03.03.2021 - 15:27 Uhr
RegensburgSport

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller: "Sind uns keiner Fehler in den Abläufen und Maßnahmen bewusst"

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Beim SSV Jahn Regensburg geht die Aufarbeitung der positiven Coronafälle im Zweitliga-Kader weiter. Geschäftsführer Christian Keller erläutert im Interview auch, inwiefern er sich in Bezug auf seine Äußerungen missverstanden fühlt.

Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball beim SSV Jahn Regensburg, bezieht im Interview mit Oberpfalz-Medien Stellung zu den Corona-Infektionen innerhalb des Zweitliga-Kaders.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

ONETZ: Herr Keller, zuerst natürlich die Nachfrage: Wie geht es den betroffenen Spielern und Trainer Mersad Selimbegovic?

Christian Keller: Mein aktueller Stand ist so, dass sie entweder symptomlos sind oder milde Verläufe mit leichten Erkältungs- oder grippalen Symptomen haben, die man aus der Winterzeit kennt. Im Wissen, dass es sich hierbei aber um keinen grippalen Infekt handelt. Schnupfen, Halsweh, Kopfweh, auch leichtes Fieber, aber nicht alle Akteure haben die gesamte Bandbreite.

ONETZ: Sind im Nachgang noch weitere Fälle aufgetreten oder hat sich der Zustand eines betroffenen Akteurs verschlechtert?

Christian Keller: Nein, alle weiteren Akteure sind bis dato mehrfach negativ getestet worden und erfreuen sich bester Gesundheit.

ONETZ: Sie sagten am Montag, die aktuellen Schutz- und Hygienemaßnahmen reichten womöglich nicht aus, um auch Virusmutationen abzuweisen. Haben Sie diese Sorge auch gegenüber DFL und DFB geäußert?

Christian Keller: Ich wurde hier bei der Pressekonferenz missverstanden. Meine Aussagen bezogen sich lediglich auf die Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen beim SSV Jahn. Ich meinte, dass wir unser Vorgehen nochmals hinterfragen müssen. Das haben wir mittlerweile getan und keine Nachlässigkeiten festgestellt. Das Schutz- und Hygienekonzept der DFL ist grundsätzlich hervorragend, hat sich bestens bewährt und wird weltweit als Benchmark für den Profisport angesehen. Nicht umsonst hat es in elf Monaten keinen einzigen Fall bei uns gegeben. Es gibt aber auch ein Leben außerhalb des Konzeptes. Alle Spieler und Trainer haben auch ein Privatleben, haben da Kontakte, so dass nie eine abschließende fixe Sicherheit hergestellt werden kann.

ONETZ: Gibt es aus Ihrer Sicht und Ihren Erfahrungen der letzten Tage Nachbesserungsbedarf an den aktuell geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen?

Christian Keller: Wie gesagt funktioniert das Schutz- und Hygienekonzept der DFL sehr gut. Bei unserer Umsetzung haben wir auch keine Abweichungen entdeckt. Die Vermengung aus Berufs- und Privatleben beziehungsweise der damit einhergehenden Kontakte kann aber auch das beste Konzept nicht abschließend auflösen.

ONETZ: Gibt es im Rückblick Situationen, zu denen Sie sagen, da hätten wir besser aufpassen müssen? Da waren wir vielleicht nicht zu 100 Prozent konsequent genug?

Christian Keller: Ich wiederhole gerne nochmals, dass wir nichts anders gemacht haben als zuvor. Es kann aber einfach nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass von außen ein Fall in die Mannschaft hereingetragen werden kann.

ONETZ: Zieht der SSV Jahn für sich schutz- und hygienetechnische Folgerungen oder Konsequenzen aus den Infektionen?

Christian Keller: Wir haben alle Vorgänge nochmals überprüft, sind uns aber bis dato keiner Fehler in den Abläufen und Maßnahmen bewusst. Natürlich werden wir zukünftig die Sensibilisierung weiter hochhalten, was bis dato aber auch der Fall war.

