26.07.2021 - 13:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Rund ums Training einer Triathletin: Auftakt einer Serie mit Marlene Gomez Islinger

Tokio als Quelle der Inspiration: So mancher Hobby-Ausdauersportler fühlt sich in diesen Tagen motiviert, den Leistungen bei Olympia ein Stück weit nachzueifern. Einblick in den Trainingsalltag von Marlene Gomez Islinger.

Marlene Gomez Islinger.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Die Teilnahme an Olympischen Spielen ist für jeden Athleten ein Höhepunkt in seiner sportlichen Karriere. Auch Marlene Gomez Islinger wäre in Fernost gerne an den Start gegangen, aber die aus Weiden stammende Triathletin verpasste die Qualifikation knapp. "Schade, aber vielleicht wäre Tokio für mich auch ein bisschen zu früh gekommen", sagt die 28-Jährige und setzt sich sofort einen neuen Fixpunkt: "Mein Fernziel sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Ich habe nun drei Jahre Zeit, um mich dafür in Stellung zu bringen."

Motivation hochhalten, Ziele setzen – für Gomez Islinger ist Sport nicht nur hartes Training, sondern auch ein Stück weit "Kopfsache". Wie schwierig es sein kann, einen sportlichen Durchhänger zu verarbeiten, hat die in Ulm lebende Weidenerin selbst am eigenen Leib erfahren. "Im Alter zwischen 20 und 26 Jahren konnte ich nicht mehr an die Leistungen anknüpfen, die ich als Jüngere gewohnt war. Ich war urplötzlich nur noch in der erweiterten deutschen Spitze. Das zu akzeptieren, war schwierig", erzählt sie. Manches von dieser Schieflage wird durchklingen, wenn sie demnächst in unserer Serie über ihr Training berichtet und dabei ihre Erfahrungen an andere Sportler weitergeben will.

Beim SV Weiden schwimmen gelernt

Dabei lief in jungen Jahren vieles wie von selbst für das Ausdauertalent. Beim SV Weiden lernte sie Schwimmen, bei der DJK Weiden Springen und Laufen. Und da Vater Ramon zu der Zeit Landestrainer beim Bayerischen Triathlonverband, war war der Weg als Triathletin vorgezeichnet. Deutsche Vizemeisterin als Juniorin, Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen – es stellten sich bemerkenswerte Erfolge ein. Doch .was folgte, war eine Vollbremsung. Sportlich ging es nicht mehr vorwärts, die gute Form von einst – wie weggeblasen. Die Ursache für den Leistungsabbau, so erkennt Gomez Islinger im nachhinein, war vor allem in der mangelnden Betreuung im Training begründet. "Mein Trainingsaufbau hat nicht gepasst. Ich musste zudem Entscheidungen selber treffen, das hat überhaupt nicht geklappt", sagt sie über ihre Zeit in Passau, wo sie den Studiengang "Medien und Kommunikation" belegte. Als "tolle persönliche Erfahrung" beschreibt sie zwar das darauf folgende Stipendium am College in Dallas/USA ("da musste ich raus aus meiner Komfortzone"). Aber rein sportlich trat Gomez Islinger mehr denn je auf der Stelle. "Ich war oft verletzt und bin dort bei Wettkämpfen nur gelaufen. Eigentlich war's ein Rückschritt."

Mitte 20, als Triathletin auf dem absteigenden Ast – mit diesem Gedanken konnte sich Gomez Islinger nicht anfreunden. "Ich sagte mir, das kann's mit dem Triathlon nicht gewesen sein. Da kommt noch was, das war's noch nicht. Mit dieser Sportart bin ich noch nicht fertig." Eine Entscheidung musste her. Und die lautete: Rückkehr nach Deutschland, sportlicher Neuanfang.

Seit Anfang 2019 ist Gomez Islinger als professionelle Triathletin unterwegs. Der Sport bestimmt ihr Leben, ihr Lebensgefährte Fabian Göggel, Sportwissenschaftler und lizenzierter Triathlon-Trainer, hat das Coaching übernommen. Seitdem geht es für sie sportlich stetig bergauf. Längst steht sie wieder im Nationalkader, liefert Top-Ergebnisse ab wie Platz drei bei den nationalen Titelkämpfen. "Das Podium war für mich wichtig. In den vergangenen Jahren hatte ich ja bei Deutschen Meisterschaften nur zugeguckt und mich gefragt: Wie machen das die anderen?" Vor wenigen Wochen dann der erste Weltcup-Sieg bei einem Rennen auf Sardinien: "Ein absoluter Höhepunkt, mein bestes Rennen", sagt sie. "So etwas zu wiederholen, wird schwer."

Mindestens 24 Stunden pro Woche für Training

Als Profi investiert Gomez Islinger viel Zeit in ihr Training. 24 bis 26 Stunden pro Woche, manchmal auch über 30, wendet sie für Schwimmeinheiten, Radtraining und Laufen auf. "Dazu kommt noch Krafttraining, Physio, Vor- und Nachbereitung", zählt die 28-Jährige auf. Und was ebenso wichtig ist: Regeneration. "Die braucht der Körper. Ohne die geht es nicht." Über die Veränderungen in ihrem Leben ist sie "froh", ihren Durchhänger vor wenigen Jahren hat sie längst überwunden. "Ich weiß nun, wie wichtig zielgerichtetes Training ist, dass es einen nach vorne bringt", sagt sie.

Über ihr Training wird Gomez Islinger in den nächster Zeit an dieser Stelle berichten. In einer fünfteiligen Serie gibt die Triathletin auf Basis persönlicher Erfahrungen Tipps zu den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen und erklärt, worauf sie in Sachen Gesundheit/Ernährung und Motivation/Disziplin vorrangig achtet.

Gomez Islinger sucht ihre Olympia-Chance

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Marlene Gomez-Islinger

  • Geboren am 25. April 1993 in Weiden
  • Jüngste sportliche Erfolge als Triathletin: Dritte bei Deutscher Meisterschaft 2021, Weltcup-Sieg auf Sardinien; 22. Platz bei der WM 2020.
  • Studium: Medien und Kommunikation (Passau), Master Design/Innovation, Master Filmwissenschaft ( Dallas/USA)
  • Wohnort: Ulm
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