24.11.2021 - 15:31 Uhr
VohenstraußSport

Von der Oberpfalz ins Breisgau: Martin Kurzka der Experte fürs Marketing beim SC Freiburg

Welcher Bundesligist ist ihnen sympathisch? Bei solchen Umfragen liegt der SC Freiburg stets weit vorne. Viele Fans schätzen die Bodenständigkeit der Breisgauer. Da passt es gut, dass der Mann fürs Marketing aus einer ähnlichen Ecke stammt.

Über ein besonderes Geschenk freute sich Martin Kurzka anlässlich seines 50. Geburtstages vor drei Jahren. Der damalige Präsident des SC Freiburg und spätere DFB-Präsident Fritz Keller überreichte an ihn ein Freiburger Trikot.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Böhmischbruck ist ein Ortsteil von Vohenstrauß, wenige hundert Einwohner groß, einen richtigen Fußballplatz gibt es nicht. Wer um Punkte kicken will, muss ein paar Kilometer weiter fahren, zur SpVgg Vohenstrauß oder zur SpVgg Moosbach. "Natürlich habe ich als Kind mit Freunden oft Fußball gespielt", erzählt Martin Kurzka. Eine Leidenschaft, die ihn auch heute noch begleitet. In der Welt des 53-Jährigen aus Böhmischbruck dreht sich fast alles ums runde Leder.

Martin Kurzka ist seit langem fest verwurzelt im Profifußballgeschäft, quasi mittendrin in der Bundesliga. Nicht als Trainer oder Funktionär, sondern dort, wo das Geld fließt, Sponsoren gewonnen, neue Einnahmequellen erschlossen werden. "Trikotwerbung, Bandenwerbung, Stadionmagazin, Online-Auftritt, Social Media", zählt Kurzka sein Aufgabenfeld auf. "Die Liste ist nicht vollständig. Wir kümmern uns beim SC Freiburg um alles, was Sponsoring und Partnerschaften betrifft."

Mit "Wir" meint Kurzka seinen Arbeitgeber. Seit 2009 ist er bei Infront Sports & Media, dem führenden Sportmarketing-Unternehmen in Europa, angestellt und leitet seitdem das "Team SC Freiburg". Ein Glücksfall, wie er sagt: "Es macht wahnsinnig viel Spaß, in Freiburg und bei diesem Verein zu arbeiten." Die Leute hier, so seine Erfahrung, seien "keine Lautsprecher", sondern "machen ihren Job, und den machen sie gut." Für Kurzka bietet sich ein Vergleich mit der Oberpfalz an: "In Südbaden haben sie eine ähnliche Mentalität. Man nimmt sich zurück und muss nicht Erfolge vor sich hertragen, auch wenn man sie vorzuzeigen hätte."

Ähnlich denkt Uli Hoeneß. Der (ehemalige) Bayern-Macher hat erst kürzlich in einem Interview eine Liebeserklärung an den Sportclub geschickt. "Ich liebe diesen Verein, weil die alles so toll machen. Emotional, bescheiden und mit harter Arbeit", lautete das überschwängliche Lob. Dabei gab Hoeneß auch zu, dass der FC Bayern in der Vergangenheit mit einer Verpflichtung von Christian Streich geliebäugelt habe. Eine Überlegung, die Kurzka nachvollziehen kann: "Christian Streich ist glaubwürdig und authentisch, rundum eine tolle Persönlichkeit als Trainer und als Mensch."

In die Champions-League?

Der sportliche Höhenflug in der laufenden Bundesligasaison hat die Freiburger zuletzt bis auf Platz drei katapultiert. Ob der Weg nun in die Champions-League führt, will Kurzka nicht beurteilen: "Da soll lieber jemand anderes eine Prognose abgeben. Jemand, der für den sportlichen Bereich zuständig ist." Was er aber ausschließt, sind Selbstzufriedenheit und Übermut: "Die Denke hier geht nicht in erster Linie in Richtung europäischer Wettbewerb. Man scrollt eher die Tabelle runter und schaut nach, wie groß der Abstand zu den Abstiegsplätzen ist."

Mit dem badischen Understatement könnte aber bald Schluss sein. Der 26 500 Mitglieder starke Verein hat sich mit dem Umzug in das Europa-Park-Stadion den Traum von einer neuen Spielstätte erfüllt. Fassungsvermögen 35000 Zuschauer, Baukosten 76 Millionen Euro – so lauten die wichtigsten Eckdaten. Endlich ist der Ärger mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kein Thema mehr. "Im alten Dreisamstadion war der Platz 3,5 Meter zu kurz und hatte eine spürbares Gefälle", berichtet Kurzka. "Da gab es über Jahre hinweg eine Ausnahmegenehmigung. Die hätte nicht ewig gegolten. Schon alleine deshalb war der Stadionbau notwendig."

