29.05.2020 - 20:59 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn wuchert auch in Osnabrück mit Chancen und Punkten

Das hat schon fast System beim SSV Jahn: eine überlegene Führung in drei Minuten abschenken. Wie im Hinspiel verspielt Regensburg ein 2:0 gegen Osnabrück. Vor Alvarez‘ Doppelschlag (67./70.) vergibt Wekesser freistehend das mögliche 3:0.

Osnabrücks Marcos Alvarez (Mitte) erzielt das 2:2 und dreht das Spiel im Alleingang,
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Von gefühlten Gewinnern und Verlierern

Regensburg

Das 3:3-Hinspielergebnis war so schmerzhaft, wie Nürnbergs Ausgleichstreffer in der 94. Minute: Gegen den VfL Osnabrück führte der SSV Jahn sogar mit 3:1. Gelingt Regensburg heute Abend endlich der Befreiungsschlag? Von wegen.

Es ist nicht das erste Spiel, das so läuft: Schon in der Hinrunde bestrafte sich der SSV mehrfach nach Führungen, verspielt in wenigen Minuten einen komfortablen Vorsprung. Um so bitterer: Nach dem 2:2-Ausgleich der Nürnberger in letzter Sekunde, wiederholt sich das Muster beim VfL Osnabrück noch drastischer. Eine Stunde lang haben die Niedersachsen – außer dem von Tim Knipping geschenkten Elfer, ein Foul, nachdem Meyer den Ball bereits in Händen hielt – kaum eine nennenswerte Gelegenheit.

Hatte Alvarez keiner auf dem Zettel

Dann kommt in Hälfte 2 Marcos Alvarez und knipst innerhalb von drei Minuten die schöne 2:0-Führung aus. Scheinbar hatte keiner auf dem Zettel, dass der Deutsch-Spanier bereits 11 Tore auf dem Konto hat. Ist das das Ergebnis der gründlichen Vorbereitung, von der alle immer sprechen? Eine Stunde lang dominiert Regensburg, führt früh durch Sebastian Stolze (8.) mit 1:0, erhöht durch Max Besuschkows Elfer auf 2:0 (37.). Hat sogar das psychologische Momentum auf seiner Seite, als Meyer Cesesays Strafstoß abwehrt. Und dann?

Bis zum verhängnisvollen Anschlusstreffer hätte Regensburg die Osnabrücker abschießen können: Konter um Konter liefen aufs Tor der Niedersachsen, die Oberpfälzer wuchern mit ihren Chancen. Und dann reicht der Rückschlag zum 1:2, um die Gäste aus dem Konzept zu bringen. Alles, was die Weißen bis dato richtig machten, giftiges, frühes Anrennen, aggressives Pressing – alles vergessen. Plötzlich Ballverlust im Mittelfeld, kein Nachrennen, Lücken in der Kette und Alvarez nimmt’s mit Kusshand: 2:2, das Zittern geht mit 36 Punkten weiter. Am kommenden Samstag gegen Darmstadt (5./43) wird’s nicht leichter, die ersten drei Post-Corona-Punkte einzufahren.

Wie nicht anders zu erwarten, erwartete Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic vor dem Spiel eine schwere Aufgabe gegen einen variablen VfL: Dieser hat am Dienstag in Fürth seit längerem wieder einmal gewonnen, der Trainer spekuliert deshalb darauf, dass die Niedersachsen „mutiger und selbstbewusster“ auftreten. Ohnehin sei Osnabrück „sehr unangenehm, beweglich, aggressiv, sehr kreativ mit schnellen Spielern“. Die Mannschaft habe einen klaren Plan, könne variabel agieren. „Sie spielen einen mutigen und sehr interessanten Fußball.“

Dennoch geht der SSV-Coach nach den vergangenen drei Auftritten mit einem guten Gefühl an den Start“ „Die Haltung war überragend, in allen drei Spielen gab es positive Aspekte“, findet Selimbegovic. Gegen Kiel sei es die Mentalität, in Sandhausen die Disziplin und gegen Nürnberg auch das spielerische Momentum gewesen, das ihn überzeugt habe. Offen ist, ob auch in Osnabrück Kapitän Marco Grüttner zunächst auf der Bank Platz nehmen muss: „Ich habe mich richtig darüber gefreut, wie es Marco aufgenommen hat, wie er es vor, während und nach dem Spiel gemacht hat.“ Nämlich als wahrer Kapitän, der auch auf der Bank nicht grummelt.

Besuschkows Kaiserpass zur Führung

Selimbegovic tauscht munter durch: Eigentorschütze Tim Knipping darf für Nachreiner starten, Bene Gimber muss Abwehrchef Correia ersetzen. Andi Geipl läuft als Kapitän auf. Erste Ecke für die Gastgeber, nachdem Gimber auf Nummer Sicher geht (1.). Auf der anderen Seite bleibt Okorojis weiter Einwurf ohne Folgen (4.). Freistoß von der anderen Seite, zunächst kurz ausgeführt, Flanke auf Tim Knipping, dessen Bogenlampe senkt sich auf die Latte, nächste Ecke führt zum Konter – gerade mal so abgefangen (6.).

