02.09.2018 - 11:21 Uhr
NürnbergSport

Club mit Wucht gegen den Frust

Zweites Spiel, wieder keine drei Punkte. Doch eine Erkenntnis nach dem 1:1 vom Samstag gegen Mainz ist für den 1. FC Nürnberg so viel wert wie ein Sieg.

Der Nürnberger Mikael Ishak bedankt sich ganz oben für sein Tor zum 1:1.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Nacht danach war furchtbar. "Ich hab' kaum geschlafen", erzählte Mikael Ishak. Michael Köllner bemerkte natürlich den Gemütszustand seines Torjägers: "Er hat die Woche über sehr mit sich gehadert." Immer wieder kreisten die Gedanken des Schweden um diesen verschossenen Elfmeter in Berlin. Ishak war kribbelig. "Ich konnte es kaum erwarten, dass wir gegen Mainz spielen."

Die ganze Woche über fieberte der Club-Stürmer dem ersten Bundesliga-Heimspiel entgegen, um seinen Fehlschuss wettzumachen. Nach 47 Minuten hatte er sich am Samstag den Frust mit Wucht weggeballert. Der Mainzer Keeper Florian Müller hatte Glück, sich gerade noch in Deckung gebracht zu haben. Ishak nagelte den Ball nach einer Ecke aus 14 Metern brachial unter die Latte.

Dieser Gewaltschuss war schon das Tor zum 1:1-Entstand gegen die Rheinhessen. "Wenn man die 90 Minuten betrachtet, tut's schon weh, dass wir nicht drei Punkte haben." Tim Leibold haderte mit den Club-Fans unter den knapp 38000 Zuschauern mit der schludrigen Chancenverwertung in Hälfte zwei. "19 Torschüsse hatten wir im Pokal gegen Linx nicht", klagte Ishak kopfschüttelnd. Eduard Löwen, Alexander Fuchs, Ishak oder Ondrej Petrák scheiterten mit besten Chancen.

Aber es hatte auch noch die erste Hälfte gegeben. "Ich war jetzt nicht so unzufrieden, was wir da gespielt haben", sagte Club-Coach Michael Köllner zwar. Aber die Gäste aus Mainz gaben da schon den Ton an: Körperlich präsenter, mit sicher vorgetragenen Angriffen hatten die Rheinhessen zwar keine großen Chancen, das Spiel aber in Griff. Die Führung durch den Kopfball von Jean-Philippe Mateta (25.) ging in Ordnung. Doch da wusste Köllner schon, dass er wohl etwas ändern muss. Und so widerlegte er auch den alten Grundsatz "Wichtig ist aufm Platz." Denn: "Wichtig ist auch in der Kabine". Der Trainer nahm in der Pause taktische Veränderungen vor. Ein "bisschen an Schrauben drehen", nennt das der Club-Coach immer. Die Wirkung des bisschen Drehens war enorm: Der Club hatte in der zweiten Hälfte alles im Griff. Unter anderem hatte Köllner Federico Palacios weiter nach vorne beordert, der japanische Neuzugang Yuya Kubo durfte von außen in die Zentrale rücken und zeigte, welch' feines Spielverständnis er hat.

"Bis auf Kubo war das eigentlich die letztjährige Zweitligamannschaft", erklärte Köllner und die habe es "phantastisch gemacht. "Diese Wucht hat uns schon in der zweiten Liga ausgezeichnet." Neben dem Punkt sei aber vor allem wichtig gewesen zu sehen, dass man in der ersten Liga absolut konkurrenzfähig sei.

"Wir waren einfach in der zweiten Hälfte sehr mutig" sagte auch Kapitän Hanno Behrens und machte eine kühne Rechnung auf: "Das erste Spiel haben wir verloren, das zweite unentschieden gespielt, vielleicht können wir das nächste gewinnen." In Bremen. Ishak wird in diesem Spiel in zwei Wochen sicher topfit sein. Er wird in den nächsten Tagen hervorragend schlafen.

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