31.05.2019 - 18:12 Uhr
GebenbachSport

Herr Pfarrer, darf man für Aufstieg der DJK Gebenbach beten?

Auch das macht diese DJK Gebenbach so besonders: Der Regionalliga-Anwärter hat himmlischen Beistand. Pfarrvikar Christian Preitschaft schaut oft im DJK-Trikot zu. Am Sonntag in Rosenheim ist er wohl auch dabei.

Der Gebenbacher Pfarrvikar Christian Preitschaft schaut sich, wann immer es geht, die Spiele der DJK Gebenbach im Fan-Trikot an. Der 42-Jährige ist aber auch beim SV Hahnbach und den SF Ursulapoppenricht auf den Plätzen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Eigentlich kann nichts schiefgehen. Der Draht nach oben ist bestens. Die DJK Gebenbach, die nach der 0:1-Niederlage an Christi Himmelfahrt am Sonntag das entscheidende Relegationsspiel in Rosenheim bestreitet, hat einen ganz besonderen Fan: Pfarrvikar Christian Preitschaft. Der 42-Jährige ist seit 2014 in Gebenbach und stammt aus Etsdorf (Gemeinde Freudenberg). Vor dem Spiel in Rosenheim spricht der gelernte Fliesenleger und Spätberufene im Interview mit den Oberpfalz-Medien über Glauben und Fußball, über Videoanalysen, Torjubel und den Wohlfühlverein DJK Gebenbach.

ONETZ: Darf man als Geistlicher für den Aufstieg beten? Oder muss man total unparteiisch sein?

Christian Preitschaft: Natürlich darf man dafür beten. Das mach’ ich schon. Sehr intensiv. Ich habe ja die Mühen gesehen, die die Mannschaft hinter sich hat. Ich bete aber vor allem darum, dass alle Spieler unverletzt vom Platz gehen. Das ist das Wichtigste. Da hat auch jeder seinen Beruf.

ONETZ: Auf dem Fußballplatz geht es oft derb zu. Ärgern Sie sich auch mal lautstark am Spielfeldrand?

Christian Preitschaft: (lacht) Ich halte mich sehr zurück mit dem Reinschreien, aber ich juble über jedes Tor, das wir schießen. Und ich bin schon betrübt, wenn wir verlieren. Ich leide mit meiner Mannschaft richtig mit.

Was macht der Erfolg der DKJ mit dem kleinen Ort?

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ONETZ: Woher kommt Ihre Leidenschaft für den Fußball. Haben Sie früher selbst Fußball gespielt?

Christian Preitschaft: Nein, ich hab’ nie vereinsmäßig gespielt, nur in der Schule. Freilich habe ich immer die Welt- und Europameisterschaften geschaut.

ONETZ: Wie entstand dann diese Liebe zur DJK Gebenbach?

Christian Preitschaft: Es war einer der ersten Abende, als ich hier war, da kam der leider kürzlich verstorbene Birner Luki, der Vorstand, zu mir. Er sagte, dass ich immer herzlich willkommen im Verein sei. Ich bin ja auch Geistlicher Beirat. Und ich bin da sofort von den Vereinsmitgliedern und den Spielern angenommen worden. Aber genauso gerne bin ich auch beim SV Hahnbach oder bei den Sportfreunden Ursulapoppenricht auf dem Platz.

Der Bericht zum Relegations-Hinspiel

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ONETZ: Wie ist denn Ihr Kontakt zu den Spielern?

Christian Preitschaft: Ich habe mir ja etwas angewöhnt, was wohl in der Regionalliga nicht mehr ginge. Wenn sie einlaufen, klatschen alle Spieler am Spielfeldrand bei mir ab. Das freut mich sehr. Nach den Spielen kommen die Spieler ins Sportheim. Ich habe gesagt, dass sie mit mir immer reden können. Wir sind auch alle per du.

ONETZ: Da sind Sie ja mittlerweile richtiger Fußball-Experte ...

Christian Preitschaft: Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich auch bei öffentlichen Spielersitzungen unten im Sportheim dabei, wenn Trainer Maloku seine Videoanalysen macht. Das finde ich hochinteressant. Oft komme ich wegen Terminen später. Da schleiche ich mich immer ganz leise rein, da will ich den Trainer auch nicht stören.

ONETZ: Wenn man das hört, ist die DJK trotz der Höherklassigkeit immer noch ein Wohlfühlverein...

Christian Preitschaft: Das haben mir schon mehrere Spieler gesagt: Sie fühlen sich hier sehr wohl. Einer, der schon bei mehreren Vereinen spielte, sagte, so eine Atmosphäre wie in Gebenbach habe er nirgends erlebt. Das freut mich. Ich glaube, es will auch keiner weg.

ONETZ: Der Besuch der Heimspiele ist dann auch Pflicht, oder?

Christian Preitschaft: Wenn ich Hochzeiten habe, schaffe ich nur eine Halbzeit, aber ansonsten schaue ich alle Heimspiele. Ab und zu bin ich auch auswärts dabei.

ONETZ: Sind Sie am Sonntag beim zweiten Spiel in Rosenheim dabei?

Christian Preitschaft: Ich überlege noch. Der große Bus ist bereits voll. Es fahren aber noch kleine Busse. Mal schaun, ob ich mitfahre. Der Gottesdienst ist um halb zehn Uhr. Die Busse fahren um elf.

ONETZ: Bei Spielen sind Sie immer wie ein Fan ausgerüstet. Haben Sie sich das Fan-Trikot selbst besorgt?

Christian Preitschaft: Nein, lustigerweise habe ich das Trikot von einem Brautpaar, dass ich getraut habe, bekommen. Der Bräutigam spielte ausgerechnet für einen anderen Verein aus der Gemeinde. Auf dem Trikot steht mein Name drauf und die Nummer 8.

ONETZ: Ein treuer DJK-Fan ist auch Bürgermeister Peter Dotzler. Fachsimpeln sie beide über Fußball?

Christian Preitschaft: Ja, und wir verstehen uns auch sehr gut, wir waren auch schon im Fasching als Don Camillo und Peppone unterwegs. Und in diesem Jahr hatten wir dann die Rollen getauscht.

ONETZ: Nochmals zum Spiel in Rosenhein: Zünden Sie eine Extra-Kerze an?

Christian Preitschaft: Ich habe bei den Bittgängen auch gebetet. Ich zünde auch noch eine Kerze an. Das ist jetzt nichts gegen die andere Mannschaft, aber es wäre schon schön, wenn wir aufsteigen. Das wäre schon der dritte Aufstieg für mich, seitdem ich hier in Gebenbach Pfarrvikar bin. Scherzhaft sage ich, wenn es so im Aufstiegstempo weitergeht, spielen wir irgendwann in der Bundesliga.

ONETZ: Glauben Sie nach dem 0:1 noch an den Aufstieg am Sonntag?

Christian Preitschaft: Ich kann mir schon vorstellen, dass wir das Ruder noch rumreißen. Mein Wunsch wäre ein 2:1-Sieg.

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