29.01.2021 - 13:44 Uhr
SchirmitzSport

"Gestern/Heute": Susanne Aures-Kreutzmeier - das Wurftalent mit vielen Talenten

Raus in die Welt, um große Ziele zu verfolgen - Susanne Aures-Kreutzmeier, die bei der DJK und dem TB Weiden begann, hat so nie gedacht. Sie hat sich in der Heimat zu einer der besten Speerwerferinnen Deutschlands entwickelt.

Susanne Aures-Kreutzmeier Anfang der 2000er Jahre bei einem Länderkampf für die deutsche DJK-Auswahl.
von Josef Maier Kontakt Profil

Dieser Meistertitel kam, wie der Speer, aus heiterem Himmel. Er war ganz und gar nicht geplant. "Ich war damals Kampfrichterin bei den Kreismeisterschaften", erinnert sich Susanne Aures-Kreutzmeier amüsiert. "Und da dachte ich mir, wenn ich das mache, dann will ich auch mitwerfen."

Die Speerwurf-Karriere der heute 45-Jährigen lag da schon einige Zeit zurück. Der Speer stand eigentlich im Schuppen in der Ecke und verstaubte ein bisschen. Aber manche Dinge verlernt man nie. Bestes Beispiel: Die Kreismeisterschaften an diesem 4. Juli 2015 in Amberg. Wie weit ging der Wurf? "Oh Gott", überlegt sie. "Das weiß ich wirklich nicht mehr." Doch in den Tiefen des Internets findet sich noch der "Meisterwurf" der damals 40-Jährigen - 36,43 Meter.

In Klasse zwei über 40 Meter

Wurftalent hatte Aures schon immer. Das kleine Mädel schleuderte den Ball in der zweiten Klasse schon über 40 Meter weit. Das gab mächtig Punkte für eine Ehrenurkunde und machte Eindruck. Schon da deutete sich an, dass die gebürtige Weidenerin vielleicht einmal zu den besten Speerwerferinnen Deutschlands gehören könnte. Was ihr später auch gelang. "1996 war dabei mein bestes Jahr", erinnert sich Aures, die mit ihrer Familie in Schirmitz lebt. Bei den deutschen Meisterschaften in Köln wurde sie, die aus dem Mehrkampf kam, mit 53,92 Metern Achte.

Nach Leverkusen oder Halle?

Es war ein Alter und eine Zeit, in der sich vieles entscheidet, was die Zukunft betrifft. Aures war damals Anfang 20. "Für die große Karriere hätte ich wohl nach dem Abitur nach Leverkusen oder Halle wechseln müssen", sagt sie. "Aber ich bin ein heimatverbundener Mensch. Ich wollte von hier nicht weg." Was nicht heißt, dass die Weidenerin nicht weiter an ihrem sportlichen Talent gefeilt hätte. "Aber es war jetzt auch nicht so, dass ich mein ganzes Leben nach dem Sport ausgerichtet habe." In Bayreuth studierte sie Lehramt für Hauptschulen und verfeinerte nebenbei ihre Wurftechnik. In Bayern sollte sie im Speerwurf über Jahre die Beste sein, holte dort insgesamt sieben Meisterschaften.

Pendeln nach Thüringen

Nach der Wende 1989 hatte ihr Vater Gerd Aures, eine Leichtathletik-Instanz in Weiden, Kontakt mit der Werferschule in Jena gesucht. Die Tochter trainierte danach oft bei Uwe Trinks, einem bekannten Sportler aus DDR-Zeiten. Oft pendelte sie von Bayreuth nach Thüringen. "Der Kontakt ist bis heute geblieben", erzählt die Oberpfälzerin. "Vor Corona haben wir uns, die Trainingskollegen von damals, zweimal im Jahr getroffen." Das soll nach der Pandemie wieder so sein.

Die wichtigste Bezugsperson war aber Papa Gerd. Vater und Tochter ein Trainingsteam? "Ja, das war manchmal schon schwierig", blickt sie zurück. Es knarzte und krachte schon mal. Aber der Papa, der vor zehn Jahren verstorben ist, war ihr Mentor. "Die Zeit mit ihm hat mich positiv geprägt", sagt sie dankbar. "Bis heute." Sie vermisst ihn. "Er war einfach der beste Trainer, den ich mir vorstellen konnte." Alles musste er aber auch nicht wissen, wie sie lächelnd anmerkt: "Etwa, dass ich noch auf Studentenpartys war, obwohl nächste Woche Meisterschaften anstanden." Die junge Frau lebte ihr Leben: "Ich bin auch nach Wettkämpfen schon mal im damaligen UV oder im Roxane in Hammerles aufgelaufen."

