18.11.2021 - 14:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Blue-Devils-Coach Sebastian Buchwieser: "DEL2 ist auch mein Ziel"

Der neue Trainer der Blue Devils Weiden feierte in der Oberpfalz nahezu einen Einstand nach Maß. Schon in Lindau und Peiting arbeitete der 41-Jährige erfolgreich. Doch was ist dieser Sebastian Buchwieser eigentlich für ein Typ? Ein Porträt.

Sebastian Buchwieser hat derzeit gut lachen: Seine Blue Devils Weiden führen nach neun Siegen aus zehn Spielen die Tabelle der Eishockey-Oberliga Süd an.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Von einer großen Jubelfahrt im offenen Mannschaftsbus durch die Stadt, in der begeisterte Fans nach dem Aufstieg in die DEL2 die Straßen säumen, nein, davon träumt Sebastian Buchwieser (noch) nicht. Auch wenn der neue Trainer der Blue Devils Weiden nach neun Siegen aus den ersten zehn Saisonspielen und der Tabellenführung in der Eishockey-Oberliga Süd ins Schwärmen geraten könnte, so macht der Oberbayer im Gespräch mit Oberpfalz-Medien bei einem Rundgang durch die Hans-Schröpf-Arena einen analytischen, geerdeten Eindruck.

Devils-Coach Sebastian Buchwieser im Video-Interview

Um auch im sportlichen Erfolgsfall stets die Bodenhaftung zu bewahren, dabei hilft ihm laut eigener Aussage sein Geschichtsstudium: "Im Alten Rom haben die erfolgreichen Feldherren ihren Triumphzug durch die Stadt immer zelebriert. Mit auf dem Wagen stand aber immer auch ein Sklave, der dem Feldherren zugeflüstert hat: ‚Du bist nur menschlich.‘ Das hat damals zwar nicht immer funktioniert, aber bei mir ist das so", bemüht der 41-Jährige (ja, die 42, die teilweise im Netz kursiert, ist falsch) ein antikes Bild, um seine Bodenständigkeit zu beschreiben. Allgemein ist Geschichte, explizit die Militärgeschichte, eine große Passion Buchwiesers – neben dem Eishockey und seiner Familie. Seine Examensarbeit zur Zulassung zum ersten Staatsexamen an der Uni Bamberg mit dem Titel "Eishockey unter dem Aspekt der Integration in den Schulsport an Hauptschulen" erhielt die Note 1 und ist als Buch für 29,99 Euro (E-Book 20,99) online zu erwerben. "Lukrativ ist das nicht. Aber diese Arbeit hat mir die einmalige Möglichkeit geboten, meinen Lehrerberuf mit dem Sport zu kombinieren. Das ist mir auch ein Anliegen, da Eishockey in Deutschland als Schulsport nach wie vor ein Nischen-Dasein fristet."

Der eishockeyverrückte Mittelschullehrer

Und bis zu seinem Engagement in der Oberpfalz war Buchwieser auch weiterhin als Mittelschullehrer tätig. "Ich bin aktuell für meine Aufgabe hier in Weiden freigestellt, könnte aber, so ist zumindest der aktuelle Stand, nächstes Jahr vermutlich wieder zurück in den Lehrerjob wechseln." Doch wenn der ehemalige Lindauer (Bayernliga-Meister) und Peitinger (Hauptrundenmeister in der Oberliga) Erfolgscoach auch mit den Blue Devils weiter auftrumpft, scheinen ihm im professionellen Eishockey in naher Zukunft alle Türen offenzustehen. Dem scheint Buchwieser auch nicht abgeneigt zu sein. "Ich will nicht sagen, dass ich zum Eishockey-Trainer wie die Jungfrau zum Kind gekommen bin, aber Eishockey ist für mich nie Arbeit, immer Hobby. Wenn ich etwas mache, mache ich es zu 100 Prozent. Und ich möchte schon so hoch wie möglich trainieren, sei es als Headcoach oder als Co-Trainer", verneint es Buchwieser aber, dabei einem konkreten Karriereplan zu folgen.

