09.03.2021 - 10:49 Uhr
St. Ötzen bei FlossenbürgSport

Erics Winter: Mit Sekt und Sachertorte: Eric Frenzels Dank an Simone

Eric Frenzel ist wieder zu Hause in der Oberpfalz. Sein letztes WM-Rennen in Oberstdorf, mit Bronze dekoriert, lässt den Kombinierer aber nicht los. Dabei gab es neben der Familie noch jemanden, der ganz fest an ihn glaubte.

Eric Frenzel.

Die Experten waren sich einig. Es gäbe wohl im letzten Wettbewerb der Kombinierer keine Medaille für das deutsche Team im Teamsprint, zu schlecht die Sprünge von der Schanze, zu groß die Abstände auf die führenden Nationen. Journalisten und Funktionäre haben auf uns nicht mehr gesetzt, bis auf eine Anhängerin namens Simone , der von Anfang an klar war, dass wir die Bronzemedaille gewinnen.

Das Rennen begann und es war klar, dass es nicht leicht werden würde; signifikante Zeitabstände im Teamsprint zu eliminieren, ist schwer. Die Österreicher hatten einen ordentlichen Vorsprung, die Norweger hatten starke Läufer, die Japaner hatten meinen Freund Akito Watabe und wir, wir hatten Simone, die im Moment des Starts noch schnell eine Flasche Sekt Schloss Vollrads in den Kühlschrank steckte, die sie nach dem Gewinn der Bronzemedaille leeren wollte.

Obwohl das Rennen sehr zäh begann und die Abstände trotz größter Bemühungen unsererseits nicht kleiner wurden und auch schon die engsten deutschen Funktionärskreise sich vor der Kamera damit abfanden, dass Deutschland in diesem Wettbewerb wohl keine Medaille bekommen würde, verfolgte Simone, mein treuer Fan, mit einem Stück Sachertorte das Rennen und machte in der zweiten Runde schon den Sekt auf, um im Voraus schon mal auf die kommende Bronzemedaille anzustoßen.

Wie ists bei Eric Frenzel zu Hause?

Flossenbürg

Eric Frenzel und seine WM-Vorbereitung

St. Ötzen bei Flossenbürg

Diesen Korkenknall im Hessischen, 500 Kilometer von der Wettkampfstätte entfernt , müssen wir dann doch irgendwie gehört haben. Obwohl wir die Abstände auf die Norweger und Österreicher nicht verändern konnten, waren wir aber jetzt den Japanern auf den Fersen. Im sicheren Bewusstsein, dass die Bronzemedaille kommt, diskutierte derweil Simone in Seelenruhe über die Sinnhaftigkeit von Marsexpeditionen angesichts dringend zu lösender Probleme hier auf Erden. Uunseren Loipenkampf sah sie dabei nicht als eines dieser Probleme an. In der Runde ihrer häuslichen Zuschauer war sie die Letzte, die, als auch dort sich alle der Mainstream-Meinung anschlossen, weiterhin eisern an der Prognose hinsichtlich einer Bronzemedaille festhielt. Es war der Zeitpunkt, an dem ich merkte, dass die Japaner stagnierten und wir Sekunden aufholten.

Wir arbeiteten uns langsam ran, eine Erkenntnis, die beflügelte und die Simone befriedigt zur Kenntnis nahm. In der vorletzten Runde flog Fabian Rießle an den Japaner Yamamoto heran, am Burgstall stellte er den müden Kontrahenten um das Edelmetall . Eine Situation, die in den ersten Skeptikerköpfen die Möglichkeit wieder zuließ, dass doch noch Bronze geholt werden könnte, während Simone lakonisch kommentierte : „ Hab ich doch gesagt!“ Zeitgleich übergab Fabian an mich wie Yamamoto an Watabe .Als ich mich dann an Akito erstmal dranhing, sahen die meisten Zuschauer einen vom Aufholen konditionell gebeutelten Eric Frenzel , der jetzt doch wohl die Medaille loslassen müsste. Für Simone dagegen war ich als Taktikfuchs schnell durchschaut: „ Der weiß, was er macht!“

Wenn Anhängerschaft und Expertise so zusammenfallen wie bei Simone, gilt die Prognose eigentlich als sicher. Im Zieleinlauf konnte ich mich ansaugen und auf den letzten Metern meinen Freund Akito übersprinten.

Bronze, das sich wie Gold anfühlte, und auf das ich mit Simone demnächst gerne anstoßen würde.

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