30.01.2021 - 23:36 Uhr
RegensburgSport

90.+7: Kaan Caliskaner sichert dem SSV Jahn einen Punkt

Der SSV Jahn Regensburg liegt gegen den SV Darmstadt in der 2. Fußball-Bundesliga lange Zeit zurück. Selbst die angezeigten fünf Minuten Nachspielzeit waren abgelaufen. Doch einen Höhepunkt hielt diese Partie noch bereit.

Ekstase pur: Jahn-Joker Kaan Caliskaner schreit die Freude über seinen Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit gegen den SV Darmstadt raus.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es waren 96 Minuten und 33 Sekunden gespielt (oder wie es neuerdings im modernen Fußballsprech heißt: 90 plus 7), als im Regensburger Stadtsüden am frühen Samstagnachmittag eine kleine Explosion zu vernehmen war: Der eingewechselte Kaan Caliskaner erzielte weit in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich zum 1:1-Endstand für den SSV Jahn gegen Darmstadt 98. Was folgte war ein Gefühlsausbruch, eine Ekstase, wie man sie in Geisterspiel-Zeiten nur mehr sehr selten zu sehen bekommt. Trainer und Ersatzspieler stürmten auf den Platz, die Mitspieler verfolgten den wie von Sinnen über den Rasen stürmenden Caliskaner, bis sie ihn endlich zu fassen bekamen, zu Boden rissen und unter einer Traube rot-weißer Trikots begruben.

"Es ist schade, dass das Stadion in so einem Moment leer ist. Ich kann mir gut vorstellen, was in Regensburg dann passiert wäre", bedauerte Jahn-Cheftrainer Mersad Selimbegovic die fehlenden Fans. Und der Torschütze war sichtlich erleichtert über seinen Premierentreffer im Regensburger Dress: "Ich freue mich riesig über mein erstes Tor und darüber, dass ich mit meiner Mannschaft damit noch einen Punkt geholt habe", sagte Caliskaner.

Ekstatisches Ende der Englischen Woche

Direkt vor der verwaisten Hans-Jakob-Tribüne, dem sonstigen Stammplatz der treuesten Jahn-Anhänger, fand die erste von zwei direkt aufeinanderfolgenden Englischen Wochen für den Oberpfälzer Zweitligisten ein ekstatisches Ende. Der Pleite auf St. Pauli (0:2) folgte der späte Sieg beim Club in Nürnberg, gefolgt vom noch späteren Remis gegen die Darmstädter "Lilien". So glücklich der Zeitpunkt des Ausgleichstreffers auch gewesen sein mag, verdient war der Punktgewinn für den SSV Jahn allemal.

Zwar lief im Offensivspiel längst nicht alles rund, Torchancen waren Mangelware, doch die hatte Selimbegovic auch nicht erwartet: "Darmstadt zählt zu den besten Mannschaften der Liga. Da erspielt man sich nicht so einfach zehn Chancen im Spiel." Die "Lilien" hatten zwar auch nicht mehr Möglichkeiten, machten aber im ersten Durchgang aus einer Chance ein Tor durch Tim Skarke. "Das war ein klasse Konter. Den spielen sie richtig stark aus", lobte der Jahn-Coach den Gegner. Der Rest war Kampf, Leidenschaft und Emotion – bei Regensburger Schmuddelwetter mit Dauerregen und immer wieder Schneeschauern.

Gästetrainer beklagt lange Nachspielzeit

Die Gäste wiederum haderten mit der dann noch einmal verlängerten fünfminütigen Nachspielzeit. Der Darmstädter Trainer Markus Anfang wollte auf der Pressekonferenz eigentlich nichts zu dieser Thematik sagen, um Sekunden später dann doch noch ein Klagelied anzustimmen. "Das ist mächtig bitter für uns und fühlt sich wie eine Niederlage an." Das haben sich seine Akteure aber in gewisser Weise auch selbst zuzuschreiben: Ab Mitte der zweiten Halbzeit forcierten sie zusehends das Zeitspiel, das kurz vor Schluss darin gipfelte, als Marvin Mehlem seinem Mitspieler Erich Berko die Schuhe binden musste, weil dieser einen Knoten nicht aufbekam. Eine Behandlungspause in der Nachspielzeit sowie insgesamt zehn Spielerwechsel rechtfertigten die Extrazeit dann doch.

Mit diesem Last-Second-Treffer nimmt der SSV Jahn ausreichend Selbstbewusstsein in die nächste Englische Woche. Dort steht am Mittwoch ein fast schon historischer Moment an: Erstmals seit über 18 Jahren stehen die Regensburger wieder im Achtelfinale des DFB-Pokals. Um 20.45 Uhr ist Bundesligist 1. FC Köln im Jahnstadion zu Gast. Dann könnte es wieder länger dauern, aber darin hat der Jahn ja jetzt Übung.

Die Jahn-Spieler begruben den Torschütze Kaan Caliskaner unter einer Jubeltraube.

Anfang des Jahres kam der SSV Jahn schwer in Tritt

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