21.05.2021 - 07:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Philipp Petzschner beim TC Postkeller: Eine Zeit, die den Ex-Tennisprofi geprägt hat

Welche deutschen Tennisspieler haben in Wimbledon gewonnen? Na klar, Boris Becker, Michel Stich. Die Aufzählung ist aber nicht komplett. Es gibt da noch einen Sieger. Und der hat seine Wurzeln beim TC Postkeller Weiden.

Wimbledon 2010: Stolz halten Philipp Petzschner (links) und Jürgen Melzer ihre Trophäen nach dem Sieg im Doppel-Finale in die Höhe. Mit dem Österreicher Melzer feierte Petzschner seine größten Erfolge in der Doppel-Konkurrenz.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

In seiner Karriere als Tennisprofi hat Philipp Petzschner etliche besondere Momente erlebt. Wie zum Beispiel bei seinem ersten und auch einzigen Einzel-Sieg auf der ATP-Tour in Wien 2008. Oder im Daviscup, als er 2011 gegen Kroatien den Aufschlag-Riesen Ivo Karlovic niederrang und dem deutschen Team zum 3:2-Sieg und Viertelfinaleinzug verhalf. Vieles verblasst aber gegenüber seinen zwei wichtigsten Erfolgen. "Grand-Slam-Titel zu gewinnen, davon träumt man als Kind", sagt der heute 37-Jährige über seine Doppel-Siege in Wimbledon (2010) und bei den US-Open (2011) zusammen mit dem Österreicher Jürgen Melzer.

Es wäre vermutlich übertrieben, die beeindruckende Tennis-Karriere des Philipp Petzschner alleine auf seine Zeit in Weiden zurückzuführen. Aber die vier Jahre, die er zwischen 1997 und 2001 beim einstigen Bundesligisten TC Postkeller verbrachte, waren "prägend" und eine "tolle Grundlage" für seinen späteren sportlichen Werdegang, wie der gebürtige Bayreuther selbst sagt. "Es war eine schöne Zeit mit ganz vielen wichtigen Erfahrungen."

Im oberfränkischen Weidenberg aufgewachsen, profitierte der junge Petzschner zunächst davon, dass seine Eltern eine Tennisanlage betrieben und damit der Kontakt zum weißen Sport selbstredend war. "Man hat relativ schnell gemerkt, dass ich talentiert bin. Aber irgendwann habe ich dann einen neuen Input gebraucht, um mich weiterentwickeln zu können."

Auf Anraten seines Managers Stefan Füg vollzog Petzschner mit 13 Jahren den Wechsel zum TC Postkeller. Der Weidener Osten war in den neunziger Jahren eine angesehene Adresse im deutschen Tennis. Sowohl die Herren als auch Damen spielten in der Bundesliga, hochkarätige Trainer wie der Österreicher Günter Bresnik und Tennisprofis internationaler Coleur gaben sich die Türklinke in die Hand. "Ich war noch jung und habe in Weiden den besten Anschauungsunterricht erhalten, was für ein rauer Wind im Profitennis weht", sagt Petzschner. Körperlich fit zu sein, intensiv zu trainieren, das sei ihm am Postkeller vorgelebt worden. "Ich habe da so richtig gemerkt, dass der Tennissport kein Ponyhof ist, sondern harte Arbeit bedeutet, wenn man etwas erreichen will."

Vor allem den Brüdern Moraing, so Petzschner, habe er einiges zu verdanken. "Peter hat mich meist in Weiden trainiert, sein Bruder Heiner ist öfters mit mir zu Turnieren gefahren." Obwohl er "zielstrebig" gewesen sei und "richtig Lust auf Tennis" gehabt habe, musste Petzschner auch so manchen inneren Schweinehund besiegen. "Man versucht sich ja total auf den Sport zu fokussieren. Aber die Vorgabe, immer auf eine gesunde Ernährung zu achten, war schon schwierig." An einen leidvollen Verzicht kann sich Petzschner noch zu gut erinnern: "Über den Jahrmarkt zu laufen und dann auf die Zuckerwatte zu verzichten, ist nicht gerade wenig, was von einem Heranwachsenden verlangt wird."

