25.06.2020 - 17:57 Uhr
KümmersbruckSport

Radprofi Andreas Schillinger: "Endlich wieder Rennen fahren"

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Ein Trainingslager im Ötztal ist der erste Schritt zurück zur Normalität: Der Radprofi aus Kümmersbruck bereitet sich auf den Wiedereinstieg in die Saison vor. Auch ein Einsatz bei der Tour de France ist geplant – im heimischen Keller.

Einen Grund zum Lächeln gibt es auch in schwierigen Zeiten. Andreas Schillinger trainiert derzeit mit seinem Team in Österreich und hofft auf einen baldigen Re-Start der Radsportsaison.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Als Mitte März wegen des Coronavirus der Stecker gezogen wurde und das öffentliche Leben fast komplett zum Erliegen kam, hatte Andreas Schillinger Glück. Er bekam noch einen Flug von Brüssel nach München und war nach seinem letzten Rennen in Belgien rechtzeitig bei seiner Familie in Kümmersbruck. Von heute auf morgen stand nun unvermittelt auch der Radzirkus still, alle Rennen wurden abgesagt, Teamtraining war verboten.

Drei Monate lang musste der 36-Jährige vom Team Bora-hansgrohe für sich alleine trainieren. "Bei uns in Deutschland war das ja echt in Ordnung. Wir haben aber auch Leute im Team, die saßen in Spanien fest, durften nicht raus und konnten nur auf der Rolle fahren."

Quer durch die Oberpfalz

Schillinger durfte raus - und trainierte "so viel wie noch nie zuhause." Rund 80, 90 Kilometer am Tag, 2600 bis 2800 Kilometer im Monat auf den Landstraßen in der Oberpfalz. Richtung Neunburg, Richtung Regensburg, ein anderes Mal entlang der tschechischen Grenze. "Irgendwann gehen dir dann schon die Straßen aus", sagt er mit einem Lachen.

"Hut ab, wie sich Hobbyfahrer motivieren können, so viele Kilometer herunterzureißen. Ich könnte das nicht. Wenn die Rennen wegfallen würden, würde es für mich keinen Grund geben, auf das Rad zu steigen."

Radprofi Andreas Schillinger

Die vielen Einheiten auf dem Rad, dazu Krafttraining und Dehn-Übungen fielen ihm aber zunehmend schwerer. "Ich trainiere für ein Rennen, da habe ich einen klaren Plan, warum ich das mache." Nicht zu wissen, für was man sich plage, sei problematisch für den Kopf. "Hut ab, wie sich Hobbyfahrer motivieren können, so viele Kilometer herunterzureißen. Ich könnte das nicht. Wenn die Rennen wegfallen würden, würde es für mich keinen Grund geben, auf das Rad zu steigen."

Seit Mitte März fielen alle Rennen weg, die kleineren wurden fast alle ersatzlos gestrichen, die größeren verschoben. Mittlerweile hat der Weltverband UCI seinen neuen vollgepackten World-Tour-Kalender vorgestellt. Mit einer Vielzahl an Rennen, komprimiert auf knapp drei Monate. Beginn ist am 1. August mit dem jungen Klassiker Strade Bianche in Italien, Ende am 8. November mit der Spanien-Rundfahrt. Dazwischen sind dann auch Tour de France (29. August bis 20. September) und Giro de Italia (3. bis 25. Oktober).

Start in Rumänien

Welche Rennen Andreas Schillinger fahren wird, steht noch nicht endgültig fest. "Mir ist eigentlich egal, bei welchen wir fahren, Hauptsache wir fahren endlich wieder." Geplant ist sein erster Einsatz Ende Juli bei der Sibiu-Tour in Rumänien, wenige Tage nach einem besonderen Rennen für den Kümmersbrucker. Er darf bei einer virtuellen Tour de France über das Computerprogramm "Zwift" zwei Etappenstücke für Bora-hansgrohe fahren, unter anderem den Streckenteil auf der Champs-Élysées am 19. Juli. Aber eben nur virtuell, auf der Rolle zu Hause im Keller.

Dort ist er zwar sicher vor Corona, ein "echtes Rennen" gibt es für Schillinger aber nur auf einer echten Straße. Wie sehr das Virus den Rennzirkus künftig verändert wird, sei schwer vorherzusagen. Einen Vorgeschmack bekam er bei der Ankunft in Sölden. "Wir wurden sofort abgefangen, es wurde ein Corona-Schnelltest gemacht, dann ein Antikörpertest. Bei allen, Betreuern, den Leuten aus dem Management und bei den Fahrern." Alle Tests seinen negativ gewesen, dennoch wurden feste Gruppen von fünf, sechs Fahrern gebildet, die beispielsweise beim Essen zusammen am Tisch sitzen und keinen Kontakt zu anderen Gruppen haben dürfen.

So ähnlich kann es sich Schillinger für die Rennen künftig vorstellen: "Wenn wir zu Rundfahrten starten, werden wir Tests machen müssen. Es ist ja ein geschlossener Kreis von ungefähr 150 Fahrern und den Betreuern. Wenn da alle negativ sind, kann eigentlich nichts passieren."

"Team-Blase" gegen Corona

Hier geht's zum Interview mit Andreas Schillinger vor der Saison.

Amberg

Der Weltverband hat seinen Maßnahmenkatalog bereits veröffentlicht. Zuschauer müssen demnach im Start- und Zielbereich Mund-Nase-Masken tragen, für beim Rennen arbeitende Personen wie Medienvertreter sind eineinhalb Meter Abstand vorgeschrieben, wie auch für die Personen auf dem Siegerpodest. Außerdem sollen Teams vor Rennen eine "Team Bubble" (Team-Blase) bilden, die sich im Rennen dann auf eine "Peloton Bubble" ausweitet. Das bedeutet, dass Fahrer und Mitarbeiter eines Teams sich im Vorfeld gemeinsam isolieren und beispielsweise ein Stockwerk in einem Hotel allein bewohnen.

All das ist für Andreas Schillinger kein Problem. Er möchte nur eines: "Endlich wieder Rennen fahren".

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