17.06.2020 - 19:30 Uhr
FlossSport

Bayern-Fans feiern Titelgewinn alleine auf der Couch

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Achte Meisterschaft in Folge – ein echter Bayern-Fan feiert so ein Ereignis gewöhnlich bis in die Puppen. Aber in der Coronakrise ist nichts, wie es einmal war.

Der FC Bayern ist einmal mehr deutscher Meister: Marcus Fritsch vom Fanclub Wildenau hält eine Meisterschale aus vergangenen Spielzeiten in der Hand.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Anhänger des FC Bayern sind brave Staatsbürger. Und dies selbst in der Stunde großer Triumphe. „Natürlich ist es blöd, quasi alleine vor dem Fernseher zu verfolgen, wie wir zum 30. Mal Deutscher Meister werden“, sagt Marcus Fritsch ein bisschen missmutig. Gleichzeitig weiß der Vorsitzende des Bayern-Fanclubs Wildenau jedoch um die Notwendigkeiten von Abstandsregeln: „Das Feiern in der Gemeinschaft fehlt zwar total. Aber in der Coronakrise geht die Gesundheit nunmal vor.“

So wie Fritsch saßen viele Tausende Bayern-Fans am Dienstagabend zu Hause auf der Couch: Ein kurzer Jubel beim Treffer von Robert Lewandowski, die geballte Faust, als Manuel Neuer kurz vor Spielende den 1:0-Sieg in Bremen mit einer tollen Parade rettete. Und wenn’s hoch kam, vielleicht noch ein extra Bier beim Schlusspfiff. Trist und nüchtern, ohne Pepp und Feuer. Sieht so eine Meisterfeier unter gestandenen Bayern-Fans aus?

„Nein“, sagt Gerhard Stadler. „Wir hätten gerne in größerem Stil gefeiert. Mit einem Autokorso zum Beispiel.“ Aber auch der Chef der Flosser Bayern-Fans kennt die Zwänge: „Was willst du in diesen Zeiten anders machen?“ Zumindest in einem Punkt kommt bei Stadler Zufriedenheit auf. „Am Ende hat sich Qualität durchgesetzt. Wir haben die Meisterschaft verdient gewonnen“, lautet sein Saisonfazit. Die Mär von der Langeweile an der Bundesliga-Spitze kann Stadler nicht mehr hören: „Wir waren zwischenzeitlich sieben Punkte zurück. Wenn die anderen Vereine nicht in der Lage sind, dies zu nutzen, sind sie selber schuld.“

Als „entscheidenden Faktor“ für den achten Titelgewinn in Folge macht Stadler den Trainerwechsel im Herbst 2019 aus. „Unter Robert Kovac wäre es nichts geworden. Hansi Flick hat wieder eine Hierarchie und Spielfreude in den Kader gebracht. Außerdem fördert er junge Spieler.“ Vor allem von Sprintwunder Alphonso Davies ist Stadler begeistert: „Er war ja bereits bei uns in Floß zu Gast. Vielleicht hat die Brotzeit, die er bei uns bekommen hat, seine Entwicklung befördert.“

Nabburger Bayern-Fans doch in der Allianz-Arena dabei

Nabburg

In die Lobeshymnen auf den neuen Trainer stimmen auch andere Oberpfälzer Bayern-Fans ein. „Ich habe Kovac zwar gemocht, aber er hat irgendwie so eine Grundarroganz. Hansi Flick hat mit seiner Art wieder Ruhe reingebracht“, befindet Marcus Fritsch. Auch Josef Finster von den Kaisertreuen Vilseck, seit über 40 Jahren FCB-Edelfan, ist vom neuen Coach begeistert: „Ich habe immer daran geglaubt, dass noch etwas geht. Die Mischung im Team stimmt jetzt einfach.“ Ein Top-Zeugnis erhält Flick zudem von Bernd Hofmann. „Er hat die Mannschaft zurück in ein Stimmungshoch gebracht“, meint der Präsident des Bayern-Fanclubs Nabburg. „Es ist phantastisch, wie er die Mannschaft wieder begeistert hat.“

Sind Können und Begeisterung so groß, dass die Bayern heuer nach den Sternen greifen können? „Ich traue ihnen das Triple zu“, sagt Fritsch unumwunden. Auch Finster hält „alles für möglich.“ Dagegen ist Stadler eine Spur vorsichtiger: „Es ist machbar, aber es gehört auch Glück dazu.“ Pokalsieg plus Gewinn der Champions-League – Hofmann wäre nicht überrascht, wenn dieser Coup gelingen würde. Was ihn allerdings ein wenig traurig stimmt, sind die Begleitumstände: „Es kann eine der erfolgreichsten Spielzeiten überhaupt für den FC Bayern werden. Schade, dass die Fans nicht richtig mit dabei sein können.“

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