18.11.2020 - 15:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Kommentar zum 0:6-Debakel in Spanien: Jogis Zeit ist abgelaufen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Schmach von Sevilla war die höchste Niederlage einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft seit 1931. Ein noch tieferer Tiefpunkt als das Vorrunden-Aus bei der WM 2018. Es ist Zeit zu handeln, kommentiert Sportredakteur Fabian Leeb.

Joachim Löw steht nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien schwer unter Beschuss.
von Fabian Leeb Kontakt Profil
Kommentar

In meiner glorreichen Vergangenheit als Kreisliga-Trainer gab es nach Niederlagen bei den Spielern eine beliebte Floskel: "Die Mannschaft wirkte leblos, ist sie bald Leeb los?" Mit leblos wäre der erbärmliche Auftritt der Löw-Elf in Sevilla noch äußerst wohlwollend umschrieben. Dieser Offenbarungseid war einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft unwürdig. Selbst die treuesten aller treuen Löw-Jünger müssen sich nach diesem Debakel eingestehen: Die Zeit des Bundestrainers ist abgelaufen.

Nationalelf kein Experimentierfeld

Jogi Löw hat sich Verdienste für den deutschen Fußball erworben, für die ihm unser ewiger Dank gewiss sein wird. Doch das taktische und fußballerische Repertoire des Weltmeister-Trainers scheint ausgeschöpft. Löw selbst wirkt zunehmend ausgelaugt, uninspiriert und amtsmüde. Seit dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 ist keine Weiterentwicklung erkennbar, junge Spieler zahlen das in sie gesetzte Vertrauen nicht zurück. Dabei sei Löw ins Stammbuch geschrieben: Eine Nationalmannschaft ist kein Experimentierfeld. Dort sollten stets die besten Kicker eines Landes spielen – unabhängig von Namen und Alter. Wer wie Jonathan Tah oder Antonio Rüdiger im Verein über Wochen und Monate außen vor ist, hat in einer Landesauswahl nichts verloren. Wer dagegen konstant überzeugt und noch dazu Titel en masse einheimst, muss zwingend ins Nationalteam berufen werden.

Mit der Ausbootung der nach wie vor überzeugenden Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng hat sich Löw in eine Sackgasse manövriert, aus der es kein gesichtswahrendes Zurück mehr geben kann. Daher lautet die einfache Rechnung: Feiert das Trio ein Comeback, muss Löw gehen. Bleibt Löw, ist die Tür für Müller, Hummels und Boateng weiter zu. Doch die deutsche Nationalmannschaft kann es sich nicht länger leisten, auf diese dringend benötigten Alphatiere zu verzichten. Denn außer den drei Genannten gibt der nationale Spielerpool nicht viel mehr her als das, was in Sevilla auf dem Platz stand. Timo Werner, Toni Kroos und Ilkay Gündogan genügen bei Chelsea, Real oder ManCity höchsten Ansprüchen, sind beim DFB aber keine Anführer und tauchen ab, sobald es brenzlig wird. Verwandeln sich zudem die im roten Bayern-Trikot brillierenden Serge Gnabry, Leon Goretzka und Leroy Sané im weißen Nationaltrikot in wirr umherirrende Statisten, stellt sich zwangsläufig die Frage nach den taktischen Vorgaben und der Einstellung seitens des Trainerteams.

Klopp, Flick oder Rangnick?

Die EM beginnt erst in etwas mehr als sechs Monaten, da bleibt ausreichend Zeit, bis zum nächsten Länderspiel im März einen neuen Bundestrainer zu installieren. Über die medizinischen Fähigkeiten von Jürgen Klopp, Hansi Flick oder Ralf Rangnick ist wenig bekannt, doch diese deutsche Nationalmannschaft benötigt dringend Erste Hilfe: Sie wirkt derart leblos, hoffentlich ist sie bald Löw los.

Michael Köllner ist kein Kandidat für die Löw-Nachfolge, hat aber jüngst sein neues Buch vorgestellt

Fuchsmühl

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.