06.05.2026 - 10:02 Uhr

Nachtruhe ade? So steht es ums Public Viewing zur Fußball-WM

Biergarten oder Wohnzimmer? Die Fußball-WM ab dem 11. Juni wird zum Turnier extremer Uhrzeiten. Was Kneipen, Behörden und Fans erwartet und warum es gute Nachrichten für die Gastronomie gibt.

Für Liebhaber ruhiger Nächte war es eine schlechte Nachricht, für Fußballfans hingegen ein echter Grund zur Freude: Wenn die deutsche Nationalmannschaft ab dem 11. Juni in Nordamerika um ihren fünften WM-Titel kämpft, darf auch hierzulande beim Public Viewing bis spät in die Nacht mitgefiebert und gejubelt werden – zumindest theoretisch.

Denn das Bundeskabinett hatte zwar Ausnahmen von den Lärmschutzregeln beschlossen und so den Weg für Fanfeste auch nach 22.00 Uhr freigemacht. Die Umsetzung liegt aber bei den Behörden vor Ort - und die verzichten vielerorts auf Partymeilen. Die Hoffnung der Fans ruht auf der Gastronomie. 

Turnier der Extreme: 17 verschiedene Anstoßzeiten

In Deutschland gilt üblicherweise die Nachtruhe von 22.00 bis 6.00 Uhr – eine für viele nahezu unantastbare Grenze, die während des XXL-Turniers in den USA, Kanada und Mexiko aber verschoben werden kann. Denn ein großer Teil der Spiele fällt in die Nachtstunden. Insgesamt gibt es 17 verschiedene Anstoßzeiten. Am häufigsten wird um 21.00 Uhr angepfiffen (19 Spiele), gefolgt von 3.00 Uhr (11 Spiele), 22.00 Uhr (10 Spiele) und Mitternacht (9 Spiele).

https://x.com/FIFAcom/status/1800939369722687510?s=20

Besonders hart trifft es Spiele an der US-Westküste. Partien in Los Angeles oder San Francisco beginnen häufig um 3.00 Uhr oder 4.00 Uhr deutscher Zeit. Für viele Fans heißt das: Wecker stellen oder durchmachen. „Ich verstehe, dass das schlecht für unsere Fans sein wird, für die Kinder, für die jungen Leute. Ich denke, es wird am nächsten Tag viele Schulschwänzer geben“, hatte Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel schon im Vorjahr erklärt. 

Wann spielt Deutschland?

Für das erste Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao müssen Fans um 19.00 Uhr einschalten, die beiden Spiele gegen die Elfenbeinküste und Ecuador starten um 22.00 Uhr. Gewinnt Deutschland die Gruppe, wäre das Sechzehntelfinale um 22.30 Uhr. Ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich könnte um 23.00 Uhr angepfiffen werden. Das Finale und die Halbfinals starten um 21.00 Uhr, das Spiel um Platz 3 um 23.00 Uhr.

„Wird jedes Spiel hinsichtlich der Anstoßzeit und der Fernsehübertragung absolut perfekt sein? Ich weiß es nicht“, hatte FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani zuletzt erklärt und Fans sowie Rechtepartner auf Enttäuschungen vorbereitet.

Keine Fanmeilen in deutschen Großstädten

Während es bei der Heim-EM vor zwei Jahren viele Fanmeilen gab, halten sich die Großstädte diesmal zurück. So soll es in Bayerns Metropolen München und Nürnberg keine offiziellen Feste geben. Grund sei auch das schwindende Interesse. „Public Viewings gibt es heute ja im Prinzip in jedem Biergarten“, erklärte ein Sprecher der Olympiapark München GmbH. In Nordrhein-Westfalen verzichten Köln oder Dortmund ebenfalls auf ein eigenes Public Viewing. Auch in Hamburg, Leipzig, Mainz oder Stuttgart wird keine Großleinwand aufgebaut. 

Zumindest in der Hauptstadt ist laut dem Portal berlin.de wieder eine Fanmeile rund um das Brandenburger Tor geplant. Details liegen noch nicht vor. 

In Berlin oder Köln: Ausnahmen für die Gastro

Ausnahmen gibt es vielerorts aber für Kneipen und Restaurants. Etwa in Berlin für Spiele, die bis 22.00 Uhr angepfiffen werden. Auch in Köln sind TV-Übertragungen auf Außenplätzen bei Spielen, die bis 22.00 Uhr beginnen, möglich. Aber: Trommeln oder Tröten sind verboten. Mainz oder Frankfurt wollen zu einem späteren Zeitpunkt über konkrete Genehmigungen für die Gastronomie entscheiden. 

Auch in England und Wales sollen die Pubs zur WM länger öffnen dürfen - für Spiele von England oder Schottland in den K.o.-Runden bis 1.00 Uhr, wenn der Anstoß zwischen 17.00 und 21.00 Uhr erfolgt. Sogar bis 2.00 Uhr bei Spielbeginn zwischen 21.00 und 22.00 Uhr. 

Telekom macht Weg für Public Viewing und Kneipen-TV frei

Viele Wirte dürften angesichts der späten Anstoßzeiten mächtig geschimpft haben. Schließlich wäre ein Biergarten am Nachmittag definitiv voller gewesen als in der Nacht. Eine gute Nachricht gibt es jetzt trotzdem: Die Betriebe können alle 104 Spiele ohne Zusatzkosten auf bestehenden Sky-Receivern zeigen. Auch Übertragungen auf öffentlichen Plätzen werden durch eine Kooperation möglich.

Der TV-Rechte-Inhaber Telekom schloss eine entsprechende Kooperation mit Sky. Für Gastronomiebetriebe ist das Angebot laut Telekom „ohne zusätzliche Kosten auf bestehenden Sky Receivern verfügbar“. Sky stellt demnach bei dieser Kooperation die technische Infrastruktur für die Gastronomie und für kommerzielle Public-Viewing-Veranstaltungen bereit.

Veranstalter können über Sky die erforderlichen FIFA-Lizenzen beantragen und erhalten im Anschluss die passende Hardware. Betriebe ohne bestehendes Sky-Abonnement können über spezielle Angebote wie den zeitlich begrenzten „Sky-Gastro-Pass“ Zugang zu den MagentaTV-Kanälen erhalten. Die Telekom hat die Medienrechte für alle WM-Partien erworben und zeigt 44 Spiele exklusiv für ihre Kunden. Durch eine Vereinbarung mit ARD und ZDF laufen 60 Begegnungen zusätzlich im frei zu empfangenden Fernsehen.

© dpa-infocom, dpa:260506-930-40725/1

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