18.08.2019 - 19:56 Uhr
MünchenSport

Transfer-Doppelpack in der Nachspielzeit

Coutinho hier, Cuisance da: Das Remis zum Auftakt zwischen den Bayern und der Hertha gerät schnell zur Nebensache, da die Münchener erst nach Spielschluss in den Katakomben zur Hochform auflaufen.

Philippe Coutinho (links) bejubelt seine Tore künftig nicht mehr mit Lionel Messi, sondern mit Robert Lewandowski und Co. beim FC Bayern.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Das haben sie schon clever eingefädelt beim FC Bayern. Noch ehe am Freitagabend gleich wieder kritische Fragen nach den ersten 90 Minuten der Saison gestellt werden konnten, bestätigten die Bosse noch in den Katakomben der Allianz-Arena zwei langersehnte Transfers. So drehten sich die Interviews nach dem doch enttäuschenden 2:2 gegen die Berliner Hertha weniger um den zu geringen Ertrag nach einer drückend überlegen geführten Partie und um - wie schon in der Vorsaison - wenig inspirierte Offensivaktionen, die zumeist nur Flanken aus dem Halbfeld als Lösung gegen eine kompakte Defensive aufwiesen. Es ging auch nicht um viel zu einfache Gegentore und auch nicht um die nach wie vor vorhandene Konteranfälligkeit. Manch einer fühlte sich bereits an den Krisen-Herbst 2018 erinnert. Doch schon als Präsident Uli Hoeneß die Arena mit den Worten verließ „Herr Rummenigge wird was sagen“ war klar, dass es etwas von Gewicht zu verkünden gab. Und so bestätigte der Vorstandsboss dann auch die bereits seit kurz vor dem Premieren-Anpfiff durch das Münchener Stadion wabernden Gerüchte über eine Verpflichtung Philippe Coutinhos. „ Ich habe mit dem Präsidenten des FC Barcelona ein sehr, sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis. Das war am Ende des Tages hilfreich, Coutinho nach München zu transferieren“, sagte Rummenigge. Er selbst war „wegen der finanziellen Größenordnung“ am Mittwoch mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach Barcelona geflogen und hatte „mit dem Verein, dem Spieler sowie dessen Berater“ eine grundsätzliche Einigung erzielt.

Dem Boulevard zufolge leihen die Münchener den brasilianischen Nationalspieler für rund acht Millionen Euro zunächst für ein Jahr aus und sicherten sich im Anschluss eine Kaufoption in Höhe von 120 Millionen Euro. Erst im Januar 2018 war Coutinho für 145 Millionen Euro von Jürgen Klopps FC Liverpool zu den Katalanen gewechselt - die zweithöchste je gezahlte Ablösesumme. Im Starensemble um Lionel Messi war Coutinho allerdings nur einer unter vielen, legte sich schon mal mit den Zuschauern an, die ihn auspfiffen, und blieb hinter den Erwartungen sowie seinen Leistungen in England zurück. In München dagegen soll der 27-Jährige der Unterschiedspieler sein, der er in Liverpool und im Trikot der Selecao zumeist war. Mit seiner brillanten Technik, seiner Kreativität und Abschlussstärke steht er der Münchener Offensive gut zu Gesicht, das verdeutlichte nicht zuletzt die Darbietung gegen die Hertha. „Wir sind seit ein paar Wochen mit Coutinho in Kontakt“, sagte Salihamidzic zu seinem bisherigen Königstransfer. Interessant wird, wo Bayern-Trainer Niko Kovac mit Coutinho plant. Seine Idealposition auf der Zehnerposition existiert im Münchener 4-3-3 eigentlich nicht. Für die Flügel verfügt der Brasilianer nicht über einen Antritt à la Coman oder Gnabry. Für die „Acht“ denkt der Zauberfuß zu offensiv. Sein mitunter nicht sonderlich ausgeprägter Hang zur Defensivarbeit rückte ihn schon in Barcelona ins Zentrum der Fankritik. Während Salihamidzic dem Münchener Anhang „etwas Spektakuläres“ versprach, sagte Rummenigge nüchtern: „Der Name hat überhaupt keine Rolle gespielt, exklusiv die Qualität.“ Und da hapert es im Angriffsspiel der Bayern nicht erst seit dem Hertha-Spiel.

