31.05.2019 - 18:17 Uhr
GebenbachSport

DJK Gebenbach auf dem Sprung zu Sport 1

Die DJK Gebenbach spielt um den Aufstieg in die Regionalliga und klopft damit an die Tür zum semiprofessionellen Fußball - obwohl das Dorf nur knapp 900 Einwohner hat. Wie hat der Verein das geschafft? Und was macht das mit dem kleinen Ort?

von Julian Trager Kontakt Profil

Cristiano Ronaldo flitzt die steinerne Treppe hinunter, Timo Kohler folgt. Zwei kleine Jungs, vielleicht acht Jahre alt, die Trikots der Fußballer tragen. Einer eins vom portugiesischen Weltstar, der andere eins vom Gebenbacher Kapitän. Kurz darauf schlurft ein anderer Bub vorbei, im weiß-grünen DJK-Dress. Nummer 8, Haller, plus Autogramm. In Gebenbach schaut an diesem Tag vieles nach Profifußball aus.

Die DJK Gebenbach klopft gerade an die Tür zum semiprofessionellen Fußball. Gegen den TSV 1860 Rosenheim geht's um den Aufstieg in die Regionalliga. Vierte Liga. Die "Königsklasse der Amateure", wie sie der Fernsehsender Sport 1 nennt, der pro Saison bis zu 20 Spiele aus der Liga live überträgt. Die ganz große Bühne für einen Verein aus einem Dorf mit nur knapp 900 Einwohnern. Der hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Vor sieben Jahren kickte die DJK noch in der Kreisliga, achte Liga. Und jetzt vielleicht bald auf Sport 1.

Pfarrvikar im DJK-Dress

Gebenbach

Aber erstmal Rosenheim. Vatertag, Hinspiel, daheim. Vor dem Sportheim drängen sich die Menschen durch die Gänge, es geht zu wie am Amberger Altstadtfest. Offiziell sind es 1640 Zuschauer, gefühlt noch einmal 1000 mehr. Schwerstarbeit für die Organisatoren.

Wildpinkler und Wildparker

Bereits eine Stunde vor Spielbeginn staut es sich auf der engen Straße zum Sportgelände. Die Feuerwehr regelt den Verkehr, rund 20 Leute sind im Einsatz, sagt ein Feuerwehrmann, "für ein Fußballspiel ist das sehr viel". Ein Anwohner schaut über seine Steinmauer, die Nachbarin über ihren Zaun. Nervt der Rummel? "Alles okay", sagt die Frau. Es passt, seitdem es Parkeinweiser gibt. "Davor war es Chaos. Kein Rettungswagen wäre durchgekommen. Die Leute haben in Doppel-Reihe geparkt", sagt die Frau und zeigt auf die nicht sehr breite Straße vor ihrem Haus. Dazu die Wildpinkler. "Für so ein kleines Dorf ist das schon Wahnsinn." Trotzdem sei alles in Ordnung - "solange alles friedlich ist." Sie lacht.

Drinnen auf der Steintribüne. Franz Wittich, in einer gelben Ordner-Weste, fuchtelt mit den Armen, macht die Treppe frei. Der sportliche Leiter gilt für viele als Vater des Erfolgs. Er selbst sieht das nicht so, spricht lieber über andere. Über den zweiten Vorsitzenden Thomas Milde, Betreuer Josef Nitzbon oder Platzwart Peter Förster. Und natürlich über die verstorbenen Vorstände Ludwig Birner, Kurt Milde und Werner Vogel. Die wahren Väter des Erfolgs. "Das Umfeld und die Strukturen sind von den drei Herren gelegt worden", sagt Wittich nach dem Spiel im Sportheim. Obwohl seine Mannschaft das wichtige Spiel 0:1 verloren hat, wirkt er total entspannt. Der Aufstieg war nie ein Muss.

