27.05.2021 - 14:48 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Der Oberpfälzer Basketball-Riese aus Bayreuth: "Die NBA ist mein Lebensziel"

Kay Bruhnke weiß, wo er herkommt. Er liebt seine Oberpfälzer Heimat. Der Basketball-Spieler des Bundesligisten medi Bayreuth weiß aber auch, wo er hin will. Der 19-Jährige aus Neustadt/WN erzählt von seinen Plänen.

Der Bayreuther Kay Bruhnke (gelbes Trikot) im April im Spiel gegen den FC Bayern München.
von Josef Maier Kontakt Profil

ONETZ: Hallo Kay, bereits mit 19 Jahren können Sie Ihr erstes Jahr in der Bundesliga bilanzieren. Wars ein gutes Jahr?

Kay Bruhnke: Ich denke, es ist schon sehr gut gelaufen. Nach meinen Verletzungen konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Ich bin da in Bayreuth auch in sehr guten Händen. Auch die Trainer haben mich gut geführt.

ONETZ: Es war sicherlich nicht nur wegen Ihres Debüts eine besondere Saison ...

Kay Bruhnke: Ja, es war eine spezielle Saison in der Coronazeit, wir wurden ständig getestet, einmal waren wir in Quarantäne. Und wenn ich jetzt so überlege, dann war ich vielleicht spielerisch doch nicht so ganz zufrieden ...

ONETZ: Wie meinen Sie das? Individuell oder das Abschneiden der Mannschaft?

Kay Bruhnke: Ich meine das individuell. Ich strebe immer nach dem Besten. Da hätte noch besser laufen können. Was die Mannschaft betrifft, können wir sehr, sehr zufrieden sein. Mit Platz zehn haben wir das drittbeste Ergebnis in der Medi-Geschichte eingefahren. Darauf kann man stolz sein und aufbauen. Wenn man aber bedenkt, dass wir wegen ein oder zwei Spielen die Play-offs verpasst haben, ist das dann schon wieder etwas ärgerlich.

ONETZ: Die Play-offs laufen derzeit ...

Kay Bruhnke: Ich verfolge sie natürlich ganz intensiv. Dort dabei zu sein, wäre noch einmal eine ganz andere Erfahrung gewesen.

ONETZ: Es gab für Sie trotzdem viele Highlights in der Saison. Gegen wenn haben Sie eigentlich die meisten Punkte gemacht?

Kay Bruhnke: Ich bin jetzt kein Statistik-Freak, aber das kann ich ganz genau sagen. Das waren die 13 Punkte am 31. Spieltag gegen die Hamburg Towers. Das erste Mal mehr als 10 Punkte in der Bundesliga gemacht zu haben, das bedeutet mir schon sehr viel.

ONETZ: Wie wichtig ist Trainer Raoul Korner für Ihre Entwicklung?

Kay Bruhnke: Der Trainer hat die ganze Zeit die Hand über mich gehalten. Raoul hat mir immer das Vertrauen gegeben. Zuletzt 21 Minuten gegen Hamburg, das Spiel davor 18 Minuten gegen Braunschweig, da kann ich mich nicht beschweren. Am Anfang der Saison musste ich mich zwar reinkämpfen, aber ich glaube das gehört dazu.

ONETZ: Die Zeit davor in Bamberg war nicht einfach, Sie hatten auch zwei Mittelfußbrüche sowohl körperlich als auch mental zu verarbeiten. War Bayreuth auch ein Befreiungsschlag für Sie?

Kay Bruhnke: Ja, nach Bayreuth zu wechseln, war definitiv die richtige Entscheidung.

ONETZ: Belasten Sie die Verletzungen trotzdem im Spiel? Denkt man da dran?

Kay Bruhnke: Das kommt darauf an, wie hart man nach der Verletzung gearbeitet hat. Wenn man viel Zeit, viel Kraft investiert hat, um wieder stabil zu werden und man verletzungsfrei ist, dann ist es nur noch Kopfsache. Man muss lernen, seinem Körper wieder zu vertrauen. Das braucht schon Zeit.

ONETZ: Sie haben lange in Neustadt gewohnt. Ihre Mutter und Schwester wohnen in Weiden. Zieht es Sie immer wieder heim?

Kay Bruhnke: Ich bin auch jetzt immer wieder mal in Neustadt. Ich habe schon noch Freunde dort, es sind wenige, aber da sind die besten geblieben. In den letzten Jahren war ich im Sommer oft da. In diesem Jahr wird's schwieriger, weil ich viel unterwegs bin.

ONETZ: Mit Nico Wenzl aus Irchenrieth bilden Sie ja quasi die Oberpfälzer Fraktion bei den Oberfranken. Wohnen Sie in Bayreuth in einer WG zusammen?