Mit Partnern im Gespräch

Was für Kurzka wichtig ist: Mit der neuen Arena ergeben sich in Sachen Vermarktung völlig neue Möglichkeiten. "Der SC Freiburg ist, was das Stadion betrifft, lange Zeit der Konkurrenz hinterhergehinkt. Andere haben bereits zur WM 2006 ihre Stadien neu gebaut oder auf einen modernen Stand gebracht", sagt Kurzka. Der Wettbewerbsnachteil bei der Infrastruktur sei nun Vergangenheit. "Wir haben jetzt 2000 VIP-Plätze. Das sind doppelt so viele wie vorher", nennt der 53-Jährige eine der vielen positiven Veränderungen. Mit den Partnern des SC Freiburg im Gespräch bleiben, Beziehungen zu vertiefen, Kontakte zu pflegen, dies alles ist Teil des Geschäfts: "Das gehört im Marketing dazu." Bei Heimspielen sind Kurzka und sein Marketing-Stab deshalb selbstverständlich vor Ort. "Das ist ein Hauptarbeitstag. Dann geht es nicht um die Akquise von Sponsoren, sondern um deren Betreuung. Und die ist mindestens genauso wichtig."

Das Netzwerk-Denken hat Kurzka tief verinnerlicht. Seine ersten Berufsjahre verbrachte der Nordoberpfälzer nach einer klassischen Hotelausbildung im Übernachtungsgewerbe. Bei renommierten Hotels im süddeutschen Raum kümmerte er sich um Werbung und Vertrieb. Rein zufällig erfolgte die Weichenstellung in Richtung Fußball. "Ich bin bei einer Scheckübergabe in Kontakt zu den Stuttgarter Kickers gekommen, und habe ihnen zunächst den einen oder anderen Tipp gegeben." Bei einzelnen Ratschlägen blieb es nicht. Viereinhalb Jahre war er beim damaligen Regional- und Drittligisten für Sponsoring, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und zugleich Spartenleiter bei der Oberligamannschaft der Kickers. Dann flatterte ein vielversprechendes Angebot auf den Tisch. "Infront Sports & Media wollte damals verstärkt auf dem deutschen Sportmarkt expandieren und bei mehreren Vereinen einsteigen. Mir fiel der SC Freiburg als Aufgabe zu."

Über zehn Jahre ist der gebürtige Böhmischbrucker nun im Profigeschäft, erschließt Einnahmequellen für die Freiburger und weiß mittlerweile nur zu gut um mögliche Fallstricke. Wo aber anderswo Sponsoren nach der dritten Niederlage in Folge kündigen oder über zu wenig Gegenleistungen motzen, ist das Breisgau fast schon eine Insel der Glückseligkeit. "Der SC Freiburg ist eine positiv aufgeladene Marke. Wenn es mal nicht so läuft, dann schimpfen die allermeisten Sponsoren nicht, sondern zeigen Verständnis. Das ist gelebte Gemeinsamkeit." Kurzka kann sich noch gut an den Bundesligaabstieg 2015 erinnern. "Da kam keine Weltuntergangsstimmung auf, sondern es schauten alle gemeinsam nach vorn. Ein Jahr später war der Sportclub wieder in der Bundesliga."

"Meist ein Tannenzäpfle"

Was die Liste der Sponsoren betrifft, ist Kurzka ein klein bisschen stolz. Das von ihm mit entwickelte Marketing-Konzept geht auf, es sind die großen regionalen Unternehmen wie Schwarzwaldmilch, Hilzinger (Fenster/Türen), Wiha-Werkzeuge oder die Rothaus-Brauerei, die dem SC Freiburg in guten wie in schlechten Zeiten zur Seite stehen. "Wenn ich ein Bier trinke, dann meist ein Tannenzäpfle", lacht Kurzka. "Es wäre ja wenig glaubwürdig, wenn ich nicht von den Produkten unserer Sponsoren überzeugt wäre."

Bei einem Besuch in der Heimat lässt sich der 53-Jährige aber dann gerne auch mal ein Oberpfälzer Bier schmecken. "Ich komme zwar nur zwei- bis viermal im Jahr nach Vohenstrauß, aber mein Kontakt zur Familie ist eng", erzählt er. Bisweilen wird er sogar mit einem Live-Ticker versorgt. "Der SV Altenstadt, bei dem mein Bruder und seine Ehefrau sowie meine zwei Nichten und drei Neffen Fußball spielten, hat ja zuletzt im Kreisklassenderby bei der SpVgg Vohenstrauß II mit 1:3 verloren. Da wusste ich immer, wie es gerade steht." Den einen Tag Bundesliga, den nächsten Kreisklasse. Bodenständig eben.

Kein Wort zum Sport: Sebastian Fritsch

Pressath
Im August wurde der Europa-Park als Namensgeber des neues Stadions des SC Freiburg vorgestellt. Martin Kurzka (links) freute sich gemeinsam mit Christoph Frei, Marketing-Mitarbeiter des SC Freiburg.
Info:

SC Freiburg/Infront Sports Media

  • Der SC Freiburg stand lange im Schatten des Freiburger FC.
  • 1993 stieg man unter Trainer Volker Finke erstmals in die Bundesliga auf.
  • Dem Verein gelang viermal der Wiederaufstieg in die Bundesliga.
  • Seit Mitte Oktober 2021 spielt der Sportclub im neu gebauten Europa-Park-Stadion.
  • Die Infront Sports & Media ist seit 2009 der Vermarktungspartner der Breisgauer.
  • Martin Kurzka aus Vohenstrauß kümmert sich seit diesem Zeitpunkt als "Teamleiter SC Freiburg" um Sponsoring und Partnerschaften.
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