24.10.2021 - 17:23 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn feiert Heimsieg gegen Hannover 96

Erste Halbzeit hui, zweite Hälfte so lala. Der SSV Jahn Regensburg bleibt in der 2. Bundesliga erster Verfolger des Spitzenreiters FC St. Pauli. Gegen Hannover legen die Oberpfälzer in den ersten 45 Minuten den Grundstein zum Heimsieg.

So kennt man ihn eigentlich nicht: Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic (Mitte) bejubelt ausgelassen mit seinen Spielern den entscheidenden Treffer zum 3:1-Erfolg über Hannover 96.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es ist mittlerweile ja nicht mehr das Überraschendste, dass der SSV Jahn seine Spiele in der 2. Liga für sich entscheidet. Es ist das Wie, das immer wieder beeindruckt. Wunderbar zu beobachten am 3:1-Erfolg am Sonntag im Jahnstadion Regensburg gegen Hannover 96.

Das ist kein stures Anlaufen gegen den Ball mehr, als nach dem Ballgewinn der lange Huf mit den besten Grüßen an den Angreifer folgte. Die Jahn-Elf läuft mehr als der Gegner, gewinnt mehr Zweikämpfe und sprüht dabei vor Spielfreude, kreiert Möglichkeiten am laufenden Band. Dabei verlangt Trainer Mersad Selimbegovic keine am Reißbrett entworfenen Spielzüge aus der Guardiola-Schule, er bedient vielmehr das kleine Einmaleins des gepflegten Kreisliga-Kicks: Hinterlaufen, Laufwege kreuzen, Doppelpässe (zu sehen in Halbzeit eins), Fehler des Mitspielers im Kollektiv ausbügeln und leidenschaftlich verteidigen (zu sehen in Halbzeit zwei). Das ist gewiss nicht die große Fußball-Revolution, aber mit der Konsequenz und Intensität, wie die Jahn-Elf diese einfachsten Stilmittel umsetzt, ist unter dem Strich eben sehr erfolgreich – auch in der 2. Liga.

Sarpreet Singh trifft zum 1:0

Das musste auch Hannover 96 am Sonntag neidlos anerkennen. In den ersten 45 Minuten fegte ein Oberpfälzer Orkan über die Niedersachsen hinweg, die mit dem 0:2 zur Pause noch gut bedient waren. Wie das zumeist bei formstarken Teams der Fall ist, reicht die erste gelungene Aktion im Spiel, um das reichlich vorhandene Selbstvertrauen einer Mannschaft auch auf dem Rasen sichtbar werden zu lassen. Das 1:0 durch Bayern-Leihgabe Sarpreet Singh nach einem simplen Doppelpass mit folgender Körpertäuschung war so ein Moment. "Nach dem 1:0 haben wir das Zepter in die Hand genommen", lobte auch Selimbegovic.

Danach flutschte das Jahn-Offensivspiel und die Gäste stürzten von einer Verlegenheit in die nächste. Das 2:0 durch Carlo Boukhalfa nach einem Hannoveraner Querschläger grenzte an Slapstick und beflügelte die Gastgeber weiter. Wenn es einen Kritikpunkt gab, dann die mangelnde Chancenverwertung: Boukhalfas frecher Distanzschuss von der Mittellinie über den zu weit vor dem Tor stehenden Gästekeeper Martin Hansen rauschte knapp am Pfosten vorbei, Erik Wekesser ließ eine Doppelchance liegen und Charalambos Makridis scheiterte an Hansen.

Ex-Nürnberger Sebastian Kerk mit dem Anschlusstreffer

So berauscht kann es aber nicht über 90 Minuten gehen. 96-Trainer Jan Zimmermann korrigierte zudem seine Formation mit vier personellen Wechseln zum Wiederbeginn. Allen voran der Ex-Nürnberger Sebastian Kerk erwies sich hier als belebendes Element. Seine Standards sorgten immer wieder für Gefahr (Selimbegovic: "Die sind eine Waffe"): Sein direkter Freistoß fiel zum Anschlusstreffer ins lange Eck, sein Eckball klatschte an den Innenpfosten. Doch eine stabile Mannschaft, wie es der Jahn in dieser Spielzeit ist, bleibt sich auch in Drucksituationen des Gegners treu. "Wenn wir früher unsere Tore machen, wird es später weniger spannend", befand Selimbegovic.

Und eine Spitzenmannschaft, wie es der Jahn in dieser Saison zu sein scheint, schlägt dann trotzdem zu und sorgt für den Dreier. So geschehen nach einem Konter durch den niederländischen Joker Joel Zwarts, dessen 3:1 sogar den ansonsten stocknüchternen Selimbegovic zu einem Gefühlsausbruch hinriss. "Es ist in der 2. Liga immer schwierig zu punkten. Momentan aber wissen die Gegner, dass es auch gegen uns noch einen Tick schwieriger ist." So formuliert man es als Jahn-Trainer, dass das eigene Team derzeit völlig berechtigt auf Tabellenplatz zwei rangiert.

Jahn-Keeper Alexander Meyer spricht im Interview über den Höhenflug der Regensburger

Regensburg
Statistik:

SSV Jahn Regensburg – Hannover 96 3:1 (2:0)

  • SSV Jahn: Meyer - Saller, Elvedi, Breitkreutz, Wekesser - Singh (74. Faber), Besuschkow (90.+1 Nachreiner), Boukhalfa (74. Zwarts), Beste (90.+1 Guwara) - Makridis (65. Gimber), Albers
  • Hannover: Hansen - Hult, Trybull (37. Beier), Frantz (46. Stolze), Maina (46. Kaiser), Hinterseer, Muroya (85. Weydandt), Franke, Bella Ondoua, Börner, Muslija (46. Kerk)
  • Tore: 1:0 (16.) Singh, 2:0 (22.) Boukhalfa, 2:1 (54.) Kerk, 3:1 (90.+2) Zwarts - SR: Sven Waschitzki (Essen) - Zuschauer: 8462

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.