Kay Bruhnke: Nein, ich wohne in einer WG, Nico wohnt in einer anderen WG. Wir sind vielleicht fußläufig zehn Minuten voneinander entfernt. In Coronazeiten konnte man jetzt nicht so viel machen, aber normalerweise machen wir schon viel zusammen. Nico ist schon mein bester Kumpel in der Mannschaft. Jetzt in der Off-Season werden wir beide auch oft gemeinsam auf den Freiplatz gehen.

ONETZ: Wie schaut es mit Kontakten zu Ihrem Heimatklub DJK aus?

Kay Bruhnke: Die sind da. Zu Stefan Merkl (Trainer der DJK-Herren; die Red.) habe ich relativ viel Kontakt. Nico und ich haben auch bei einigen Aktionen der DJK mitgemacht, ich habe da zuletzt auch ein Video hochgeladen. Wir haben ihnen auch ein Trikot geschickt, dass sie versteigern konnten.

ONETZ: Was schätzen sie an der Heimat?

Kay Bruhnke: Ich würde mal behaupten, dass ich hier die Ruhe bekomme, die ich sonst nirgends habe. Das braucht man. Der Kopf ist schon überfordert, wenn man ständig unterwegs ist und keinen festen Anlaufpunkt hat. Es ist echt schön, immer nach Hause zu kommen.

ONETZ: Sie wollen aber auch hinaus in die große Basketballwelt. Stichwort NBA ...

Kay Bruhnke: Ich bekomme meine ganze Motivation daher, dass ich unbedingt in die NBA will, das ist mein Lebensziel. Ich will das unbedingt schaffen. Ich werde da so viel Arbeit reinstecken, wie es nur geht. Wenn ich mal sagen kann, ich habe alles reingesteckt, aber es hat doch nicht gereicht, dann ist es auch okay. Dann wäre ich auch mit europäischem oder deutschem Spitzenniveau zufrieden.

ONETZ: Wer ist Ihr Lieblingsteam in der NBA?

Kay Bruhnke: Die Toronta Raptors. Auf jeden Fall will ich unbedingt mal dahin. Nach Kanada, nach Toronto.

ONETZ: Prominente Mitspieler haben Sie jetzt schon. Mit Bastian Doreth und Andreas Seiferth spielen Sie mit zwei Nationalspielern in Bayreuth. Bessere Lehrmeister gibt's nicht ...

Kay Bruhnke: Das ist eine Riesenehre für mich. Nicht viele Leute bekommen die Chance, mit solch erfahrenen Spielern zusammenzuspielen. Manchmal kann ich das gar nicht glauben. Das sind zwei wirkliche Vorbilder für mich.

ONETZ: Wie überbrücken Sie die Zeit jetzt nach Saisonschluss?

Kay Bruhnke: Die Pre-Season fängt Anfang, Mitte August an. Jetzt arbeite ich viel individuell. Ich fokussiere mich auf mich, diese Zeit habe ich in der laufenden Saison kaum. Alles ist natürlich abgestimmt mit Athletik- und Individualtrainern. Ende Juli 26. Juli gehe ich nach Litauen, spiele dort in der Summer League. Ich versuche viel rumzukommen, viele Erfahrungen zu sammeln.

ONETZ: Den Ball mal wegzulegen, ist gar nicht so einfach ...

Kay Bruhnke: Nichtstun gibts für mich nicht. Ich kann den Ball mal nicht für zwei Tage in die Ecke legen und ihn nicht anfassen. Ich bin jetzt dann sicherlich jeden Tag am Freiplatz, werfe ein bisschen, spiele ein bisschen. Da kann man das Spiel so richtig genießen.

Noch ein Neustädter auf dem Bayreuther Parkett

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Kay Bruhnkes Wechsel zu medi Bayreuth

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Info:

Das ist Kay Bruhnke

  • Geboren am 15. Juli 2001 in Weiden; aufgewachsen in Neustadt; eine Schwester
  • Größe 2,01 Meter, 98 Kilogramm; Position: Shooting Guard
  • In der Jugend bei der DJK Neustadt und ein Jahr zusätzlich Jugend-Basketball-Bundesliga mit Bayreuth
  • ab 2015 im Nachwuchskonzept von Brose Bamberg. Dort spielte er auch bei den Regnitztal Baskets (JBBL) sowie ab der Saison 2016/17 beim 1. FC Baunach in der 2. Bundesliga ProA, in der Männermannschaft der Regnitztal Baskets in der 2. Regionalliga und beim TSV Breitengüßbach in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga.
  • Im Frühjahr 2017 mit weiteren Nachwuchsspielern aus europäischen Ländern beim „Jordan Brand Classic“, einer internationalen Talenteschau, in New York.
  • 2016 und 2017 Mitglied der deutschen U16-Nationalmannschaft.
  • 2018 EM-Sechster mit der deutschen U18-Nationalmannschaft in Lettland.
  • Seit Sommer 2020 beim Bundesligisten medi Bayreuth.

 

 

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