Weiden in der Oberpfalz
11.11.2018 - 22:53 Uhr

Die besten Bayern sind nicht gut genug

Borussia Dortmund und Bayern München verwöhnen die Fans mit Vollgasfußball und liefern das beste Bundesliga-Spiel der Saison ab. Nach spannenden 96 Minuten setzt sich die gelb-schwarze Rasselbande durch. Warum? Ein Kommentar.

Kommentar von Fabian Leeb
"Was soll ich noch tun?" Bayern-Trainer Niko Kovac musste in Dortmund mit ansehen, wie seine Truppe von Minute zu Minute abbaute. Bild: agentur_dpa
"Was soll ich noch tun?" Bayern-Trainer Niko Kovac musste in Dortmund mit ansehen, wie seine Truppe von Minute zu Minute abbaute.

Vorab sei eine lapidare Bewertung des deutschen Knüllers Borussia Dortmund gegen Bayern München gestattet: Was bitte war das für ein geiles Spiel? Die Floskel "Werbung für den deutschen Fußball" wird völlig zu Recht arg strapaziert nach diesen 96 atemberaubenden Minuten. Doch während die Dortmunder auch am Montag noch ob ihres Siegesrausches verkatert sein dürften, bleibt den Bayern nur die bittere Erkenntnis: Die beste Saisonleistung genügt mit der aktuellen Mannschaft nicht, um das derzeit aufregendste Projekt im deutschen Fußball in die Knie zu zwingen.

123,22 Kilometer spulten die Münchener im Dortmunder Hexenkessel ab - Saison-Bestwert. Die Antwort des BVB? Phänomenale 125,48 Kilometer - ebenfalls Saisonrekord. Die zuletzt eher lethargisch daherkommende Bayern-Elf überzeugte am Samstagabend mit 260 Sprints. Der BVB setzte auch hier mit 265 Sprints noch einen drauf. Die beiden deutschen Schwergewichte boten Vollgasfußball, wie ihn die Fans lieben. Lucien Favre, der Dortmunder Trainerfuchs, blieb trotz zweimaliger Bayern-Führung gelassen. Und er wusste ganz genau weshalb: "Mir war bewusst, dass die Bayern dieses Tempo, das sie in den ersten 30 Minuten angeschlagen haben, nicht über die volle Spielzeit gehen können."

Und der Franzose sollte recht behalten. Während er seiner Truppe - die zunächst auftrat wie ein Einser-Schüler, den ausgerechnet beim Abitur Prüfungsangst plagt - im zweiten Durchgang durch gezielte Wechsel (Dahoud, Alcacer und Delaney) eine Frischzellenkur verpasste, bauten die Bayern mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr ab. Mehr noch: Der gesundheitlich angeschlagene Mats Hummels musste/wollte/durfte sich 65 Minuten gegen die pfeilschnellen Sancho, Reus und Bruun Larsen quälen, ehe ihn der topfit auf der Bank darbende Niklas Süle endlich erlöste.

Diese interne Miss-Kommunikation sowie die Sperenzchen eines James (kam laut "Bild" am Tag vor dem Spiel zu spät zum Training und saß 90 Minuten auf der Bank) stehen sinnbildlich für den FC Bayern im Herbst 2018. Die hochdekorierten Stars erscheinen erfolgssatt und titelmüde. Im Spitzenspiel gegen Dortmund, das in über 200 Länder live übertragen wurde, reißen sie sich den Allerwertesten auf und liefern ihre beste Leistung seit Monaten ab. Gegen Freiburg, Athen, Gladbach oder Berlin sind sich die Altstars aber zu schade, auch nur einen Sprint zu viel anzusetzen. Getreu dem Motto: "Gegen diesen Gegner reicht Halbgas."

Der Absturz auf Platz fünf ist daher nicht nur dem Trainer anzukreiden. Trotzdem hält Niko Kovac mangels taktischer Innovationen und klar erkennbarer Ideen für das Spiel mit und ohne Ball auch Aktien am Münchener Kursverlust. Der personelle Umbruch, den Präsident Uli Hoeneß am Sonntag bereits andeutete, muss einschneidender ausfallen als ursprünglich angedacht. Nur dann ist das Beste auch für die Bayern gegen Dortmund (vielleicht) bald mal wieder gut genug.

 
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