Starker langer Ball von Max Besuschkow nach rechts außen auf Saller, der bringt den Ball nach innen, ein Osnabrücker schlägt drüber, Stolze steht bereit und netzt ein, 0:1 (8.). Der VfL müht sich, aber derzeit macht Regensburg dicht, noch kein Durchkommen bis jetzt (15.). stattdessen starker Konter wieder über rechts, gerade noch vor Albers zur Ecke abgeräumt: Kühn faustet Okorojis harte Flanke raus (18.). Mal von links: Gimber tankt sich durch, Okoroji an das Außennetz (22.). Und Besuschkow versucht’s aus 20 Metern, da fehlt nicht viel (23.).

Regensburgs Sebastian Stolze (2.v.r) jubelt mit Max Besuschkow (r) über seinen Treffer zum 1:0.

Zwei Elfer: Jahn Trifft, VfL verschießt

Größte Chance für Violett: Aus kürzester Distanz aber spitzem Winkel zur ecke abgewehrt (27.). Andi Geipl zieht im Luftduell den Kürzeren, muss behandelt werden (30.). Albers holt an der rechten Straftraumkante den Freistoß: Okorojis Knaller bleibt in der Mauer hängen (33.). Videobeweis: Der Arm ging raus, es gibt Elfer für den Jahn: Max Besuschkow verlädt Kühn, 0:2 (36.). Jetzt der Elfer auf der anderen Seite, weil Knipping foult, als der Ball schon weg ist. Riesenglück, Meyer hält das 2:0 gegen Cesesays Schuss fest (40.).

Nächste Ecke für den Jahn, gerade noch geklärt, und anschließend boxt Kühn das Ding raus (43.). Taffertshofer sieht nach einem unglücklichen Zusammenstoß mit Meyer aus wie aus einem Horror-Film – blutüberströmtes Gesicht (45.). 2:0 zur Pause wie im Hinspiel, ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic hatte beim 3:3 im Hinspiel nach 3:1-Führung einiges mit seinen Jungs auseinanderzustezen.

Wekesser mit der 111-Prozentigen

Für den unauffälligen Makridis kommt Erik Wekesser beim Jahn. Für den VfL läuft Marcos Alvarez für Wolze auf. Spielerisch beginnt die zweite Hälfte mit Sallers weitem Einwurf, der für Verwirrung im Osnabrücker Strafraum sorgt (47.). Gefährliche Hereingabe von George, Kühn löffelt das Ding über die Latte (50.). Am Fünfer knallt der Abwehrspieler den Ball in den Himmel zur nächsten Ecke – über Umwege zum Freistoß von links außen: Besuschkows Hartball bleibt hängen (52.).

Die 111-prozentige Chance zum 3:0, erst Georges kongenialer Pass etwas zu weit für Albers, der sich den Ball dennoch erschleicht, dann verstolpert Wekesser, dazu ein Abseitspfiff (53.). Auf der anderen Seite wenigstens Mal ein Abschluss von Ouahim, deutlich vorbei (54.). Das glaubt man nicht: Wekesser völlig frei vor Kühn am Pfosten vorbei (59.). Der Jahn jetzt fahrlässig mit den Chancen, George im Strafraum, wenigstens die Ecke muss er holen (62.). Pustekuchen.

Alavarez braucht drei Minuten

Saller mit dem sturen Solo, bis er endlich festgezurrt ist – warum spielt er nicht ab (63.)? Da ist die Quittung: die erste Chance der Gastgeber in Hälfte 2, durchgespielt auf Alvarez, unten links, 1:2 (67.). Wie leichtfertig kann man sein? Der Jahn beherrscht das Spiel eine Stunde lang – und lässt sich in drei Minuten von Alvarez abkochen: Ballverlust im Mittelfeld, Pass nach links, Alvarez knipst, 2:2 (70.).

Saller steigt hart ein, Aufregung bei den Gastgebern, Gelb für Alvarez und Saller (73.). Wechsel beim Jahn, hoffentlich besser als beim Spiel gegen Nürnberg: Marco Grüttner und Julian Derstroff für George und Albers (74.). Und die nächste Riesenchance für Stolze, die Hereingabe auf den Fünfer ein Schlenker zu viel, Ecke (76.). Und noch einmal Stolze im 16er, Ball ins Seitenaus (77.). Beim VfL kommt Stürmer Marc Heider, die wollen das Spiel noch dreh’n.

Zum Schluss zittert der Jahn

Jetzt setzt sich langsam, aber sicher der VfL in der Jahn-Hälfte fest, Freistoß Alvarez aus 40 Metern, zu weit für Haider (82.). Noch ein Wechsel, Marc Lais kommt für Stolze (83.). Wie viele Chancen braucht der Jahn? Grüttner kann sich im 16er nicht durchsetzen, immerhin Ecke, ohne Resultat (85.). Einladung zur Niederlage: Sebastian Klaas darf marschieren und abschließen, knapp vorbei (87.).

Beide spielen Harakiri, Trapp in letzter Sekunde zur Ecke – die’s nicht gibt (88.). Knipping drischt den Ball blind nach vorne, obwohl im Mittelfeld einige Mitspieler positioniert sind (90.). Krachendes Foul von Trapp, Dunkelgelb (92.). Der SSV schenkt dem VfL noch einmal eine schöne Freistoßsituation, Alvarez auf den langen Pfosten, Direktabnahme knapp vorbei (94.). Aus.

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