28.06.2021 - 12:08 Uhr
Hof an der SaaleSport

Race Around Germany – Deutschlands härtestes Radrennen führt durch die Oberpfalz

Während der Profi-Tross durch Frankreich tourt, hat Extremsportler Stefan Herrmann große Pläne: einmal rund um Deutschland. Das härteste Radrennen Deutschlands führt ihn dabei auch durch die Oberpfalz.

Stefan Herrmann ist reisefertig. Mit seinem Cube-Bike will er in zehn Tagen Deutschland umrunden.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Das härteste Radrennen" – wenn Sportreporter derzeit so von der Tour de France reden, kann Stefan Herrmann nur mit den Schultern zucken. Der Oberfranke hat sich eine ähnliche Strecke wie die Profis in Frankreich vorgenommen – 3300 Kilometer. Doch während die Tour ihren Sportlern drei Wochen Zeit gibt, bleiben Herrmann nicht mal zwei. 12 Tage dürfen die Teilnehmer am Race Around Germany für die Rennstrecke benötigen. Am Ende dieser Tage warten auf Herrmann auch nicht Luxusbus und Massagebank wie in Frankreich. Der 45-Jährige hat Isomatte, Zelt und Schlafsack am Rad verstaut. Das Race Around Germany ist eine besondere Herausforderung. Eine, die ihre Sportler auch von Nord nach Süd durch die Oberpfalz führt.

Wie der Name sagt, das Race Around Germany führt immer mehr oder weniger entlang der Grenzen im Uhrzeigersinn um Deutschland. Über Marktredwitz, Mitterteich, Vohenstrauß und Oberviechtach geht es für die Sportler nach Cham, wo sich eine von neun Kontrollstellen des Rennens befindet. Danach radelt Herrmann weiter in Richtung Süden.

Zu Beginn eher vorsichtig

Am 1. Juli geht es für den 45-Jährigen los. Der Sportler aus Hof hat schon mehrere Fahrten über 24 Stunden hinter sich gebracht, alleine im vergangenen Jahr rund 20 000 Radkilometer zur Vorbereitung gesammelt – neben seiner Vollzeitstelle bei der Stadt Hof. Die Tour ist für ihn dennoch ein Aufbruch ins Unbekannte. So lange war auch er noch nie alleine unterwegs, wie es ihm körperlich und im Kopf gehen wird, könne er nicht sagen. "Ich will die Tour auf jeden Fall vorsichtig angehen. Wenn es gut läuft, kann ich am Schluss noch zulegen", sagt Herrmann wenige Tage vor dem Start. "Vorsichtig" heißt in seinem Fall: 330 Kilometer pro Tag radeln und sich dann einen Platz fürs Zelt suchen. "Wenn ich das durchhalte, habe ich die Tour in zehn Tagen geschafft", rechnet Herrmann.

Nur zwei Tage mehr gesteht ihm der Veranstalter zu, wer nach zwölf Tagen noch nicht wieder in seinem Startort angekommen ist, wird aus dem Rennen genommen, so hat es Dieter Göpfert festgelegt. Der Unterfranke ist selbst Ausdauersportler und veranstaltet regelmäßig Extremsport-Veranstaltungen. Seit 2014 auch das Race Around Germany als härteste Herausforderung für Radsportler in Deutschland. Die Teilnehmer wählen dabei Startzeit und -punkt auf der Strecke selbst. Über GPS-Sender ist der Standort jederzeit bekannt. Zusätzlich müssen sich die Teilnehmer an den neun Zeitmesspunkten telefonisch bei Göpfert melden. Wer Zeit und alle Regeln inklusive Straßenverkehrsordnung einhält, wird in die Rennhistorie aufgenommen und erhält einen Pokal. "Das Rennen führt ohnehin jeder gegen sich selbst. Es ist dann auch egal, ob man gleichzeitig mit anderen startet", sagt Göpfert zum Modus.

Erst seit zwei Jahren auf dem Rennrad

Das bestätigt Herrmann. Er wolle vor allem sich beweisen, dass er die Herausforderung bestehen kann. Die Zeit oder die Leistung anderer sei nebensächlich. Obwohl er schon immer sportlich war, sei er erst seit gut zwei Jahren auf dem Rennrad unterwegs. Dass er gerne lange Strecken fährt, war schnell klar. Schon die erste Ausfahrt war mehr als 200 Kilometer lang. Es folgten immer längere Touren und bald auch der Wunsch nach einer echten Herausforderung. Die Wahl fiel auch wegen Corona aufs Race Around Germany. "Innerhalb Deutschlands sollte es die wenigsten Probleme geben", sagt Herrmann.

Neben der sportlichen Herausforderung hat er auch eine bezüglich der Ausrüstung zu bestehen. Schließlich muss er als Solofahrer alles am Rad transportieren – jedes Gramm zählt. Herrmann hat sein Rad auf 17 Kilogramm optimiert, bei voller Ausrüstung inklusive zweier gefüllter Trinkflaschen, Wechselkleidung, Schlafsack, Zelt und Isomatte. Dazu kommt ein Nabendynamo, schließlich müssen Telefon und GPS-Gerät mit Strom versorgt werden, damit der Rennorganisator Bescheid weiß, wo der Sportler unterwegs ist.

Kurze Begleitung erwünscht

Die Fahrt entlang an der tschechischen Grenze habe eine besondere Bedeutung fürs Rennen, sagt Göpfert. "Die Landschaft ist toll. Das höre ich von den Fahrern immer wieder", merkt Göpfert an. Auch die guten und verkehrsarmen Straßen kommen gut an. Allerdings: "Hier beginnen die Anstiege wieder länger und steiler zu werden", sagt Göpfert. Je nachdem wie viel Strecke schon hinter den Sportlern liegt, ist das oft eine harte Prüfung.

Stefan Herrmann sollte noch recht frisch sein, wenn er am Donnerstag nach gut 100 Kilometern den Oberpfälzer Wald erreicht. Über die |Homepage des RaceAroundGermany ist er jederzeit zu orten, wer will, dürfe ihn gerne für ein einige Kilometer begleiten. Direkte Unterstützung wie Windschatten sei nicht erlaubt, gegen Begleitung anderer Radfahrer habe das Reglement aber nichts. "Als Starter ist man so viel alleine", sagt Herrmann. Er freue sich über jeden, der ihm für ein paar Kilometer Gesellschaft leistet.

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Info:

Das Race Around Germany in Zahlen

  • 21100 Höhenmeter müssen die Sportler überwinden
  • 3300 Kilometer beträgt die Strecke
  • 11 Bundesländer durchquert das Rennen
  • 7 Tage und 23 Stunden hat Streckenrekordler Matti Köster für die Deutschland-Umrundung benötigt

 

 

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