Weiden in der Oberpfalz
05.06.2019 - 16:51 Uhr

Trainer, die Meister der Floskeln

Gras fressen, mit breiter Brust auftreten und alles in die Waagschale werfen: Vorschauen auf Sportereignisse triefen oftmals vor beliebig austauschbaren Redewendungen. Eine Glosse.

Trainer greifen oft tief in die Floskel-Kiste. Bild: agentur_dpa
Trainer greifen oft tief in die Floskel-Kiste.

"Meine Mannschaft muss alles raushauen, wir müssen alles geben, wir müssen über unsere Grenzen gehen und mindestens 120 Prozent abrufen." Nicht nur Mathematikern stehen bei derlei Rechenspielen die Haare zu Berge. Woche für Woche greifen Trainer und Vereinsverantwortliche jedweder Sportart völlig unabhängig von der Liga in ihren Vorschauen auf die nächsten Partien ganz tief in die Floskelkiste.

So scheinen viele Übungsleiter passionierte Hobbywinzer zu sein, wenn sie zu wissen glauben, dass beim kommenden Gegner "die Trauben hoch hängen" werden. Auch im Einzelhandel sind manche Trainer tätig, wenn sie von ihrer Truppe fordern, "alles in die Waagschale zu werfen". Wirft der Gegenüber jedoch ebenso viel in seine Waagschale, steht es pari, und "die Tagesform" muss womöglich über Sieger und Verlierer entscheiden.

Gerne versuchen Fußballtrainer die erfolgreiche Spielweise von Jürgen Klopp auf ihre Teams zu adaptieren. Doch in der Kreisliga werden aus "offensiven Nadelstichen" in Folge eines schnellen Umschaltspiels aus einer stabilen Defensive heraus dann gerne mal "Mückenstiche" oder gar "Messerstiche" (ja das wurde wirklich so geschrieben). Da helfen dem jeweiligen Gegner dann nur mehr eine ordentliche Portion Autan oder ein Hilferuf bei der Polizei. Gar nicht bildlich vorstellen wollte man sich die Trainer-Anweisung eines selbstbewussten Auftritts. Dessen Mannschaft sollte "mit breiter Brust" in die Partie gehen - der gute Herr betreute eine Damenmannschaft. Viele Teams scheinen parallel in der Musikbranche aktiv zu sein, wenn sie im nächsten Spiel "mit voller Kapelle" auflaufen wollen. Modebewusste Coaches animieren ihre Akteure dazu, stets "die Ärmel hochzukrempeln".

Den Vogel schießt derzeit aber eine Sportart ab, deren Spieler zumeist auf Kufen unterm Hallendach einem kleinen Puck hinterherjagen. Dort hat man sich dazu entschieden - um dem Gegner ja nicht zu viel über Verletzungen des eigenen Personals anzubieten - einem Kreuzbandriss dieselbe Bezeichnung wie einem eingerissenen Zehennagel zu verpassen: "Spieler Müller fällt wegen einer Unterkörperverletzung aus." Welche Bezeichnung analog dazu für eine Bindehautentzündung oder einen gebrochenen Arm gehört, erschließt sich von alleine ("Oberkörperverletzung").

Insgeheim schauen die meisten Trainer und Mannschaften ohnehin nur auf sich und denken von Spiel zu Spiel, denn die Gegner kochen auch nur mit Wasser, vorausgesetzt sie fressen Gras und finden rechtzeitig den passenden Dosenöffner. Na dann, Mahlzeit.

Fußballfloskeln wörtlich genommen | WDR - Sendung mit der Maus

 
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