ONETZ: Die Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes für die gesamte Mannschaft sowie Trainer- und Betreuerstab erfolgte auch, weil die Kontakte der Infizierten nicht mehr eindeutig aufzuklären waren. Warum waren diese Kontakte nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen?

Christian Keller: Das Gesundheitsamt Regensburg hatte am Montag umgehend die Kontaktpersonen-Ermittlung angeordnet. Diese haben wir bestmöglich unterstützt. Im Ergebnis hatte diese Ermittlung jedoch zu keinem klaren Ergebnis und schließlich zur Quarantäne für den gesamten Mannschaftskader inklusive Trainer- und Betreuerstab geführt. Natürlich wäre uns selbstredend ein klares Ergebnis lieber gewesen, um eine solche Quarantäne zu vermeiden. Das Gesundheitsamt Regensburg kam aber zur Entscheidung, dass bei nicht exakt aufklärbarer Kontaktsituation und dem Auftreten von mehreren Fällen in einem mutmaßlichen Zusammenhang, sogenannte Cluster, insbesondere bei hochgradigem Verdacht auf das Vorliegen einer sogenannten besorgniserregenden Virusmutation ein erhöhtes Infektionsrisiko für den gesamten Mannschaftskader anzunehmen war.

"Wir müssen uns überlegen, wie wir die Quarantäne bestmöglich für die Mannschaft gestalten, so dass die gesunden Spieler ein bestmögliches Training absolvieren können und wir den Substanzverlust so gering wie möglich halten."

Christian Keller über das Training in Quarantäne-Zeiten

ONETZ: Nun droht dem SSV Jahn ein proppenvolles Restprogramm. Fürchten Sie dadurch einen Wettbewerbsnachteil für Ihre Mannschaft im Abstiegskampf?

Christian Keller: Nein. Das ist jetzt eine neue Herausforderung. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Quarantäne bestmöglich für die Mannschaft gestalten, so dass die gesunden Spieler ein bestmögliches Training absolvieren können und wir den Substanzverlust so gering wie möglich halten. Wann die Infizierten wieder einsteigen, gilt es eng mit unserem Mann-schaftsarzt abzustimmen. Die Nichtinfizierten, das ist die große Mehrheit, werden ab Mittwoch einen Heimtrainingsplan durchführen.

ONETZ: Dürfen Sie bei den Ansetzungen der Nachholspiele in Liga und Pokal ein Wörtchen mitreden?

Christian Keller: Zunächst sind die beiden kommenden Spiele in der Liga gegen Osnabrück und Fürth formal noch nicht abgesagt. Es bedarf dazu aktuell noch Abstimmungen mit der DFL. Gleiches gilt gegenüber dem DFB in Bezug auf die Neuansetzung des Pokalspiels gegen Bremen. Klar ist aber natürlich, dass die letzte Entscheidung immer bei den Verbänden als Wettbewerbsträgern liegt.

Statt im Pokal gegen Bremen anzutreten, musste der SSV Jahn Regensburg in Quarantäne

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Mindestens vier Personen aus dem Umfeld der Jahn-Elf haben sich mit einer Virus-Mutation infiziert

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Hintergrund:

Zur Person: Das ist Christian Keller

  • Geboren 1978 in Donaueschingen
  • 2008 promovierte Keller an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Das Dissertationsthema lautete „Steuerung von Fußballunternehmen – finanziellen und sportlichen Erfolg langfristig gestalten“
  • Aufgrund einer schweren Knieverletzung musste der damals 18-jährige Mittelfeldspieler seine aktive Karriere frühzeitig beenden
  • Keller ist in Besitz der Trainer-A-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes
  • Ab Dezember 2009 arbeitete Keller für sechs Monate beim SSV Jahn Regensburg als Mitarbeiter einer Beratungsfirma, die den Verein finanziell sanierte. In derselben Funktion war er unter anderem auch bei der SpVgg Bayreuth und dem TSV 1860 München tätig
  • Nach dem Abstieg des SSV Jahn aus der 2. Bundesliga wurde Keller im August 2013 als Nachfolger von Franz Gerber neuer Geschäftsführer sowie Sportlicher Leiter

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