03.03.2019 - 16:26 Uhr
NürnbergSport

Klostermann-Kracher knackt Club-Beton

Das Glück trägt derzeit kein rot-schwarzes Trikot. Obwohl der Club mittlerweile völlig konträr zur Philosophie von Ex-Trainer Michael Köllner auftritt, wandert nach der 0:1-Heimpleite gegen Leipzig ein Negativrekord an den Valznerweiher.

Patrick Erras (rechts, im Zweikampf mit Leipzigs Tylor Adams) stand nach langer Zeit wieder einmal in der Startelf des 1. FC Nürnberg. Die 0:1-Heimniederlage konnte aber auch der Raigeringer nicht verhindern.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Diesmal mutierte Hanno Behrens zur tragischen Figur. Der Kapitän des 1. FC Nürnberg drosch gegen Leipzig nach zehn Minuten einen Foulelfmeter (Ibrahima Konaté hatte Tim Leibold zu Fall gebracht - siehe Hintergrundkasten) an die Querlatte. Interimscoach Boris Schommers betrauerte hernach den „verpassten Türöffner“. Wie schon beim 1:2 in Düsseldorf (Dumm-Dumm-Rot gegen Pereira nach vier Minuten und Eigentor durch Ewerton) musste der FCN so früh einen Nackenschlag verdauen und geriet vermeidbar in Rückstand.

„Es ist umso ärgerlicher, dass wir nicht durch ein sauber herausgespieltes Leipziger Tor in Rückstand geraten, sondern nach einer Standardsituation. Das sind Dinger, die wir einfach verhindern können“, haderte Eduard Löwen mit der Situation. RB-Rechtsverteidiger Lukas Klostermann hatte nach einem Eckball und missglücktem Kopfballversuch von Konaté den zweiten Ball durch vier Nürnberger hindurch ins Netz gehämmert. Das Tor des Tages. Damit war das 18. sieglose Spiel der Franken in Serie besiegelt - ein neuer Rekord in der Bundesliga, aber keiner, den man sich freiwillig ans Revers heftet.

„Leipzig ist eine der besten Mannschaften Deutschlands. Wir haben die Partie bis in die Nachspielzeit offen gehalten. Mit der Leistung bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis natürlich nicht“, analysierte Schommers. Der Köllner-Nachfolger ließ wie schon gegen Dortmund und in Düsseldorf ordentlich Beton anrühren. Wo der ehemalige Coach aus Fuchsmühl stets die spielerische Lösung forderte, regiert nun Pragmatismus: Lange Bälle statt Spieleröffnung, Defensive vor Offensive. Nur: Von Erfolg sind beide Herangehensweisen (bislang) nicht gekrönt.

„Es war das erwartet anstrengende Spiel, das wenig Spaß gemacht hat. Die Nürnberger Spielweise war zu sehr darauf ausgerichtet, nichts zuzulassen“, freute sich RB-Coach Ralf Rangnick über den Arbeitssieg. Der Club stand hinten durchaus kompakt und verteidigte die hochüberlegene individuelle Leipziger Klasse mit viel Einsatz und Laufbereitschaft. Nach vorne ging allerdings so gut wie gar nichts. Ein Torschüsschen von Virgil Misidjan in der 90. Minute ist schlicht zu wenig, um sich auch nur einen Zähler zu verdienen. Behrens und Mikael Ishak tauchten zwar aussichtsreich im Leipziger Strafraum auf, zum Abschluss brachten es aber beide nicht.

„Heute war auf jeden Fall ein Punkt drin. Auch wenn es schwer ist, dran zu glauben: Wenn wir so weitermachen, werden wir auch bald wieder Siege einfahren“, sagte Patrick Erras. Der Raigeringer stand gegen Leipzig erstmals 2019 für den verletzten Ondrej Petrak in der Startelf und fand die Leistung „in Ordnung, auf der müssen wir aufbauen“. Doch auch nach dem Trainerwechsel erscheint der Klassenverbleib als kaum mehr realisierbares Wunder. Zu viele individuelle Aussetzer und zu wenig offensive Durchschlagskraft machen durchaus vorhandene Ansätze in unschöner Regelmäßigkeit zunichte.

Hanno Behrens war am Samstag die tragische Figur: Der Club-Kapitän verschoss in der zehnten Spielminute einen Foulelfmeter.
Hintergrund:

Zweimal Gelb für Ibrahima Konaté

Zweimal Gelb bedeutet Gelb-Rot: Diese Fußballregel wurde am Samstag in Nürnberg außer Kraft gesetzt. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied nach einem vermeintlichen Foul von Ibrahima Konaté an Tim Leibold zunächst auf Freistoß für den Club und zückte Gelb für Leipzigs Abwehrhünen. Nach Intervention des Videoschiedsrichters zeigte Schlager jedoch auf den Punkt, da das Vergehen auf der Strafraumbegrenzung begangen wurde. Das Regelbuch sieht die Ahndung derartiger taktischer Vergehen wie folgt vor: außerhalb des Strafraums Gelb, innerhalb kein Gelb.

Folglich nahm der Unparteiische die ursprüngliche Verwarnung gegen Konaté wieder zurück, informierte darüber die Kapitäne beider Teams, die es wiederum an die Trainer weitergaben. Nur: Bei den Zuschauern kam diese Rücknahme der Verwarnung nicht an. Und so jubelte der Nürnberger Anhang bereits, als eben jener Konaté Mitte des zweiten Abschnitts erneut den Gelben Karton gezeigt bekam. Doch zur Verwunderung aller Zuschauer blieb die Rote Karte im Schlagers Hosentasche stecken.

Der Club und der vierte Offizielle sahen sich veranlasst, die Zuschauer mittels Stadionsprecher aufzuklären. „Der Schiedsrichter hat die Gelbe Karte gegen den Leipziger Spieler Konaté in der Halbzeit zurückgenommen.“

Was folgte, war zu erwarten: wütende „Schieber“-Rufe und eine aufgeheizte Stimmung auf den Rängen. Erst auf der Pressekonferenz löste Nürnbergs Pressesprecher Daniell Westgate die missverständliche Aussage des Stadionsprechers auf. Eine Rücknahme einer Gelben Karte in der Halbzeit wäre laut Regelbuch auch gar nicht möglich. Viel Lärm also um nichts - oder: Vom Schiedsrichter gut gelöst, vom FCN schlicht schlecht kommuniziert.

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