14.04.2019 - 15:16 Uhr
NürnbergSport

Achterbahn der Club-Gefühle

Die Partie war keineswegs berauschend. Nach dem 1:1 gegen den FC Schalke schwankten sie beim Club zwischen Stolz und riesigem Ärger. Im Fokus: Hanno Behrens, Alexander Nübel und der Schiedsrichter Robert Kampka.

Vor dem Spiel hatte der Abstiegskracher eher den Charme eines Freundschaftsspiels. Beide Fanlager inszenierten ihre Verbundenheit mit einer beeindruckenden Choreografie.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Sebastian Kerk sprach von einem "geilem Spiel", das trotzdem "sehr, sehr ärgerlich" geendet hatte, Club-Kapitän Hanno Behrens fühlte sich schlichtweg "verarscht" und Coach Boris Schommers empörte sich ob einer "klaren Fehlentscheidung des Schiedsrichters". Ganz schön viele Emotionen für ein Kellerduell, das seinem Namen über weite Strecken der 90 Minuten schon gerecht wurde, aber gerade in den finalen Phasen beider Halbzeiten für jede Menge Gesprächsstoff sorgte. Im Zentrum aller Diskussionen stand das aberkannte Tor von Hanno Behrens in der 43. Minute, dem Schiedsrichter Robert Kampka wegen gefährlichen Spiels gegen den Schalke-Keeper Alexander Nübel die Anerkennung verweigert hatte.

"Dafür habe ich kein Verständnis. Das war ein klares Tor", schimpfte Behrens am Eurosport-Mikrofon wie ein Rohrspatz. "Mir soll bitte jemand erklären, was da das Foul ist. Ich bin nur am Ball vor dem Torwart. Ich berühre ihn nicht. Was ist da das Foul? Ich weiß es nicht, warum er das abpfeift", war Behrens kaum zu beruhigen. Der Kapitän wurde vielleicht auch zum Selbstschutz nicht in die Mixed-Zone zu den Journalisten der schreibenden Zunft geschickt. Behrens hatte eine missglückte Rückgabe auf Nübel antizipiert, den Ball am Keeper vorbeigespitzelt und über die Linie gedrückt. "Ich versteh nicht, warum man die technischen Hilfsmittel nicht in Anspruch nimmt", ärgerte sich Trainer Schommers auf der Pressekonferenz.

Ein Einschreiten des Videoschiedsrichters wäre aber nur möglich gewesen, wenn Kampka erst gepfiffen hätte, nachdem der Ball die Torlinie überschritten hatte. Der Unparteiische jedoch pfiff unmittelbar zuvor ab, so dass es keine Intervention aus dem Kölner Keller geben durfte. Die Entschuldigung Kampkas nach Spielschluss bei Schommers noch auf den Spielfeld, er hätte abwarten sollen, zeugte immerhin von menschlicher Größe. Vielleicht hätte Schommers in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs von außen intervenieren sollen, als sein emotional nach wie vor aufgewühlter und stets diskutierender Kapitän sich den Ball zum Elfmeter zurechtlegte. Behrens scheiterte am sensationell haltenden Alexander Nübel im Schalker Kasten. "Er hat die Ecke erahnt. Ich denke nicht, dass er unbedingt schlecht geschossen war", sagte Behrens nach seinem zweiten Fehlschuss in Folge. Schon bei der 0:1-Heimniederlage gegen RB Leipzig hatte der Käpt'n verschossen, damals drosch er den Ball an die Latte.

Diese mangelhafte Effizienz zieht sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit der Nürnberger und ist mittlerweile der Hauptgrund für die prekäre Tabellensituation. "Wir haben heute zwei Punkte verloren. Wir sind an unserer Chancenverwertung, dem Schiedsrichter und einem überragenden Nübel gescheitert", bilanzierte Schommers im Nachgang entsprechend differenzierter. Der Club spielt inzwischen besser als noch unter Michael Köllner, weil Nachfolger Schommers mehr die defensiven und kämpferischen Tugenden seiner Spieler betont. Für das spielerische Element fehlt aber weiter schlicht die individuelle Klasse. Dennoch hätten vier Punkte mehr (zwei in Stuttgart und zwei gegen Schalke) angesichts der kommenden Aufgaben gut zu Gesicht gestanden: Zunächst geht's nach Leverkusen, dann kommt der FC Bayern ins Frankenland.

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