25.08.2020 - 14:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Pro & Contra: Soll in der Champions-League an K.-o.-Spielen festgehalten werden?

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Uefa-Präsident Alexander Ceferin hat es bereits angedeutet, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ist auch ein Fan: Hat das coronabedingte Sonderformat der Champions-League mit K.-o.-Spielen ab dem Viertelfinale Zukunft?

Soll die Champions-League künftig, wie bislang praktiziert, in Hin- und Rückspielen oder wie beim Coronaturnier in Lissabon in K.-o.-Spielen ausgetragen werden. Ein Pro und Contra.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Uefa-Präsident Alexander Ceferin kann sich eine dauerhafte Einführung von Finalturnieren in der Champions-League vorstellen. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender beim Sieger FC Bayern München, bezeichnete die diesjährige Ausnahme wegen der Coronavirus-Pandemie als "größtes Spektakel, das ich je erleben durfte". Doch hat dieses Sonderformat mit K.-o.-Spielen ab dem Viertelfinale statt der bislang üblichen Hin- und Rückspiele tatsächlich Zukunft? Ergibt es Sinn? Ein Pro und Contra:

Pro: Siege eines Außenseiters machen das gewisse Etwas aus

Von Fabian Leeb

Entschuldigung für die saloppe Formulierung gleich zu Beginn: Aber, war das nicht richtig geil? Dieses K.-o.-Finalturnier der Champions-League in Lissabon – jedes Spiel ein Finale, Alles oder Nichts, do or die, Tod oder Gladiolen. Das coronabedingte Sonderformat war zwar aus der Not geboren, doch im Rückblick genau die richtige Antwort auf die zunehmende Fußball-Übersättigung. Bei aller Tragik und all den Einschränkungen hat die Pandemie damit doch etwas Gutes hervorgebracht.

Wären die Außenseiter Lyon und Leipzig im herkömmlichen Format im Halbfinale vorstellbar gewesen? Hätte Atalanta Bergamo auch in einem potenziellen Rückspiel bis weit in die Nachspielzeit vom Coup gegen Paris träumen dürfen? Nur durch diese Reduzierung auf ein Ausscheidungsspiel bekommen Außenseiter die ansonsten arg begrenzte Möglichkeit, den üblichen Favoritenteams ein Bein zu stellen. Das macht doch den Reiz des Europapokals aus, diese Überraschungen potenzieren Emotionen. In der ersten DFB-Pokal-Runde freut sich ein jeder, oft auch etwas hämisch, über den Sensationserfolg eines unterklassigen Vereins gegen einen Bundesligisten. In Hin- und Rückspiel werden sich – und das haben die vergangenen Jahre gezeigt – immer die Favoriten durchsetzen. So wurde aus der K.-o.-Phase der Königsklasse fast schon eine geschlossene Gesellschaft. Überraschungen blieben die absolute Ausnahme.

Nur wenn Faktoren wie Glück und Tagesform wieder einen größeren Einfluss erhalten, erfährt des Deutschen liebste Sportart die dringend benötigte auffrischende Brise. Und wenn erst wieder Fans in den Stadien sein dürfen, wird auch die Stimmung von den Rängen zu einem Faktor – zumeist für den Underdog. Daher weg mit der Hinspiel-Taktiererei, alle Entscheidung in einem K.-o.-Spiel. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Contra: Hin- und Rückspiele bleiben die sportlich fairste Lösung

Von Alfred Schwarzmeier

Spannender, smarter, spektakulärer. Jetzt treten die Marktschreier auf die Bühne und argumentieren alles nieder. Wenn es nach ihnen geht, soll Bewährtes wie der bisherige Champions-League-Modus einfach so in die Tonne getreten werden.

Zugegeben: Das in der Not geborene K.-o.-Format hat auf den ersten Blick seinen Reiz. Vor allem deshalb, weil es die Gunst der Stunde betont und Überraschungsteams bevorteilt. Ohne die Leistung von RB Leipzig oder Olympique Lyon zu schmälern, ist jedoch eine hypothetische Frage erlaubt: Hätten beide Außenseiter im Normalfall, also bei einem zusätzlichen zweiten Spiel, ebenfalls die Vorschlussrunde erreicht? Atlético Madrid und Manchester City würden sicherlich mit „Nein“ antworten.

In einem sollten sich alle Fußballfans einig sein: Unbedingtes Ziel muss sein, dass tatsächlich die besten europäischen Fußballteams zunächst im Halbfinale und dann im Endspiel der Königsklasse stehen. Zufälle, Tagesform, Glück sollten so wenig wie möglich eine Rolle spielen.

Aber gerade das K.-o.-Format steht diesem hehren Wunsch entgegen. Selbst einem zweifellos würdigen Champion wie dem FC Bayern hätte der diesjährige Hauruck-Modus schlimmstenfalls die Krönung versagen können. Das Wehklagen gerade unter Bayern-Fans wäre groß gewesen, wenn Neuer und Co. zum Beispiel gegen Lyon einen rabenschwarzen Tag erwischt hätten und trotz haushoher Überlegenheit durch ein dummes Gegentor in letzter Sekunde ausgeschieden wären. Triple adieu? Und dies nur weil man der Chance beraubt ist, einen unglücklichen Spielverlauf in einer zweiten Partie wieder geradezurücken. Das kann’s nicht sein.

Hin- und Rückspiel mögen so manchem langatmig oder gar langweilig erscheinen. Die sportlich gerechtere Lösung bietet die seit Jahren erprobte Praxis aber allemal.

Josef "Sepp" Finster war zum Champions-League-Finale in Lissabon

Amberg

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Kommentare

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Johann Gollwitzer

Servus. Bei der Argumentation " Pro oder Contra" findet der Fan fast keine Beachtung. Mit unserem Fanclub Nabburg besuchten wir seit 11 Jahren fast alle CL Auswärtsspiele. Es war immer wichtig, die Kultur, die Menschen, das Stadion usw. kennen zu lernen. Auch bei den Heimspielen war es einer großen Anzahl der Fans möglich ihren Verein zu erleben. Dies soll plötzlich alles geopfert werden um noch mehr "Spektakel" zu haben? Fußball sollte auch in Zukunft für die Fans live erlebbar sein.
Gruß Johann

26.08.2020