02.09.2021 - 11:09 Uhr
SchnaittenbachSport

Dakar Classic: Mit dem "Roten Baron" durch die arabische Wüste

Die Startzusage ist in der Tasche, der Countdown läuft: Familie Ruppert aus Schnaittenbach fiebert ihrer Teilnahme an der Dakar Classic entgegen. Ende Dezember geht's los. Bis dahin muss am "Roten Baron" noch viel geschraubt werden.

Dieses Quartett will im Januar 2022 die Dakar Classic meistern: Christian und Ursula Ruppert als Fahrer und Beifahrerin (hinten) sowie Sohn Matias (vorne rechts) und Rudi Weich, die als Mechaniker an Bord sind.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Eigentlich hatten sich Christian und Ursula Ruppert bereits auf ihr Fahrzeug festgelegt. Ein gebrauchter, geländeerprobter Mitsubishi Pajero sollte es sein, mit dem sie im Januar 2022 die Dakar Classic in Saudi-Arabien in Angriff nehmen wollten. Der Offroader stand bereits in der Werkstatt, als ein Sinneswandel einsetzte. Urplötzlich stand ein Fahrzeugaustausch im Raum.

Mehr Bewerber als 2021

"Wir haben mitbekommen, dass es, anders als 2021, diesmal weitaus mehr Bewerber als Startplätze gibt", sagt Christian Ruppert. War das Interesse bei der Premiere der Dakar Classic mit 38 Teilnehmern noch überschaubar, so schnellte die Zahl möglicher Kandidaten für das Rennen 2022 nun auf 140 hoch – und dies bei nur 90 Startplätzen. "Pajeros gibt es ja in diesem Metier sehr viele. Wir wären vermutlich der 47. oder 48. Pajero im Anmeldefeld gewesen", meint Ruppert. "Die Chance, eine Zusage zu erhalten, wäre damit entsprechend niedrig gewesen."

Aus der Not machten die Rupperts eine Tugend: Kurzerhand wurde das Fahrzeug gewechselt, der neue Wegbegleiter ist kein Mitsubishi mehr, sondern ein Mercedes. "Wir sind in der Nähe von Oberhof fündig geworden und haben eine G-Klasse erstanden", informiert Ruppert. Die Eckdaten: GE 280, Baujahr 1980, Basisleistung 156 PS, Farbe rot. Und das Schöne dabei: Der Wagen war bereits bei der Rallye Dakar 1981 am Start. "Deutsches Team, deutsches Auto, das passt", schmunzelt Ruppert, auch wenn er von anfänglichen Zweifeln berichtet: "Wir haben viel diskutiert, ob die Motorisierung für unsere Zwecke in der arabischen Wüste reicht."

"Zieht wie ein Büffel"

Die Bedenken sind aber mittlerweile ausgeräumt. Seine Bewährungsprobe hat der Mercedes bei einem 12-Stunden-Rennen in Polen bestanden, wo in der Rookie-Wertung Platz zwei heraussprang. "Wir haben die Leistung getunt. Er hat nun 180 PS und zieht wie ein Büffel", freut sich der 58-Jährige. "Meine Frau und ich sind mit ihm jetzt dicke Freunde." Und einen Namen hat der dicke Brummer auch schon. "Er heißt Roter Baron. Wegen der Farbe", lacht Ruppert.

Die Autofarbe wird letztlich aber nicht über das Fortkommen bei der Wüstenrallye entscheiden. Viel wichtiger ist es, den Wagen technisch so hinzubekommen, dass er sich zuverlässig durch Sand, Steine und Geröll kämpfen kann. Egal ob Kupplung, Antriebswellen, Stoßdämpfer oder Sitze – seit Anfang Mai wurde deshalb beinahe unablässig geschraubt und gebohrt. Regelmäßig gingen dabei ganze Wochenenden drauf. "Wir haben teilweise in der Werkstatt geschlafen, um am Morgen sofort weiterarbeiten zu können."

Los geht's im Dezember

Mit "Wir" meint der ehemalige Motocross-Fahrer nicht nur seine Gattin Ursula, sondern auch die weiteren Teammitglieder. Als Mechaniker ist mit Rudi Weich ein langjähriger Bekannter ins Team eingestiegen, und auch Sohn Matias Ruppert bringt profunde Kenntnisse als gelernter Zweiradmechatroniker ein. Dieses Quartett wird auch am 26. oder 27. Dezember gemeinsam nach Saudi-Arabien fliegen, um die Herausforderung Dakar Classic anzunehmen. Der "Rote Baron" selbst wird bereits Anfang Dezember mitsamt dem Servicefahrzeug, ein Ford Transit, in Richtung arabische Halbinsel verschifft. Vom 2. bis 14. Januar warten dann mit Start in Ha'il bis zu 500 Kilometer lange Tagesetappen und insgesamt 9000 staubige Kilometer bis zum Ziel in Jeddah.

"Es gibt Tage, an denen wir so richtig auf dieses Abenteuer hinfiebern", schildert Ruppert seine Vorfreude. "Aber manchmal", so gibt er zu, "bekommen wir auch Fracksausen, ob wir uns da als reines Amateurteam und Familienunternehmen nicht zu viel zumuten." Zumindest der Unterstützung von Freunden und Bekannten, aber auch von Sponsoren können sie sich sicher sein. "Wir haben unglaublich viel positive Resonanz erhalten. Jeder findet es toll, was wir vorhaben", sagt Ruppert. "Das alleine schon ist die gesamte Anstrengung wert."

Ehepaar Ruppert will in der Wüste Gas geben

Schnaittenbach

Rallye Dakar in Saudi-Arabien

Hintergrund:

Dakar Classic im Überblick

  • Die Dakar Classic findet im Januar 2022 zum zweiten Mal im Rahmen der
    Rallye Dakar statt.
  • Nur Fahrzeuge, die bereits an der Rallye
    Paris Dakar teilgenommen und ein Baujahr
    vor 2000 haben, können teilnehmen.
  • 12 Etappen von jeweils 300 bis 500 Kilometer
  • Die Route verläuft parallel zu der „normalen“
    Dakar, berücksichtigt jedoch die Leistung
    und technischen Eigenschaften der älteren
    Fahrzeuge.
  • Navigation und Beständigkeit stehen im
    Vordergrund. Die Teams fahren nicht auf
    Schnelligkeit, sondern versuchen in einem
    vorgegebenen Zeitrahmen zu bleiben.
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