Die Askese, was Süßigkeiten betrifft, hat sich für den 1,85 Meter großen Rechtshänder gelohnt. In seiner 17-jährigen Karriere als Tennisprofi feierte er bemerkenswerte Erfolge. Auf der ATP-Tour stehen für ihn neben dem Einzel-Sieg in Wien insgesamt acht Finalerfolge im Doppel, darunter die Grand-Slam-Titel in Wimbledon und New York, zu Buche. Zwischenzeitlich stieß Petzschner bis auf Rang 32 der Einzel-Weltrangliste vor. Gegen Rafael Nadal stand der Deutsche 2010 in der dritten Runde von Wimbledon sogar dicht vor einer Sensation. Dass er nach 2:1-Satzführung noch mit 4:6, 6:4, 7:6, 2:6 und 3:6 verlor, bereitet ihm rückblickend keine schlaflosen Nächte. "Insgesamt habe ich es in meiner Tenniskarriere ganz gut gemacht", stellt er zufrieden fest. "Ich denke, ich habe viel erreicht."

Vor zweieinhalb Jahren hat Petzschner einen Schlussstrich unter seine Profi-Laufbahn gezogen. Eine neue Aufgabe hat er beim Deutschen Tennisbund gefunden. Als DTB-Nachwuchstrainer kümmert er sich um talentierte Jugendliche im Alter von 16, 17 Jahren. "Die Arbeit macht tierisch Spaß", sagt Petzschner. "Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass die Jungs ihren Weg im Tennis gehen können."

Mit Ehefrau Dewi und seinen drei Kindern lebt der einstige Daviscup-Spieler bereits seit Jahren im Raum Köln. Natürlich schlagen auch die Kids gegen die Filzkugel, "aber Ambitionen in Richtung Profitum hat keiner", erklärt Petzschner. Mit Weidenberg, wo er aufgewachsen ist, verbindet ihn nur noch wenig. "Meine Eltern und Geschwister sind weggezogen. Ich komme nicht mehr so oft in die Gegend." Mehr Kontakt hat er noch zu ehemaligen Weidener Weggefährten. "Mit den Moraings telefoniere ich ab und zu", erzählt er. Und auch zu Heiko Hauer, jetzt Vorsitzender des TC Postkeller, ist der Draht nie ganz abgerissen.

Ab und zu, gibt Petzschner zu, denke er an seine Tennis-Anfänge zurück. In seinem Haus hat er "ein, zwei Ecken", wo er Trophäen aufgestellt hat, "die für mich einen besonderen Stellenwert haben." Die Mehrzahl der vielen Pokale lagert aber im Keller. "Wenn mir mal ein Pokal von früher in die Hände fällt, dann kommen natürlich Erinnerungen hoch." Wie zum Beispiel auch an jenen Sieg bei der Oberpfalz-Meisterschaft der Herren. "Da war ich, glaube ich, 15 oder 16 Jahre alt. Ein schöner Erfolg." Es sind nicht nur Wimbledon oder die US Open, was im Hause Petzschner zählt.

Walter Hofmann, einst Schiedsrichter-Assistent in der Bundesliga

Vohenstrauß
Kraftvoller Return: Im Alter von 17 Jahren spielte Phillip Petzschner für den TC Postkeller in der 2. Bundesliga.
Tennis:

Zur Person: Philipp Petzschner

  • Geboren am 24. März 1984 in Bayreuth
  • Von 1997 bis 2001 beim TC am Postkeller Weiden
  • Tennisprofi von 2001 bis 2018
  • Größte Erfolge: 1 Einzel-Sieg (Wien) und 8 Doppel-Siege (u.a. Wimbledon und US Open) auf der ATP-Tour

 

 

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