Doch vor höheren Weihen steht zunächst die Weiterentwicklung des Weidener Oberliga-Teams im Fokus. In der aktuellen Länderspielpause ist es dem Devils-Coach erstmals seit Amtsantritt gelungen, etwas abzuschalten. "Ich war daheim in Schongau bei meiner Frau und unseren beiden Kindern, wir waren ein paar Tage in den Bergen", sagt Buchwieser, dessen Leben sich in Weiden ansonsten "doch sehr auf Wohnung und Eisstadion beschränkt". Auch wenn er seine neue Wahlheimat als "super Stadt, die mich an meine Studentenzeit in Bamberg erinnert" bezeichnet, halten sich die eigentlich geplanten Mountainbike-Ausflüge noch in überschaubarem Rahmen. "Drei-, viermal habe ich es geschafft, man kann hier wunderbar Schwammerl suchen. Aber ansonsten kreisen all meine Gedanken ums Eishockey, ich kann da relativ wenig abschalten."

Neues Konzept der Blue Devils überzeugt

Anstatt die landschaftliche Blüte der nördlichen Oberpfalz zu erkunden, grübelt Buchwieser also in seinem stillen Weidener Kämmerchen, wie es ihm gelingt, die Blue Devils aufs nächste Level zu hieven. "Es klingt paradox, aber es ist für einen Trainer immer besser, zu einer Mannschaft zu kommen, wo in den Jahren zuvor relativ wenig Erfolg war, weil man dann eigentlich nur gewinnen kann", sagt Buchwieser, der nach seinem angekündigten Abschied aus Peiting auch andere Angebote vorliegen hatte. Neben den aus etlichen Gastspielen bekannten Weidener Anhang ("Hier ist ein enormes Fan-Potenzial") hätte ihn auch das neue Konzept der Blue Devils überzeugt. "Deren Ziele stimmen mit meinen überein, Weiden will mittelfristig auch einmal eine Liga höher spielen. So war es für mich eine einfache Entscheidung."

Das finanzielle Engagement etwa der Ziegler-Group und die namhaften Neuzugänge sorgen bei dem Neu-Coach aber keineswegs für Druck. "Druck hat einer, der auf dem 10. Platz steht und nicht absteigen will." Und die Tatsache, dass der Investor zugleich "der größte Fan" ist, empfindet Buchwieser eher als "super Rahmenbedingung". Stefan Ziegler halte sich im Hintergrund und viel von den Verantwortlichen fern. "Das wird in der Öffentlichkeit immer etwas falsch dargestellt. Herr Ziegler tritt hier nicht wie der Scheich von Paris St. Germain auf, als böser, Druck machender Eishockey-Fanatiker, das stimmt überhaupt nicht." Und das mittelfristige ("Das wird gern überlesen") Ziel DEL2 sei bei einem solchen Investment legitim.

Und so bleibt die nur die Frage, welchen Titel das Buch haben könnte, dass der Autor Sebastian Buchwieser im Rückblick irgendwann einmal über seine Zeit bei den Blue Devils veröffentlichen könnte. Das lässt der potenzielle Schreiber zwar noch offen, doch den Inhalt hätte er bereits parat: "Coach Buchwieser hat uns in allen Bereichen des Lebens geholfen, und er hat uns als Spieler und Menschen weiterentwickelt." Der Prolog ist mit dem vielversprechenden Saisonstart geschrieben, und vielleicht hält der Epilog dann ja doch den Triumphzug durch Weiden nach dem geglückten Aufstieg in die DEL2 bereit. Weidener Sportgeschichte quasi.

Sponsor Stefan Ziegler will die Blue Devils Weiden mittelfristig in die DEL2 führen

Plößberg
Hintergrund:

Zur Person: Das ist Sebastian Buchwieser

  • Geboren am 7. Dezember 1979 in Mittenwald
  • Wohnt mit Frau und zwei Kindern in Schongau (Kreis Weilheim-Schongau)
  • War bis zu seinem Engagement in Weiden als Mittelschullehrer tätig
  • Vereine als Spieler (Auszug): SC Riessersee, Braunlager EHC, Augsburger Panther, Moskitos Essen, Eisbären Regensburg, ERC Haßfurt, Blue Lions Leipzig, Stuttgart Wizards, Mighty Dogs Schweinfurt, Black Dragons Erfurt, Höchstadter EC, TSV Peißenberg, EV Lindau
  • Vereine als Trainer: EV Lindau, EC Peiting, Blue Devils Weiden
  • Größte Erfolge als Trainer: Bayernliga-Meisterschaft mit dem EV Lindau, Hauptrunden-Meister in der Oberliga mit dem EC Peiting

"Herr Ziegler tritt hier nicht wie der Scheich von Paris St. Germain auf, als böser, Druck machender Eishockey-Fanatiker, das stimmt überhaupt nicht."

Sebastian Buchwieser über den Sponsor Stefan Ziegler

 

 

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