27.05.2020 - 15:54 Uhr
RegensburgSport

Jahn gegen Club: Verkehrte Gefühlswelten

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Eigentlich endete das oberpfälzisch-fränkische Zweitliga-Duell zwischen dem Jahn und dem Club am Dienstagabend unentschieden. Und doch gab es nach 94 spannenden Minuten einen Sieger und einen Verlierer – wenn auch nur gefühlt.

Nürnbergs Johannes Geis grätscht gegen Jahn-Neuzugang Charalambos Makridis (rechts).
von Fabian Leeb Kontakt Profil

"Während einer Saison gleicht sich alles aus": Diese geläufige Fußball-Weisheit kam am Dienstagabend im Jahnstadion Regensburg zu ihrer x-ten Aufführung. Wie im Hinspiel in Nürnberg traf der SSV Jahn erneut in der vierten Minute der Nachspielzeit – nur diesmal für und nicht gegen den Club. Unglücksrabe Tim Knipping bescherte den bedenklich wankenden Franken doch noch einen Zähler im oberpfälzisch-fränkischen Zweitliga-Derby. Der kurz zuvor eingewechselte Jahn-Innenverteidiger ließ seinem Schlussmann Alexander Meyer per Kopf keine Chance und traf zum 2:2 ins eigene Netz. "Unglücklicher geht's nicht", sagte ein hadernder Mersad Selimbegovic auf der virtuellen Pressekonferenz.

Der Jahn-Coach wusste nicht, ob er sich angesichts eines gewonnenen Punktes freuen oder doch über zwei verlorene Zähler grämen sollte. "Ich bin immer optimistisch, deswegen sind wir mit nun 35 Punkten wieder näher an die Zielmarke 40 herangerückt." Zuvor hatten die Regensburger die "beste Leistung seit Wiederbeginn" abgerufen, wie es Sebastian Stolze, Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:1, formulierte. Dieser Auftritt mache "Mut für das Freitagsspiel in Osnabrück und allgemein für die Zukunft" (Selimbegovic). In der Tat hatte der Jahn den fränkischen Kontrahenten über weite Strecken der Partie im Griff, wirkte viel griffiger, spielfreudiger und mutiger als noch gegen Kiel oder Sandhausen. "Wir waren die bessere Mannschaft. Nach dem frühen Rückstand sind wir aufgewacht und haben das Spiel verdient gedreht", sagte Stolze, der an der Seite des Dänen Andreas Albers (Torschütze zum Ausgleich) stürmte. So blieb für Kapitän Marco Grüttner nur ein Platz auf der Bank. "Marco ist nicht mehr der Jüngste. Er hat das wie ein Kapitän aufgenommen und weiß, dass wir in einer Englischen Woche mit unseren Kräften haushalten müssen", sagte Trainer Selimbegovic zu seiner überraschendsten Personalie.

Ein symptomatisches Bild für das Zweitliga-Derby: Regensburgs Tim Knipping liegt nach seinem Last-Second-Eigentor in der 94. Minute konsterniert auf dem Rasen. Nürnbergs Sebastian Kerk mag sich ob der desolaten Club-Leistung gar nicht richtig freuen.

Eine unerwartete Aufstellung hatte auch Nürnbergs Trainer Jens Keller gewählt: teils gezwungen (Heise für den verletzten Hack), teils gewollt (Ishak im Sturmzentrum anstelle des zuletzt wirkungslosen Zrelak). Deutete durch Ishaks 1:0 zunächst vieles auf ein glückliches Händchen Kellers hin, war es mit der Nürnberger Herrlichkeit jedoch schnell vorbei. "Wir haben 15 Minuten lang ein gutes Spiel gemacht. Aber leider nur 15 Minuten", legte der Trainer den Finger in die Club-Wunde: Fehlender Mut, mangelhafte Raumaufteilung und schlampiges Passspiel hatte Keller bei seinem Team ausgemacht. Und so tat sich nicht nur der Coach schwer damit, Positives aus dem Gastspiel in der Oberpfalz herauszuziehen, das Mut für die nervenaufreibenden Geister-Wochen im Abstiegskampf der 2. Liga machen könnte.

"Wir hatten großes Glück. Am Ende war der Punkt glücklich", sagte etwa Keeper Christian Mathenia. "Wir sind zurückgekommen und haben Moral bewiesen", fügte Johannes Geis an. Glück? Moral? Es wird schon am Samstag daheim gegen Bochum etwas mehr nötig sein, um eine völlig verkorkste Spielzeit zumindest nicht in einer Voll-Katastrophe enden zu lassen. Der Eigentor-Dusel dürfte nach seinen Einsätzen gegen Aue und Regensburg aber schon mal aufgebraucht sein.

Die Vorschau auf das Spiel SSV Jahn Regensburg – 1. FC Nürnberg

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