Theuern bei Kümmersbruck
10.06.2025 - 14:17 Uhr
OnetzPlus

Acht verschiedene Spielerinnen im Tor: Das Keeper-Chaos des TSV Theuern

Die meisten Fußballteams kommen mit einer Torfrau durch die Saison, ab und an muss auch eine Ersatztorhüterin ran. Im Kasten des Bayernligisten TSV Theuern ging es in dieser Saison aber äußerst kurios zu.

Bei den Frauen des TSV Theuern war zu Beginn der Bayernliga-Saison eigentlich alles klar. Fünf Torhüterinnen standen dem TSV für die Mannschaften zur Verfügung. Doch bereits in der Vorbereitung folgten die ersten Rückschläge: Zwei Spielerinnen zogen sich größere Verletzungen zu. Das war aber noch nicht alles. „Im ersten oder zweiten Saisonspiel hat sich auch noch die Stammtorhüterin unserer ersten Mannschaft verletzt“, erklärt der Sportliche Leiter im Frauenfußball, Bernhard Müller, gegenüber Oberpfalz-Medien.

So wurden aus den fünf nur noch zwei. „Eine der beiden ist außerdem beruflich eingespannt und arbeitet in Schichten“, sagt Müller. Dabei sprach er von der Nummer zwei der ersten Mannschaft, Franziska Spies. Deswegen war auch ihr Einsatz keineswegs gesichert, auch wenn sie mit elf Spielen am häufigsten das Tor der Vilspanther hütete.

Zwar war die eigentliche Torfrau Amelie Schmidt zur Rückrunde wieder fit – allerdings fiel sie schnell erneut aus. „Sie hat sich in München wieder verletzt“, erzählt Trainer Simon Eisinger. Und das beim Aufwärmen vor dem Spiel. Deswegen musste spontan eine Feldspielerin aushelfen. „Anne Wagner hat sich bereit erklärt. Sie sagte, dass sie doch einen Ball fangen kann, deswegen stellt sie sich rein“, erinnert sich Eisinger. Wagner meisterte diese Aufgabe mit Bravour, sie hielt den Kasten sauber: Das Spiel gegen den SC Amicitia München endete 0:0.

Feldspielerinnen erfolgreich im Tor

Wie Anne Wagner kamen auch noch die Feldspielerinnen Anna Kreißl, Marie Karpf und Theresa Graf im Tor zum Einsatz. Keine von ihnen hatte Erfahrung zwischen den Pfosten. „Es war immer eine da, die sich für die Mannschaft reinstellen wollte“, sagt der Coach. Begeisterung löste diese Aufgabe bei den Fußballerinnen zwar nicht aus, aber es gab nie ein Problem für Eisinger, die Position zu besetzen. „Eine musste sich immer opfern“, sagt Müller mit einem Lachen.

Die Spiele der Ersatztorhüterinnen waren dabei auch von Erfolg gekrönt. Bis auf die Niederlage gegen Meister Greuther Fürth holte man immer mindestens einen Punkt. Das macht die Verantwortlichen sehr stolz. „Alle haben ihre Sache gut gemacht“, betont der Sportliche Leiter Müller. Auch Trainer Simon Eisinger lobt seine Mädels: „Die Mannschaft ist richtig zusammengewachsen, und es ist etwas Tolles entstanden.“

Acht verschiedene Torhüterinnen

Neben den bereits genannten sechs Spielerinnen, den Stamm-Torfrauen Amelie Schmidt und Franziska Spies sowie den vier Feldspielerinnen, kamen auch zwei Aushilfs-Keeperinnen zum Einsatz. Anna-Lena Bodendörfer, aus der dritten Mannschaft des Vereins, und Isabell Rokitte. Letzere ist Torwart-Trainerin der Herrenmannschaft des Landesligisten SV Schwandorf-Ettmannsdorf und eigentlich nicht mehr selbst aktive Spielerin.

In der Partie gegen den FC Forstern sprang sie dennoch ein. „Eine ehemalige Mitspielerin von mir, Sabrina Walter, spielt bei Theuern“, erzählt die 40-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Walter habe sie angerufen und erklärt, dass die Frauen aus Theuern noch keine Torhüterin für das Spiel hätten und gefragt, ob Rokitte nicht Zeit habe. „Sie hat sofort zugesagt, als wir sie gefragt haben“, betont Müller.

Teamgeist an erster Stelle

Für Rokitte war der Einsatz nach längerer Zeit ohne Spielpraxis „schon etwas anderes“. Dennoch gab es keine Abstimmungsprobleme mit der Abwehr. „Die Mädels haben alle viel Erfahrung, da lief alles gut“, erzählt die Torfrau. Das Spiel ging am Ende 1:1 aus. Die Woche darauf war erneut Not an der Frau und Rokitte noch einmal gefragt. „Das Spiel war in Bad Aibling, sehr weit weg von meinem Wohnort. Weil ich zwei kleine Kinder zu Hause habe, konnte ich leider nicht einspringen“, erzählt sie. Von der Leistung des TSV zeigt sie sich trotz Torwart-Chaos beeindruckt: „Sie haben die Situation gut gemeistert und sind als Truppe zusammengewachsen und eine richtige Einheit geworden.“

Eisinger kann Rokitte nur zustimmen. „Der Teamgeist in der Mannschaft ist sehr groß“, erklärt der 40-Jährige. Dennoch haben sich die Ausfälle letztendlich in den Ergebnissen niedergeschlagen: „Die Ausfälle haben uns die Rückrunde gekostet“, analysiert der Trainer. Aber sie würden trotzdem nicht dem gerecht werden, was in der Mannschaft entstanden sei. Das Fazit von Bernhard Müller fällt ähnlich aus. „Wir mussten oft improvisieren. Aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht“, sagt er. Der TSV Theuern landete am Saisonende auf dem 7. Tabellenplatz und schloss die turbulente Spielzeit mit acht verschiedenen Torhüterinnen im Mittelfeld ab.

Theuern bei Kümmersbruck05.06.2025
OnetzPlus
Ensdorf06.07.2020
Hintergrund:

Die Saison des TSV Theuern

  • 8 Torhüterinnen in 22 Spielen
  • Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz erreicht (Platz 7)
  • Serie von 11 Spielen ohne Niederlage
  • Bilanz: 5 Siege, 9 Unentschieden, 8 Niederlagen
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.