kroos-Spiel stand für die deutsche Leistung. Da war vieles mausgrau ...

Mausgrau ist aber beileibe noch nichts gegen die ganz gefährlichen Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau oder Violett. Männern aus dem Mittelalter, Leuten wie Wladimir Putin, Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban oder Aserbaidschans Machthaber Ilham Aliyev macht ein Regenbogen richtig Angst. Das haben sie bei dieser EM deutlich gemacht. Aber wo und in welcher Zeit leben wir eigentlich? Dass Toleranz und das Ächten von Diskriminierung im Jahre 2021 nach Christi Geburt nicht selbstverständlich sind, ist Schande genug für diesen Kontinent.

Da hätte auch die Uefa mal ein echtes Zeichen für Weltoffenheit und Freiheit setzen können, wie sie es in Hochglanzbroschüren und Werbefilmchen vorheuchelt. Aber am Ende ist der europäische Verband dann doch nur eines, ein geldgeiles Gebilde. Vor Wochen noch hat sich die Uefa im Kampf gegen die Super-League als Retter des Fußballs feiern lassen, jetzt setzt sie auch schon mal die Daumenschrauben an. England mit dem Entzug der Finalspiele zu drohen, wenn sie nicht mehr Zuschauer reinlassen, hatte schon was von Erpressung. Corona war für den Verband ohnehin kein wichtiges Thema. Treuherzig war angekündigt worden, man würde auf Abstand, Masken und Hygieneregeln achten. Wenn dem so war, dann waren das - von München abgesehen - die miserabelsten Hygienekonzepte aller Zeiten.

Und die kurioseste Situation dieser EM? Nein, nicht eines dieser vielen Eigentore. Im Mittelpunkt stand natürlich wieder einmal Cristiano Ronaldo: Da verschmähte doch der derzeit weltberühmteste Fußballer vor der Weltöffentlichkeit die weltberühmteste Brause ... böses Foul an Coca Cola.

Die wichtigste Erkenntnis dieser EM ist aber: Es gibt viel Wichtigeres als Fußball. Auch die dramatischen Minuten von Kopenhagen, als Teamärzte Christian Eriksen wieder ins Leben zurückholten, gehören zu diesem Turnier. Nicht vorzustellen, wenn das alles anders ausgegangen wäre ...

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