13.09.2021 - 16:36 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Spielabbruch in Neustadt: Was passierte mit Schnaittenbachs Torwart?

Der Torhüter des TuS Schnaittenbach geht in der Nachspielzeit zu Boden. Jubelnde Fans stürmen das Feld. Die Partie in der Kreisliga Nord wird abgebrochen. Was ist tatsächlich passiert? Hier schildern beide Seiten die Geschehnisse.

Das 2:1 für Neustadt konnte Schnaittenbachs Torwart Daniel Maul nicht verhindern. Was im Anschluss genau passierte, ist unklar. Nun soll das Sportgericht entscheiden, wie die Partie gewertet wird.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Ein Siegtor in der Nachspielzeit, ein Platzsturm, ein verletzter Torhüter. Spielabbruch. Die Partie in der Kreisliga Nord zwischen der DJK Neustadt und dem TuS Schnaittenbach endete dramatisch - und ihr letztes Kapitel ist noch nicht geschrieben. Denn rund um die letzten Minuten des Spiels gibt es reichlich Unsicherheit. Ein schlüssiges Gesamtbild zu erstellen, ist schwierig, zu unterschiedlich sind teilweise die Aussagen der Beteiligten. Klar ist: In der Nachspielzeit beim Spielstand von 1:1 lief Neustadts Philipp Gerlach auf das Schnaittenbacher Tor zu, umkurvte den Torhüter und schob aus spitzem Winkel zum 2:1 ein. Es schien der siegbringende Treffer für die Gastgeber gefallen, Jubelstürme auf dem Feld. Und auch daneben. Die Freude war derart groß, dass es einige Reservespieler der Neustädter, auch Spieler der zweiten Mannschaft, nicht an der Seitenlinie hielt. Sie stürmten auf den Platz.

Hier gehen die Wahrnehmungen nun auseinander. Wie viele Reservespieler auf den Platz liefen, ist unklar. Neustadts Abteilungsleiter Achim Neupert spricht von rund zehn Spielern, Schnaittenbachs Torhüter, Daniel Maul, hat "15 bis 20 Leute auf den Platz stürmen" sehen. Der 34-Jährige stand nach dem Gegentreffer gerade auf, als er, so schildert er es, von den Reservespielern umgerempelt und an der Wade getroffen worden sei. "Sicher keine Absicht", sagt Maul, "aber man sollte schon etwas aufpassen." Maul ging zu Boden und lag nun neben der gewaltigen Neustädter Jubeltraube. Er berichtet von einigen Schlägen gegen den Kopf. "Die sind über mich drüber getrampelt", erinnert er sich. Der Schiedsrichter brach das Spiel daraufhin ab, das Ergebnis ging nicht in die Wertung ein. Maul wurde nach dem Abbruch behandelt, ernstliche Kopfverletzungen habe er keine davongetragen. Nur seine Wade sei verletzt.

Bei Abwehraktion verletzt?

In Neustadt erzählt man eine andere Geschichte. Freilich, der Platzsturm, "das geht gar nicht", gibt Neupert sofort zu. Das "hätte nicht passieren dürfen". Nach dem Spiel habe er sich die Beteiligten zur Brust genommen und sein Missfallen klar ausgedrückt. "Ich ärgere mich da am allermeisten." Was aber ist direkt nach dem Siegtreffer passiert? "Nach dem Spiel hieß es noch, der Torhüter hat sich bei der Abwehraktion vor dem Tor verletzt", meint Neupert. "Das haben wir zumindest vermutet." Und von mehreren seiner Spieler habe er gehört, die Schnaittenbacher Mannschaft habe ihren Torhüter angewiesen, liegenzubleiben, "damit das Spiel abgebrochen wird". Neupert selbst sei zu weit weggewesen, um die Szenen exakt beurteilen zu können. Aber: "Unser Eindruck war, dass diese Situation genutzt wurde, um noch ein bisschen was zu deichseln." Sprich: Für Schnaittenbach war das Spiel verloren, ein Spielabbruch mischt nun die Karten neu.

Nach dem Abbruch kochten die Emotionen hoch. Der verletzte Maul, eigentlich schon im Fußballer-Ruhestand und nur aus der Not heraus eingesprungen, wurde von Betreuern in die Kabine begleitet. Für die Emotionen auf dem Platz habe Maul noch Verständnis. Viel schlimmer seien die Beschimpfungen von den Neustädter Zuschauern gewesen. "Simulant" und "Arschloch" hat Maul gehört. "Sowas kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich spiele Fußball zum Hobby und dann musst du dir sowas anhören", schimpft er.

Entscheidung kommende Woche

Wie die Partie nun gewertet wird, darüber muss das Kreissportgericht entscheiden. Schließlich ist nicht eindeutig geklärt, ob die Partie nach dem 2:1 noch einmal angepfiffen worden wäre. Und auch der genaue Hergang von Mauls Verletzungen dürfte Thema sein. Kreisspielleiter Albert Kellner ist sich sicher, dass der Schiedsrichter "nach bestem Wissen und Gewissen" auf Abbruch entschieden habe. Den genauen Ablauf kennt auch er noch nicht. Nun müsse das Gericht alle drei Parteien, die beiden Teams und den Schiedsrichter, anhören. Die nächste Sitzung des Gerichts ist am Dienstag der kommenden Woche. Dann dürfte die Entscheidung feststehen. Dass der Fall weitere Instanzen durchläuft, ist aber möglich.

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