27.10.2021 - 16:33 Uhr
NürnbergSport

Pokalfight des 1. FC Nürnberg: Zwischen Ekstase und völliger Stille

Es war ein tolles Pokalspiel zwischen dem Club und dem HSV, zwei starke Zweitligisten lieferten sich ein beeindruckendes Duell. Das Geschehen auf dem Rasen geriet jedoch zur Nebensache. Auch deswegen zählte der Club seine eigenen Fans an.

Nach seinem heftigen Zusammenprall mit dem Hamburger Miro Muheim wurde Club-Youngster Tom Krauß aus dem Stadion getragen und ins Krankenhaus gebracht. Nach dem ersten Schrecken beruhigte er die Fans mit dem Daumen nach oben.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, auf die der 1. FC Nürnberg und der Hamburger SV die Fußballfans am Dienstagabend mitgenommen haben. Neben einem tollen und spannenden Pokalfight, der erst im Elfmeterschießen zugunsten der Gäste entschieden wurde und die Fans förmlich aus den Sitzen riss, sorgten schwere Verletzungen zweimal für ein mucksmäuschenstilles Max-Morlock-Stadion. Zumindest gab der Nürnberger Tom Krauß am Mittwochmorgen vorsichtige Entwarnung, als er via Instagram aus dem Krankenhaus ein "Vielen Dank für die vielen Genesungswünsche. Es geht mir gut", verschickte.

Nur Sekunden nach Wiederbeginn der zweiten Hälfte waren der 20-Jährige und Miro Muheim (HSV) heftig mit den Köpfen zusammengerasselt, woraufhin Krauß bewusstlos auf den Boden geknallt war. Die dramatischen Szenen, die sich danach auf dem Platz abspielten, erinnerten nicht wenige Stadionbesucher an den Fall des Dänen Christian Eriksen bei der EM im Sommer. Spieler, die einen Sichtschutz bilden, dazu gespannte Handtücher und hektisch gestikulierende Betreuer und Sanitäter.

Mitgenommene Krauß-Eltern

"Die Niederlage nehme ich gerne in Kauf, wenn es Tom Krauß schnell wieder gut geht. Das ist viel wichtiger“, sagte Club-Kapitän Enrico Valentini nach der Partie. Der Kaufmännische Geschäftsführer des Clubs, Niels Rossow, hatte die sichtlich mitgenommenen Eltern von Tom Krauß von der Tribüne an den Platz und anschließend in die Kabine zu ihrem Sohn geführt.

Trainer Robert Klauß war während der beängstigenden Szene selbst auf den Platz geeilt, um "zu helfen und in der Hektik zu beruhigen", denn es sei ein Schockmoment für die Spieler gewesen, die drumherum standen. "Es sieht erst einmal nicht so aus, als wenn es etwas Schwerwiegendes ist", wagte sich Klauß auf der Pressekonferenz an eine erste Prognose: "Es wird sich aber mindestens um eine schwere Gehirnerschütterung handeln." Damit bewies der Club-Coach durchaus medizinisches Talent: Am Tag nach dem Spiel war die Erleichterung groß, als Krauß das Krankenhaus mit der Diagnose Gehirnerschütterung bereits wieder verlassen durfte. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, ehe er in den Trainingsbetrieb zurückkehren kann.

Club verurteilt Pfiffe gegen Leibold

Dagegen sah sich der Verein ebenfalls am Mittwoch dazu gezwungen, das Verhalten der eigenen Anhänger zu tadeln. Die hatten den Ex-Cluberer Tim Leibold gnadenlos ausgepfiffen – auch als er unter starken Schmerzen und vermutlich mit einer schweren Knieverletzung mit der Trage abtransportiert wurde. Ausgerechnet nach einer Aktion des Nürnbergers Krauß. "Der 1. FC Nürnberg steht für Fairness. Wir bedauern es wirklich sehr, dass es dennoch zu solch einem Verhalten gekommen ist und entschuldigen uns beim Hamburger SV und insbesondere bei Tim Leibold, dem wir eine schnelle Genesung wünschen", hieß es in einer Mitteilung. Das Verhalten der eigenen Fans sei "ein Tiefpunkt" der Partie gewesen. Wie es geht, bewiesen die gut 1500 mitgereisten Anhänger des HSV, als sie später den Abtransport des verletzten Nürnbergers mit Applaus und "Tom Krauß"-Sprechchören begleiteten.

Der Spielbericht vom Pokalduell 1. FC Nürnberg gegen den Hamburger SV

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"Die Niederlage nehme ich gerne in Kauf, wenn es Tom Krauß schnell wieder gut geht. Das ist viel wichtiger.“

Club-Kapitän Enrico Valentini

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