11.01.2021 - 20:01 Uhr
RegensburgSport

Regensburg in der Krise: Der SSV Jahn trifft das Tor nicht mehr

Seit fünf Spielen wartet der SSV Jahn Regensburg nun schon auf einen dreifachen Punktgewinn. Ein Blick auf die Statistik verdeutlicht, wo der Schuh besonders drückt: Der Oberpfälzer Zweitligist ist vor dem Tor viel zu harmlos. Eine Analyse.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Regensburgs offensiver Flügelspieler Jann George (rechts) läuft seinem Bochumer Gegenspieler Herbert Bockhorn nur hinterher.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

0:0, 0:0, 0:0, 1:3, 0:2: So lauten die ernüchternden Ergebnisse des SSV Jahn Regensburg in den letzten fünf Spielen in der 2. Liga. Die Folge bildet die aktuelle Tabelle ab, der Vorsprung auf die Abstiegsregion schmilzt zusammen wie ein Eis in der prallen Sonne. Dem nächsten Duell am Sonntag mit dem Tabellennachbarn SV Sandhausen kommt deswegen wegweisender Charakter zu. Wird Trainer Mersad Selimbegovic deswegen nervös? Mitnichten. "Ganz ehrlich? Das interessiert mich nicht. Wir haben erst 15 Spiele absolviert, die Saison ist noch lang, da wird noch viel passieren", sagte er nach der 0:2-Heimpleite am Sonntag gegen den VfL Bochum.

André Becker bis vor kurzem noch berufstätig

Passieren muss vor allem was im Angriffsspiel der Oberpfälzer. Mit harmlos wären die Auftritte der Stürmer Andreas Albers, Kaan Caliskaner oder Sebastian Stolze noch äußerst wohlwollend umschrieben. Gegen Bochum etwa gelang ein einziger Torschuss, den versemmelte Neuzugang André Becker alleine vor dem Torwart kläglich. Bei dem 24-Jährigen, der vor der Saison aus der Regionalliga von Astoria Walldorf kam, lässt Geschäftsführer Christian Keller noch Milde walten: "Er muss sich noch an das Spieltempo und das Trainingspensum gewöhnen, da er bis vor kurzem noch 40 Stunden die Woche gearbeitet hat", sagte er jüngst in einem Interview über Becker, der fast ausschließlich als Joker zum Einsatz gekommen ist (das aber in allen 15 Saisonspielen). Andere Kriterien müssen aber bei Andreas Albers angewendet werden. Der 30-jährige Däne gewinnt trotz seiner 1,93 Meter kaum ein offensives Kopfballduell, wirkt im Passspiel limitiert und verfügt nicht über die Antrittsschnelligkeit, die beim schnellen Umschalten der Jahn-Elf eigentlich vonnöten wäre. Dass Albers dennoch mit fünf Treffern der erfolgreichste Regensburger Schütze ist, verdeutlicht das Dilemma.

Dessen Sturmpartner ist zumeist Neuzugang Kaan Caliskaner (kam aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln). Der 21-Jährige ist noch gänzlich ohne Torerfolg, dabei verfügt er durchaus über Ballsicherheit, Spielwitz und Tempo. Aber in den entscheidenden Momenten wirkt Caliskaner noch zu verspielt, verpasst das Abspiel im richtigen Moment oder wählt die falsche Entscheidung. Er geht lieber noch einmal ins Dribbling, als den konsequenten Abschluss zu suchen. Die etablierten Flügelspieler Sebastian Stolze und Jann George wissen eigentlich, wo das Tor steht, dennoch laufen beide in dieser Spielzeit ihrer Form hinterher. Während Stolze noch mit den Nachwirkungen mehrerer Blessuren zu kämpfen hat, genießt George nicht mehr das Vertrauen des Trainers. Gegen Bochum stand er zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf. Zwar erhielt er von Selimbegovic hinterher ein Lob, doch die fehlende Spielpraxis war ihm noch deutlich anzumerken.

Albion Vrenezi erfüllt Erwartungen

Einzig Rückkehrer Albion Vrenezi (war zuletzt an die Würzburger Kickers ausgeliehen) erfüllt einigermaßen die Erwartungen. Drei Saisontore stehen für den Flügelspieler bereits zu Buche. Doch auch der 27-jährige Kosovare ist noch zu launisch in seinen Darbietungen, weshalb das fürs Jahn-Spiel so elementare überfallartige Flügelspiel zu sehr lahmt. Und im Sturmzentrum hapert es an torgefährlichen Abnehmern. Dies sind keine allzu prickelnden Aussichten kurz vor Saison-Halbzeit. Während es in den Vorjahren keinerlei Berührungspunkte mit der Abstiegsregion gegeben hat, scheint es in dieser Spielzeit ein harter, bis zum Schluss dauernder Kampf um den Ligaverbleib zu werden.

Hintergrund:

Das Offensiv-Dilemma des SSV Jahn in Zahlen

  • Torjäger: Andreas Albers (5 Saisontreffer/alle 239 Minuten ein Tor), Max Besuschkow (3/390), Sebastian Stolze (3/313), Albion Vrenezi (3/338); zum Vergleich: Simon Terodde/HSV (16/80), Serdar Dursun/Darmstadt (9/138), Christian Kühlwetter/Heidenheim (9/131)
  • Scorer: Andreas Albers (5 Tore/0 Assists), Albion Vrenezi (3/2), Sebastian Stolze (3/1); zum Vergleich: Simon Terodde/HSV (16/1), Tobias Kempe/Darmstadt (8/7), Sebastian Kerk/Osnabrück (7/7)
  • Saisontore: SSV Jahn 18; zum Vergleich: HSV 31, Fürth 29, Sandhausen 16, Braunschweig 14
  • Tore pro Spiel: SSV Jahn 1,20; Liga-Durchschnitt: 1,48
  • Torschüsse pro Spiel: SSV Jahn 13,47; Liga-Durchschnitt: 12,74
  • Passquote: 70 Prozent aller Pässe des SSV Jahn landen beim Mitspieler (Liga-Durchschnitt: 75 Prozent)
  • Fehlpässe pro Spiel: SSV Jahn 107 (Liga-Durchschnitt: 99)
  • Ecken pro Spiel: SSV Jahn 5,93 (Liga-Durchschnitt: 5,01)

Hier geht‘s zum Spielbericht von der Heimniederlage des SSV Jahn gegen den VfL Bochum

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