09.09.2018 - 22:54 Uhr
FreihungSport

Ein Club zum Anfassen in Seugast

Ganz Seugast war eh auf den Beinen, aber auch viele von drumherum. Gut 1100 Zuschauer sehen am Sonntagabend den Club gegen Dukla Prag. Die Nürnberger tun viel für ihre Fans nicht nur auf dem Platz.

von Josef Maier Kontakt Profil

Vor dem Spiel aß Michael Köllner am Eingang des Sportheims ein paar Träubchen, doch mit dem Genuss war's schnell vorbei. Flugs hatte sich eine Traube an Fans gebildet. Der Trainer war schon vor dem Anpfiff mächtig gefordert, musste jede Menge Autogramme schreiben und bei Selfies lächeln. "Wir machen das gerne", sagte der Coach des 1. FC Nürnberg nach Schlusspfiff. "Es ist immer wieder mal schön für uns rauszukommen." Köllner selbst war hochkonzentriert vor dem Testspiel: Als seine Frau Petra, die auch in den Kreis Amberg-Sulzbach gekommen war, ihm zuwinkte, übersah sie der Oberpfälzer doch glatt.

Am Sonntag kamen die Nürnberger raus nach Seugast. Und dort in der Freihunger Gegend waren nahezu alle auf den Beinen. Gut 1100 Club-Fans waren auf die schmucke Anlage der DJK Seugast gekommen - oder ins "Vilspark-Stadion", wie der Platz von Insidern genannt wird.

Neuzugänge im Blick

Mit 4:0 (2:0) besiegte der Erstliga-Aufsteiger aus Nürnberg Dukla Prag und zeigte auch das ein oder andere Kabinettstückchen, wie etwa Federico Palacios, der nach einer Stunde den Ball mit der Hacke ins Tor beförderte. Das war vielen Club-Fans einen Extra-Schluck Bier wert. "Spielerisch war das ganz gut", bilanzierte Köllner danach die 90 Minuten gegen den Tabellenletzten der ersten tschechischen Liga. Natürlich wusste er, dass bei diesem Spiel die Augen vor allem auf die beiden Last-Minute-Neuzugänge Virgil Misidjan und Matheus Pereira gerichtet waren.

"Wir haben schon gute Leute geholt", war Köllner mit dem Auftritt der beiden zufrieden. Misidjan flitzte in Halbzeit eins die Bahn rauf und runter, Pereira in der zweiten. "Die bringen schon noch mal Spielwitz rein", meinte der Trainer. Besser integriert ist schon Yuya Kubo. Das sah man nicht nur auf dem Platz. Nach seiner Auswechslung zur Pause und einer Dusche kam er mit der Aufschrift "Nürnberger Jungs" auf die Ersatzbank. Dort saß auch Mikael Ishak. Der Nürnberger Top-Stürmer hatte aber kein Trikot an. "Er hat eine Verhärtung im Oberschenkel", sagte der Club-Trainer, beruhigte dann aber sogleich alle Fans. "Es ist nichts dramatisches."

Für Ishak stürmte Törles Knöll und der Neuzugang vom HSV machte nach 14 Minuten das 1:0 nach einer Leibold-Flanke. Und weil die Fans vom Jubeln noch nicht genug hatten, legte Kubo nur vier Minuten später nach einer Valentini-Kopfball-Vorlage das 2:0 nach. Auch für Misidjan gab's kurz danach Szenen-Applaus: Als er sich richtig in einem Zweikampf mit einem Tschechen verbiss und auch noch den Ball eroberte.

Zur Pause wechselte Köllner nicht komplett durch, sondern brachte nach und nach Neue in den zweiten 45 Minuten ins Spiel. Der Spielfluss war dennoch zunächst etwas gestört. Erst mit Palacios Hackentor zum 3:0 (57.) kamen die Fans wieder auf Touren. Hinten brannte beim Club gar nichts an. Vor allem ein Verdienst von Georg Margreitter und Lukas Mühl. Köllner lobte sie aber nicht nur wegen ihrer Defensiv-Verdienste: "Unsere Innenverteidiger waren heute die Besten. Wie sie das Spiel von hinten aufgezogen, war klasse. Sie hatten die volle Spielkontrolle." Ein Blondschopf machte auch richtig Spaß: Simon Rhein - selbst vielen Club-Fans kein Begriff - kam nach einer Stunde rein und spielte flott mit. Der junge Mann aus der U21 nutzte das Testspiel für Eigenwerbung: "Er ist eine ernsthafte Alternative. War schon gegen Mainz fast im Kader. Rhein nagelte kurz vor Schluss den Ball zum 4:0-Schlusspunkt unter die Latte. Auf sich aufmerksam machte auch Torwart Christian Mathenia, der in den zweiten 45 Minuten im Kasten stand. Kurz vor Schluss hielt er einen Elfmeter.

Heimspiel für Erras

Eigenwerbung betrieb auch der Club selbst bei den Fans in der Oberpfalz. Für die ausgewechselten Spieler etwa war die Partie noch lange nicht gelaufen. Als sich Hanno Behrens, Leibold und Valentini Richtung Kabine bewegten, war das Spiel für viele Anhänger nur noch Nebensache. Dann begann der Autogramm- und Selfie-Marathon. Auch für Patrick Erras: "Ich habe mich schon die ganze Woche über auf dieses Spiel gefreut", sagte der Raigeringer, den viele Kumpels und auch die Eltern in Seugast angefeuert hatten. Mit dem Auftritt war er zufrieden: "Wir haben ein wirklich gutes Spiel gemacht." Und schon tauchte er ab in die Fan-Traube. Wie auch Trainer Köllner. Der hatte dann noch eine Sorge: "Ich muss nur schaun, dass wir irgendwann mit dem Bus heimkommen."

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