Michael Cuisance wechselt von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern.

Und im Hochgefühl des Coutinho-Coups erst einmal in Plauderlaune, verkündete Salihamidzic auch gleich noch den Wechsel von Michael Cuisance aus Gladbach. Der 20-jährige U-Nationalspieler Frankreichs war bei den „Fohlen“ in Ungnade gefallen, weil er nach wenig Spielzeit in der vergangenen Saison unter Neu-Trainer Marco Rose eine Stammplatzgarantie eingefordert hatte. „Das ist ein Spieler, den wir schon sehr lange beobachten. Ein großes Talent, das großes Potenzial, Mentalität, eine hervorragende Technik und einen hervorragenden linken Fuß hat", schwärmte „Brazzo“. Verwunderlich beim Transfer-Doppelpack: Weder Coutinhos noch Cuisances Zugang war zum Zeitpunkt der Verkündung fix. Während Gladbach am Samstag und die Bayern dann am Sonntag den Transfer offiziell bestätigten, fehlten bei Coutinho noch Details. „Der Spieler wird spätestens am Sonntag nach München kommen, den Medizincheck absolvieren und seinen Vertrag unterzeichnen“, hatte Rummenigge am Freitag gesagt. Am Sonntag kam der Brasilianer dann per Privatjet nach München, um den Transfer perfekt zu machen. Eine Verkündung ohne Medizincheck und Unterschrift? Bei aller Einigkeit der Parteien ein höchst ungewöhnliches Vorgehen. Da war der Drang, kritische Stimmen nach dem Auftaktspiel schnell verstummen und Diskussionen um Personal und Taktik gar nicht erst aufkommen zu lassen, größer, als bis zur Finalisierung der Wechsel zu warten. Mit Erfolg: Wie das Spiel gegen die Hertha ausgegangen war, interessierte beim Verlassen der Allianz-Arena bereits ohnehin niemanden mehr.

Hintergrund:

Renato Sanches will die Bayern verlassen

Kaum war die Begegnung des FC Bayern gegen die Hertha (2:2) abgepfiffen, sauste Renato Sanches ab in die Kabine und kurze Zeit später bereits aus der Allianz-Arena. Da waren noch nicht einmal alle Mitspieler zurück in der Kabine. Ungewöhnlich machte er bei den Pressevertretern Halt und seinem Ärger über den 5-Minuten-Einsatz zum Saisonauftakt Luft: „Die Situation ist nicht gut für mich, weil es zum zweiten Mal in Folge dasselbe ist bei mir. Ich habe den Klub gebeten, zu einem anderen Verein wechseln zu dürfen, doch sie lassen mich nicht. Fünf Minuten wie heute – das ist nicht genug für mich“, schimpfte der Portugiese und hauchte auf die Nachfrage eines Journalisten, ob er die Bayern noch verlassen wolle, ein leises „Yes“, ehe er in die Münchener Nacht entschwand.

Karl-Heinz Rummenigge konterte diese Aussagen noch am selben Abend („Wir werden ihn nicht verkaufen, das geht nicht. Er tut gut daran, Ruhe zu geben.“) und Trainer Niko Kovac verdonnerte den 21-Jährigen nach „Bild“-Informationen am Samstag zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro. Auch Joshua Kimmich soll – laut „Bild – am Tag nach dem 2:2 gegen die Hertha die zu späten Auswechslungen Kovac‘ kritisiert haben. Der Kroate hatte erst in der 85. Minute Sanches für Thomas Müller und eine Minute später Alphonso Davies für Serge Gnabry gebracht. Experten werteten dies als Zeichen des Trainers, über nicht genügend qualitativ ansprechende Alternativen zu verfügen. Mit dem Transfer-Triple binnen einer Woche – Perisic, Cuisance und Coutinho – scheinen auch die Bayern-Bosse dieser Ansicht gewesen zu sein.

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