08.06.2020 - 18:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Juniorenfußball: Ein Abbruch, der auch glücklich macht

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Der Erwachsenenfußball versucht irgendwie, im Herbst die aktuelle Saison fortzuführen. Im Juniorenbereich ist dagegen seit Montag Schluss - sofort. Überraschung ist das keine.

Mit Begeisterung bei der Sache: Diese Jungs kicken nur aus Spaß an der Freud. Tore sind wichtig, Punkte so ziemlich egal. Für die Größeren zählt auch die Tabelle. Die Saison wurde allerdings jetzt abgebrochen.

Der Bayerische Fußballverband schreibt derzeit fleißig Pressemitteilungen: Am Sonntag erfolgte die endgültige Absage der Saison 2020/2021, um genügend Raum für die Fortsetzung der aktuellen Spielzeit zu schaffen. Im Juniorenfußball wird es dagegen ab Herbst - so Corona will - eine neue Saison geben, da am Montag die aktuelle Spielzeit für beendet erklärt wurde. Jugendleiter aus der Region haben mit dieser Entscheidung gerechnet. Es gibt auch Profiteure davon, aber auch mahnende Stimmen, wie eine Umfrage von Oberpfalz-Medien ergab.

Klaus Rodler (NLZ- und Nachwuchschef SpVgg SV Weiden)

Klaus Rodler freut sich vor allem über klare Planungsmöglichkeiten. "Ich finde die Entscheidung gut. Jetzt können wir uns auf die neue Saison konzentrieren." Der ehemalige Bayernligafußballer hatte sich auch mit den NLZ-Kollegen in Cham und Bayreuth beraten. "Im Grunde ist es so gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben." Die SpVgg SV profitiert auch vom Cut: Vor allem die U17 schwebte bis zum coronabedingten Saisonstopp in Abstiegsgefahr. Jetzt darf auch sie, wie die U19, nächste Saison Landesliga spielen. Und die U15 steigt als BOL-Spitzenreiter in die Bayernliga auf. Noch ist Rodler optimistisch, dass die neue Saison um den 1. September beginnen kann. Allerdings müsse man dann mindestens drei Wochen vorher normal trainieren können", sagt er. Und im Endeffekt ist auch ihm klar: "Das alles ist eine politische Entscheidung."

Sabine Scharl (Jugendleiterin JFG Amberg-Sulzbach West)

Nicht ganz überraschend kam die Entscheidung für einen Saisonabbruch für Sabine Scharl, die Jugendleiterin der JFG Amberg-Sulzbach West, der die DJK Ursensollen, DJK Ammerthal, TuS Hohenburg und TuS Kastl angehören. "Ich finde die Entscheidung gut, weil niemand mit Gewissheit sagen kann, wie's weitergeht." Scharl geht sogar noch einen Schritt weiter: "Schade ist vielleicht nur, dass nur die Junioren abgebrochen werden. Auch unsere Senioren, zumindest von meinem Stammverein DJK Ursensollen, wären froh über einen Abbruch gewesen." Immerhin habe die JFG nun Gewissheit, und so wird vor den Sommerferien "vermutlich kein Mannschaftstraining mehr angesetzt". Für Scharl aus einem einfachen Grund: "In der Form, wie das aktuell erlaubt wäre, macht das den Jungs doch keinen Spaß. Die Hygienebestimmungen sind für kleinere Vereine einfach zu forsch. Zudem bräuchten wir sehr viele Trainer und Betreuer."

Werner Gabler (Jugendleiter FC OVI/Teunz)

Für Werner Gabler, seit 2013 Jugendleiter beim FC, ist der Saisonabbruch keine Überraschung. "Das habe ich so erwartet." Von den sieben Teams, die der FC (Spielgemeinschaften inclusive) im Betrieb hat, profitiert keines von der großzügigen Auf- und Abstiegsregelung. Auf Kreisebene findet das Gabler ohnehin zweitrangig. "Wir reden ja auch hier oft nicht von einem leistungsorientierten Training", sagt der erfahrene Trainer. Er befürchtet durch die Coronapause vor allem eines: Dass die Jungs und Mädels den Spaß am Fußball verlieren. "Es fehlt momentan einfach das Training, das Lernen." Zu befürchten sei auch, dass Eltern ihre Kinder abmelden. "Es wird ja derzeit nichts geboten." Gabler ist jetzt auch auf der Suche nach Formen, um die Kinder wieder zu beschäftigen, zu begeistern: "Wir müssen einfach schauen, dass wir die Jungs und Mädels jetzt bei Laune halten."

