04.06.2019 - 17:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Für Schiedsrichter der Ball das Wichtigste

Pfeife, Karten, Spieler, Zuschauer - alles Nebensache für einen Fußball-Schiedsrichter. Worauf es vor allem ankommt, ist rund und die meiste Zeit in Bewegung. "Das Allerwichtigste für euch ist der Ball", schreibt Lutz Wagner den Weidener Schiedsrichtern ins Stammbuch.

Lutz Wagner, DFB-Lehrwart und Coach der Bundesliga-Schiedsrichter, referierte bei den Unparteiischen der Schiedsrichtervereinigung Weiden zum Thema „Regelkunde“.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Wie schnell ein Schiri die Übersicht verlieren kann, wenn er das Spielgerät nicht im Blick hat, zeigt Lutz Wagner am Montagabend anhand von Filmsequenzen aus dem Profifußball. "Das geht gar nicht", kommentiert er immer wieder Situationen, in denen sich die Männer in Schwarz nicht richtig verhalten, falsche Entscheidungen treffen. Das richtige Stellungsspiel, so predigt Wagner, sei das A und O für jeden Schiedsrichter. Egal ob in der Bundesliga oder in der untersten Amateurklasse. "Nur wer richtig steht und den Ball sieht, kann richtig entscheiden."

Thema Regelkunde

Lutz Wagner ist leitender Koordinator für Regelauslegung beim Deutschen Fußballbund (DFB). Und in dieser Eigenschaft hat Kreisschiedsrichter-Obmann Will Hirsch den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter, der 450 Spiele im Fußball-Oberhaus und in der 2. Bundesliga leitete, nach Weiden eingeladen. Das Hauptthema: Regelkunde.

Gleich zu Beginn der Versammlung bricht Wagner eine Lanze für seine Zunft. "Bei uns Schiedsrichtern ist es egal, ob jemand 14 oder 84 Jahre alt ist. Wir sind eine Familie, ein Team", sagt er und wartet mit Zahlen auf. Rund 58 000 Fußball-Schiedsrichter gebe es bundesweit, davon pfeife aber nur ein kleiner Teil, nämlich 6,37 Prozent, Bezirksliga aufwärts. Die Qualifikation, ein Bundesligaspiel leiten zu können, spricht der 56-Jährige durchaus vielen Unparteiischen zu. "Bei Sonnenschein und wenn die Heimelf 3:0 führt, können das 3000 Leute." Anders sehe es aus, wenn es 0:1 stehe und die Fans "Hängt ihn auf, die schwarze Sau", singen: "Unter solchem Druck haben wir nur noch 20, die das schaffen."

Wie wird man aber zu einem Top-Schiedsrichter? "Schaut euch im Fernsehen Fußballspiele an. Immer wieder. Und beobachtet, wie dort bewertet und entschieden wird", empfiehlt Wagner. Regelkunde, Konzentration über 90 Minuten, Selbstbewusstsein, die richtige Vorbereitung aufs Spiel - all das mache einen guten Unparteiischen aus. "Du musst von Beginn an auf dem Spielfeld präsent sein. Und je mehr ihr euere Abläufe automatisiert, desto mehr Freiraum habt ihr für Unerwartetes."

Wichtig sei es, ein Foulspiel bereits zu erahnen, bevor es überhaupt passiert, betont der Referent. Wagner fordert eine hohe Laufbereitschaft sowie die Fähigkeit, das Spiel zu lesen, ein: "Je näher ihr am Tatort seid, desto mehr Akzeptanz schafft ihr für eure Entscheidungen." Ob man zum Beispiel bei einer Roten oder Gelben Karte richtig liege, sei auch am Verhalten der Spieler festzustellen: "Die Resignation des Sünders ist die höchste Wertschätzung für den Schiedsrichter."

"Das ist Basiswissen"

Lutz Wagner nimmt die rund 70, 80 anwesenden Unparteiischen mit. Anhand der Videoszenen will er von ihnen konkret wissen, welche Entscheidungen sie treffen würden. Die Situationen sind kniffelig: Mal ist ein zweiter Ball im Spiel, mal steht der Schiri bei einem Eckball im Weg. Die Antworten fallen nicht immer regelkonform aus. "Mann oh Mann, das ist Basiswissen", zeigt der Referent so manchem Antwortgeber die Gelbe Karte. Und meint halb im Scherz, halb im Ernst: "Da müssen wir aber hier noch an manchem arbeiten."

Diese kleine Schelte macht Wagner aber mit Lob an anderer Stelle wieder wett. Von den Strukturen der Schiedsrichtervereinigung Weiden ist der Hesse beeindruckt. Ein besonderes Lob bekommt DFB-Beobachter Karl-Heinz Schleier: "Du machst bei uns einen hervorragenden Job."

Nach einem fast zweistündigen, kurzweiligen Referat gibt's ein Dankeschön für den im Taunus beheimateten Schiedsrichter-Experten. Obmann Willi Hirsch und Lehrwart Manfred Naber überreichen einen Geschenkkorb mit Oberpfälzer Spezialitäten.

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