Als sie 1999 auch noch ein Achillessehnenriss längere Zeit stoppte, forcierte sie ihr Lehramtsstudium. Seit 2002 ist sie im Schuldienst. Derzeit als mobile Reserve an den Weidener Schulen Pestalozzi und Max Reger. "Ich würde im Rückblick nichts anders machen", sagt sie heute. "Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist."

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"Mein Paul braucht einen Ball"

Natürlich ist der Sport weiter ein großes Thema in ihrem Leben. Ihr Mann spielte früher Basketball beim TB Weiden, ist dort jetzt Abteilungsleiter. Susanne hilft mit. Auch die Kinder Jule (13) und Paul (11) spielen Basketball. "Mein Paul braucht einfach einen Ball", sagt sie auf die Frage, ob ihre Kinder nicht das Speerwurf-Gen der Mama geerbt hätten. Sie selbst hatte im vergangenen Sommer das letzte Mal einen Speer in der Hand. "Ich habe mit Lea Kreuzer von der DJK Weiden ein bisschen trainiert. Lea hat wirklich Talent", sagt die erfahrene Athletin. Ansonsten steht das Wurfgerät im Schuppen. Ein paar Bambusspeere hat sie sich für ihre Schüler besorgt. "Die machen das gerne", sagt Aures-Kreutzmeier, die ärgert, dass der Schulsport - schon lange vor Corona - immer weniger Gewicht hat. "Gerne würde ich viel mehr Sport unterrichten."

Entspannung findet die Schirmitzerin im Winter auch beim Skifahren. Die Familie taucht öfter zum Langlauf in Letzau oder auf der Silberhütte auf. Als Mitglied des TSV Pleystein fährt die Lehrerin, wenn es geht, auf dem Fahrenberg Ski. Und da ist es wie beim Speerwerfen. Es packt sie der Ehrgeiz. 2017 und 2019 gewannen ihre Kinder den Oberpfalzcup ihrer Altersklassen. Und die Mama? Sie holte auch beide Male den Gesamtsieg. Das Titel-Sammeln verlernt man nie.

Zur Person:

Das ist Susanne Aures-Kreutzmeier

  • Privat
    Geboren am 8. März 1975 in Weiden
    Sie wohnt mit ihrem Mann Michael Kreutzmeier und den Kindern Jule (13) und Paul (11) in Schirmitz.
  • Berufliche Karriere
    Nach Abitur am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden Studium des Lehramts für Hauptschulen in Bayreuth. Derzeit Lehrerin an der Pestalozzi- und der Max-Reger-Schule in Weiden.
  • Sportliche Karriere
    Aures begann mit Mehrkampf beim TB und der DJK Weiden. Ihr Vater Gerd war viele Jahre ihr Trainer, die Oberpfälzerin arbeitete auch mit Uwe Trinks, einem bekannten Trainer in Jena, zusammen.
  • Erfolge
    Insgesamt 7-mal Gold bei bayerischen Meisterschaften, 5-mal Silber und 4-mal Bronze (nicht nur mit dem Speer, auch im Mehrkampf und Diskuswurf).
    1996 Platz 8 im Speerwerfen bei den deutschen Meisterschaften in Köln. Bei diesem Wettkampf warfen 4 Frauen über 60 Meter: Tanja Damske, Steffi Nerius, Silke Renk, Karen Forkel. Aures warf 53,92 Meter weit.
    1999 Süddeutsche Juniorenmeisterin und Zweite bei der süddeutschen Meisterschaft der Aktiven.
    2001 Zehnte bei der „Deutschen“ in Stuttgart (48,19 Meter).
  • Nationalmannschaft
    1996 Berufung in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft.
  • Lange startete Aures für die damalige LG Domspitzmilch Regensburg.

„Ich bin auch nach Wettkämpfen schon mal im damaligen UV oder im Roxane in Hammerles aufgelaufen.“

Susanne Aures-Kreutzmeier

Susanne Aures-Kreutzmeier

 

 

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