17.12.2020 - 19:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Nachwuchs des ERSC Amberg und 1. EV Weiden: Sorgenvoller Blick in die Zukunft

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Die Schläger stehen in der Ecke, die Schlittschuhe bleiben im Schrank: Das Coronavirus bremst auch den Eishockey-Nachwuchs aus. Seit Anfang November geht nichts. Die Vereine in Amberg und Weiden plagen Zukunftssorgen.

Szene aus einem Bambini-Spiel zwischen den Young Blue Devils und dem VER Selb. Aktuell können die Weidener Eishockey-Kids davon nur träumen.
von Rudolf Gebert Kontakt Profil

Normal tummeln sich in diesen Monaten die Eishockey-Kids auf den Eisflächen, jagen begeistert der schwarzen Hartgummischeibe hinterher. Doch was ist in Coronazeiten normal? Nichts! Der Amateur- und Nachwuchssport fällt unter den Lockdown, den die Politik ab 2. November beschlossen und inzwischen mehrfach verlängert und verschärft hat - die Beschränkungen gelten aktuell bis mindestens 10. Januar 2021. Auch beim 1. EV Weiden und beim ERSC Amberg ging für Kinder und Jugendliche seit Wochen nichts. Während es in Weiden noch Hoffnung gibt, dass der Nachwuchs vielleicht irgendwann aufs Eis zurück darf, ist in Amberg der Winter gelaufen. Die Stadt Amberg teilte am Dienstag mit, dass das Eis abgetaut und die Halle am Schanzl geschlossen wird.

Beschränkungen notwendig

"Die Kinder sind die Verlierer. Wir mussten ihnen immer wieder sagen, dass in dieser Situation eben nichts möglich ist", erklärte Andreas Wendel, der Nachwuchsleiter des ERSC Amberg, der aber aufgrund der hohen Infektionszahlen die Entscheidung der Politik nachvollziehen kann. Sein Kollege Jens Maschke vom 1. EV Weiden beschreibt die Lage ähnlich: "Ich sage ganz klar, dass die Beschränkungen notwendig sind. Die Kinder sind natürlich traurig. Ich bekomme immer wieder Anfragen, wann wir endlich wieder aufs Eis dürfen." Bei den Eltern sei das Verständnis groß, sagen die beiden ehrenamtlich tätigen Funktionäre übereinstimmend.

Jeweils sieben Nachwuchsteams

Mit strengen Hygienekonzepten waren im September knapp 130 Kinder und Jugendliche in Amberg sowie circa 120 in Weiden erwartungsfroh in die "Eiszeit 2020/21" gestartet. Beide Vereine stellen von der U7 bis zur U20 jeweils sieben Teams. Die Trainingsarbeit ging ebenso problemlos über die Bühne wie die ersten Punktspiele, bis das Coronavirus das Stoppsignal setzte.

Der ERSC Amberg bekam von der Politik die "Rote Karte" gezeigt. Durch das Verbot von Amateur- und Nachwuchssport ging seit dem 2. November nichts mehr. Der 1. EV Weiden war von einer Welle an Corona-Infektionen überrollt worden. Wenige Tage nach dem Trainingsauftakt der Oberliga-Truppe der Blue Devils am 6. Oktober schlug das Virus zu - mit einer nicht für möglich gehaltenen Heftigkeit.

Am 12. Oktober wurde der erste positive Fall bekannt gegeben, zwei Tage später wurde das ganze Ausmaß deutlich. "Wir haben 15 bestätigte Fälle in der ersten Mannschaft sowie einige in der U17 und U20", sagte damals Franz Vodermeier, der Geschäftsführer der Blue-Devils-Spielbetriebs-GmbH. Die Folgen: Die Hans-Schröpf-Arena wurde geschlossen, der Trainingsbetrieb eingestellt, alle Aktiven, Trainer, Betreuer usw. gingen in Quarantäne.

"Der Doppelspieltag der U20 am 10./11. Oktober in Peiting war unser bis dato letzter Auftritt. An diesem Wochenende hat sich das Virus verbreitet", blickt Maschke zurück. In der U20, die in der DNL-3-Süd spielt, standen neben den U20-Spielern, die auch zum Oberliga-Kader gehören und regelmäßig mit der "Ersten" trainieren, auch einige Akteure aus der U17, die ausgeholfen haben.

Probleme mit Infektionen hatte der ERSC Amberg nicht, das änderte aber nichts an der Situation. Nun hat sich auch die geringe Hoffnung, in diesem Winter noch einmal aufs Eis zurückzukehren, zerschlagen. Doch schon vor der Hallenschließung hatte es Wendel für "nicht realistisch" gehalten, dass es in dieser Saison noch einen geregelten Spielbetrieb geben wird. Für Maschke ist ein Wettbewerb nach Spielplan nicht so entscheidend: "Ich wäre schon froh, wenn die Kinder und Jugendlichen ein paar Freundschaftsspiele bestreiten könnten."

Keine Laufschule für Anfänger

Abmeldungen habe es bisher nicht gegeben, dennoch machen sich beide Nachwuchsleiter Sorgen um die Zukunft. "Wenn ein ganzes Jahr ausfällt, werden sich vor allem 8- bis 12-Jährige einen Alternativsport suchen", befürchtet Wendel. Langfristig sieht er die Gefahr, dass ganze Jahrgänge fehlen. Dieses Szenario könne die Vereine treffen, meint auch Maschke. Das liege vor allem daran, dass heuer noch keine Laufschule für Anfänger angeboten werden konnte. "Ich hoffe, dass die Lage durch Impfungen wieder normal wird. Vielleicht schon 2021/22. Wenn nicht, sehe ich wirklich schwarz."

Beim ERSC Amberg gibt es in diesem Winter kein Nachwuchstraining mehr. Das Eis wird abgetaut, die Eishalle geschlossen.
Info:

Eishockey-Nachwuchs in Amberg und Weiden

  • ERSC Amberg: aktive Kinder und Jugendliche: knapp 130
  • Mannschaften im Spielbetrieb: U20: Junioren Landesliga, U17: Jugend Landesliga, U15: Schüler Landesliga, U13: Knaben Landesliga, U11: Kleinschüler Leistungsklasse B, U9: Kleinstschüler-Leistungsklasse B, U7: Bambini
  • 1. EV Weiden: aktive Kinder und Jugendliche: circa 120
  • Mannschaften im Spielbetrieb: U20: Junioren DNL 3 Süd, U17: Jugend Bundesliga 2 Süd, U15: Schüler Bayernliga, U13: Knaben Bayernliga, U11: Kleinschüler Leistungsklasse A, U9: Kleinstschüler-Leistungsklasse A, U7: Bambini

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