Der Seniorenfußball sagt die Spielzeit 2020/21 ab

Weiden in der Oberpfalz

Rainer Fachtan (Sportlicher Leiter JFG FC Stiftland)

"Der Abbruch im Juniorenfußball ist grundsätzlich positiv. Wir können gut damit leben", sagt Rainer Fachtan, der Sportliche Leiter der JFG FC Stiftland, dem Zusammenschluss der drei Vereine TSV Konnersreuth, SV Mitterteich und SV Pechbrunn. Sportlich kann sich Fachtan rundum freuen. "Wir waren mit drei Mannschaften Tabellenführer. Die U17 und U19 steigen in die Bezirksoberliga, die U13 in die Kreisliga auf. Zudem bleibt die U15 in der Bezirksoberliga." Eine Fortführung der Saison 2019/20 wäre für den Sportlichen Leiter schwierig gewesen, denn "in der Jugend gelten andere Sachen, wie zum Beispiel der Jahrgangswechsel. Das würde nicht funktionieren". Jetzt bestehe Planungssicherheit. Übrigens läuft bei den Stiftländern seit vergangener Woche das Training. "Wir trainieren mit allen Mannschaften in Kleingruppen und unter Einhaltung der bestehenden Hygieneregeln."

Thomas Hüttner (Sportlicher Leiter JFG Obere Vils)

Rundum zufrieden ist Thomas Hüttner von der JFG Obere Vils mit der Entscheidung, die Junioren-Saison abzubrechen. "Wir haben damit unser langfristig angelegtes Ziel erreicht, alle Mannschaften mindestens in der BOL zu haben," sagte der Sportliche Leiter der JFG. Durch das vorzeitige Saisonende steigt die U19 in die BOL auf, die U17 gar in die Landesliga. "Und unsere U13 hat damit den Klassenerhalt in der BOL sicher. Das wäre sonst noch eine haarige Angelegenheit geworden." Für Hüttner ist es wichtig, jetzt zu wissen, wie es weitergeht, "egal wie". Auch wenn die JFG bei der BFV-Abstimmung für die Fortsetzung der Saison votiert hatte, kann Hüttner mit der Entscheidung leben. "Ich glaube, sie ist richtig. Nicht nur, weil wir davon profitiert haben."

Hintergrund:

BFV-Pressegespräch: "Es gibt keine Denkverbote"

Die Entscheidungen des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie sorgen für reichlich Diskussionen. Am Montagmittag standen Verbandsvertreter in einem virtuellen Pressegespräch Rede und Antwort, um die jüngsten gravierenden Einschnitte in den Spielbetrieb zu erläutern.

Neuigkeiten zur Entscheidung, die Saison 2019/20 im Seniorenbereich bis 2021 auszudehnen, die Spielzeit 20/21 frühzeitig abzusagen, eine Sommer-Wechselperiode nach Winter-Regeln einzubauen, die Junioren-Saison abzubrechen sowie die der Juniorinnen fortzusetzen, hielten Schatzmeister Jürgen Faltenbacher und Co. zwar nicht parat, doch sie gaben Einblicke in ihre Gedankengänge und die Entscheidungsfindung. Der Waldsassener Faltenbacher, der für den Spielbetrieb verantwortlich ist, lobte etwa die „geduldige Arbeit“ der Lösungs-Arbeitsgruppen (LAG), die zu 50 Prozent aus Vereinsvertretern bestehen. „Der nächste Schritt wird sein, Lösungen für die ‚Phase X‘ zwischen den Spielzeiten 19/20 und 21/22 zu erarbeiten.“ Modifizierter Pokalwettbewerb? Play-offs und Play-downs bei Modifizierung der aktuell gültigen Auf- und Abstiegsregel? „Noch ist es zu früh, darüber zu spekulieren. Aber es wird keine Denkverbote geben. Zunächst müssen wir wissen, welches Zusatzangebot brauchen wir in welchem Umfang.“

Verbandsjugendleiter Florian Weißmann kündigte für den Juniorenbereich in der Saison 2020/21 kleinere Ligen und Gruppen mit maximal zehn Teams an. Dazu würde in der Aufstiegsfrage, die nach der Quotientenregel erfolgt, „größtmögliche Flexibilität“ an den Tag gelegt. „Wer einen Quotienten von über 80 Prozent aufweist, kann einen Antrag für die höhere Spielklasse stellen.“ Dagegen setzen die Juniorinnen ihre derzeit unterbrochene Saison analog zum Herren- und Frauen-Spielbetrieb fort. „Das Thema ‚Bindung‘ der Spielerinnen hat ein viel größeres Gewicht, als bei den Erwachsenen oder Junioren. Für das Gros der Mädchen spielt die soziale Komponente eine immense Rolle. Von Beginn an war es eine der größten Sorgen, bei einem Saisonabbruch und dem darauf folgenden Umbruch massiv Spielerinnen zu verlieren“, erklärte Sandra Hofmann, Vorsitzende des Verbands-Frauen- und Mädchenausschusses.

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