Weiden in der Oberpfalz
12.06.2026 - 16:27 Uhr

Die Leichtigkeit, die dieser WM noch fehlt

Schlotterbeck, Raum und Undav sorgen mit kleinen Szenen für gute Laune rund ums DFB-Team. Ob daraus echte WM-Stimmung wird, entscheidet sich aber nicht in den sozialen Medien, hofft Redakteurin Alexandra Maul.

Blick hinter die Kulissen: Noch ist die Stimmung im DFB-Team gut. Bild: Max Galys/DFB/dpa
Blick hinter die Kulissen: Noch ist die Stimmung im DFB-Team gut.

Es gibt sie noch, diese kleinen Momente. Die Szenen, die plötzlich Lust auf die Weltmeisterschaft 2026 machen. Nicht wegen großer Titelträume oder taktischer Meisterleistungen, sondern weil die Akteure im deutschen Trikot einfach sie selbst sind: sympathisch, authentisch, nahbar. Wenn Nico Schlotterbeck sich mit sichtlicher Freude über die Aussprache eines Journalisten amüsiert und erklärt, wie gut er und sein Mitspieler „Tschonässn“ Tah harmonieren, entsteht für einen Augenblick genau jene Leichtigkeit, die Nationalmannschaften vor großen Turnieren brauchen. Auch ohne Dauer-Unterhalter Thomas Müller scheint die Stimmung zu stimmen.

David Raum liefert dafür gleich den passenden Beweis. Sein selbst gebastelter Papierflieger fliegt zwar eher schlecht als recht, doch das hält ihn nicht davon ab, für den perfekten Abwurf kurzerhand einen drehbaren Bürostuhl zu erklimmen. Erfolg zweifelhaft, Unterhaltungswert hoch – Verletzungsrisiko allerdings. Und dann ist da noch Deniz Undav, der mit seiner direkten Art ohnehin für jeden Spaß zu haben ist. Es sind diese Blicke hinter die Kulissen, die sogenannten „Behind the Scenes“, die der Weltmeisterschaft derzeit etwas geben, was ihr bislang fehlt: Charme.

Denn seit der WM 2018 in Russland scheint kaum noch ein Turnier ohne Nebengeräusche auszukommen. Politische Debatten, Einreisebestimmungen, explodierende Ticketpreise – dazu Anstoßzeiten, die hierzulande eher nach Frühstück oder Mitternacht als nach Fußballfest klingen. Und auch sportlich bleiben einige Fragezeichen. Wer steht am Sonntag im Tor? Wer verteidigt links – Raum oder Brown? Und: Ist Jamal Musiala nach seiner Verletzung schon wieder der Unterschiedsspieler, den Deutschland braucht?

Die Euphorie ist da, aber sie ist noch vorsichtig. Sie versteckt sich derzeit in kurzen Clips auf Instagram, TikTok oder YouTube. Ein schneller Swipe, ein Schmunzeln, weiter geht's. Ob daraus mehr wird, ob der Schwung der Heim-EM tatsächlich bis zur Weltmeisterschaft hinübergerettet werden kann, hat die deutsche Mannschaft selbst in der Hand. Die lockeren Sprüche, die kleinen Einblicke und die lustigen Videos helfen dabei. Doch spätestens am Sonntag um 19 Uhr beginnt wieder das, worauf es bei einer WM am Ende immer ankommt. Fußball spielen, im besten Fall schönen Fußball, Spiele gewinnen und die Zuschauer mitreißen. Wie einst ein Philipp Lahm, Müller, Schweinsteiger und Co. während der Turniere 2006, 2010 und 2014. Bei der aktuellen Konkurrenz wäre es utopisch vom Weltmeistertitel zu träumen, aber eine Mannschaft, die als Team mit Freunde und Spielwitz möglichst weit kommt, könnte doch für die nötige WM-Stimmung sorgen.

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