Spielbericht

Gebenbach

Nichts mehr mit "Lettendatscher"

Der Verein steht so und so gut da. Die Haupttribüne wird in jedem Fall erweitert, sie reicht dann von der einen Eckfahne zur anderen. Gelingt der Aufstieg, bekommt auch die Ostseite eine Tribüne, sagt Wittich. Für die vierte Liga muss das Gelände Platz für 2501 Zuschauer bieten. Komplett umzäunt ist es bereits, auch eine Vorgabe. Der Hauptplatz wurde im vergangenen Sommer saniert. Die "Lettendatscher" sind damit Geschichte. So wurden die Gebenbacher von vielen in der Region genannt - weil ihr Platz oft unter Wasser stand. Manch älterer Zeitgenosse sagt das noch immer.

Und was ist jetzt das Erfolgsrezept? "Beständigkeit", sagt Wittich. Die Vorstandschaft sei seit Jahren nahezu unverändert, jeder bringe sich ein, jeder helfe. "Wir streuen auch die Linien selber", sagt Wittich. Der Mann lebt für die DJK Gebenbach, seit seinem elften Lebensjahr ist er dem Verein treu, seit 33 Jahren auch als Ehrenamtlicher. Erst Jugendtrainer, jetzt sportlicher Leiter - und einer der Sponsoren. Wittich ist Geschäftsführer und Gründer der Firma WFT, die Sondermaschinen und mobile Plattformen produziert. Etwa 20 aktive und ehemalige Spieler der DJK arbeiten für ihn. Die Fußballer kämen aber nicht nur wegen der Arbeitsplätze. "Die wollen natürlich auch hoch spielen", sagt Wittich.

"Natürlich gibt es Neider"

Die DJK Gebenbach ist der zweitbeste Fußballverein der Oberpfalz, nach dem Zweitligisten Jahn Regensburg. In der abgelaufenen Bayernliga-Saison hatte die DJK mit 538 pro Spiel die höchsten Zuschauerschnitt der Liga, vor Hof und Würzburg. Freilich fließt da dann auch Geld. Aber nicht so viel, wie viele meinen, versichert Gebenbachs sportlicher Leiter. "Das ist alles total vernünftig."

Kritiker behaupten auch oft, die Gebenbacher Mannschaft sei eine Söldnertruppe. "Natürlich gibt es Neider. Die hat jeder, der Erfolg hat", sagt Wittich dazu. Stimme ja nicht. DJK-Kapitän Timo Kohler, der bereits zu Kreisliga-Zeiten in Gebenbach spielte, schwärmt von der Mannschaft. "Ich habe noch nie in so einer Truppe gespielt. Das ist Weltklasse." Überragender Zusammenhalt, ein eingeschworener Haufen - er meint sowohl Team als auch Verein. Johannes Hager, seit dem Grundschulalter im Verein und aktuell Co-Trainer der ersten Mannschaft, bestätigt: "Jeder lebt den Verein." Bei Festen helfen auch die Bayernliga-Kicker, am Grillstand oder beim Ausschank.

Eine Stunde nach dem Spiel ist vor dem Sportheim immer noch einiges los. Die meisten Gebenbacher Spieler stehen vorm Eingang. Auch die Verletzten sind da, ein paar Ex-Teamkameraden, der Platzwart. Spielanalyse bei Spezi, Bier und Bratwurst. Einige lachen bereits wieder. Und unten auf dem Rasen, da kickt jetzt der kleine Junge im Kohler-Trikot.

Relegation: Wie geht's weiter?:

Nach der 0:1-Niederlage gegen den TSV 1860 Rosenheim braucht die DJK Gebenbach an diesem Sonntag im Rückspiel in Oberbayern einen Sieg, um den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. Sollten die Oberpfälzer nicht gewinnen, hat die Mannschaft von DJK-Trainer Faruk Maloku aber noch eine Chance. Wieder in Hin- und Rückspiel geht es dann gegen den Verlierer des Duells TSV Rain gegen SV Heimstetten.

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