23.05.2020 - 14:22 Uhr
NürnbergSport

Nach Aue: Doppel-Absturz des 1. FC Nürnberg kein Hirngespinst mehr

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Nein, das ist kein vorstellbares Szenario. Der Club in der 3. Liga, nachdem voriges Jahr noch Champions-League-Teilnehmer in der ersten Liga zu Gast waren? Doch, es ist vorstellbar ...

Das gibt's doch nicht: Hanno Behrens (links) vom 1. FC Nürnberg ärgert sich im Aue-Spiel über eine vergebene Chance.
von Josef Maier Kontakt Profil

Dieses Lied ist nicht totzukriegen. Es ist ein Loblied auf einen Verein, der immer noch zu den größten in diesem Land zählt. "Die Legende lebt." Wenn im Nürnberger Stadion diese Hymne ertönt, dann ist das vor dem Spiel der innigste Moment, einer mit Gänsehautfeeling. Große Taten der FCN-Ikonen werden besungen. Szenen gibt's, auch von neun deutschen Meistertiteln, von Pokalsiegen.

Am Freitagabend, beim ersten Geisterheimspiel gegen Erzgebirge Aue, ist natürlich alles steril. Es sind ja keine Fans da, ergo gibt es kein buntes Vorprogramm. Aber diese Hymne wird beim Zweitligisten auch dieses Mal gespielt. Sie soll wohl auch die motivieren, die heute die Trikots dieses Traditionsvereins tragen. Eines Vereins, der als Tabellen-15. gefährlich nah am Abgrund der 2. Bundesliga steht.

Der Club in der dritten Liga? Unvorstellbar! Nach dem 1:1 gegen die Gäste aus Sachsen ist das aber mehr denn je vorstellbar. "Sorgen mache ich mir nur, weil wir zu leichte Tore kriegen", lenkte Trainer Jens Keller von der misslichen Situation ab. Es ist eine der vielen Sorgen. Wahnsinnig ärgert ihn auch die Fahrlässigkeit vor dem Tor: "Ich will da nicht mehr von Pech sprechen. Diese Dinger muss man einfach machen". Zwei "Hunderprozentige" hatten Hanno Behrens und Robin Hack vergeben. Sören Gonther rettete mit seinem Eigentor dem Club wenigstens einen Punkt.

Kellers größte Sorge sollte allerdings sein: Diese Mannschaft hat wenig Struktur, wirkt oft hilflos im Spiel nach vorne, und ihr fehlt der absolute Wille. Auch gestandene Profis laufen so mit. Die jungen Tim Handwerker und Fabian Nürnberger probieren viel, rackern, aber - und das ist nicht despektierlich gemeint - sie sind auch nicht mit außerordentlichem Talent gesegnet. Selbst der von Arsenal ausgeliehene Abwehrhüne Konstantinos Mavropanos lässt sich von Fehlern der Nebenleute anstecken. Beim Tor der Auer durch Dimitrij Nazarov schliefen alle: Die Flanke zwei Mal nicht verhindert, alle Verteidiger standen falsch, der Torwart zauderte: "Das kann man eigentlich leicht verteidigen", moserte Keller.

Dennoch ist der Trainer zurückhaltend mit Kritik, auch er verspürt die zunehmende Verunsicherung seiner Jungs. Er redet einige auch über die Maßen stark: "Die Stürmer hatten es heute ungemein schwer", versuchte er, die Auftritte von Robin Hack und Adam Zrelak zu erklären. Letzterer hatte nicht eine gefährliche Szene, geschweige denn einen Torschuss.

Noch tun sie beim Club alle so, als wäre der Durchmarsch von Liga eins in Liga drei nicht möglich. Ist es Naivität? Ist es Ignoranz? Oder einfach nur die Angst davor, was das alles bedeuten würde? "Wir haben es doch sehr gut gemacht", sagte Keeper Felix Dornebusch nach dem Spiel. "Wir waren klar die bessere Mannschaft", ergänzte Behrens. Das wirkt alles schon trotzig.

Beim Blick auf das Restprogramm wird einem ohnehin himmelangst. Es geht noch gegen die Aufstiegsfavoriten Bielefeld und Stuttgart, das wiedererstarkte Bochum kommt, das Derby gegen Fürth wird kein Selbstläufer, ebenso der Auftritt am Dienstag in Regensburg. Das entscheidende Spiel könnte schon die Partie beim derzeitigen Relegationsplatzinhaber SV Wehen werden.

"Unser Club wird niemals untergehen", heißt es in der letzten Liedzeile der FCN-Hymne noch. Die Vorstellung, dass es doch anders kommen könnte, wird immer größer ...

Dienstag in Regensburg

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Der Spielbereicht zur Partie 1. FC Nürnberg - Erzgebirge Aue

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