08.09.2021 - 13:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Vereine anonymisieren Spieler im Elektronischen Spielberichtsbogen

Eine Sitte hält bei den Amateurkickern Einzug, deren Sinn sich nicht auf Anhieb erschließt: Vereine anonymisieren ihre Spieler im Elektronischen Spielberichtsbogen. Weshalb machen sie das? Was sagt der Verband dazu?

Mitunter geht es auf der Plattform des Bayerischen Fußball-Verbands drunter und drüber: Immer mehr Amateurvereine machen beim Elektronischen Spielberichtsbogen von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Spieler zu anonymisieren.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

"Aus dem Spiel geht die Nummer 5 ‚keine Angabe‘, neu in der Partie ist nun der Spieler mit der Nummer 13 ‚keine Angabe‘." Oder so: "Torschütze war der Spieler mit der Nummer 7 ‚keine Angabe‘." Was zunächst klingen mag wie völliger Humbug, wird zunehmend Realität auf den Amateurfußballplätzen Bayerns. Immer mehr Vereine machen von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Spieler im digitalen Spielberichtsbogen auf der Plattform des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) zu anonymisieren. Statt des Spielernamens taucht dann hinter der Rückennummer "k. A." auf – keine Angabe.

Aktuelles Beispiel gefällig? Ein Verein aus der Oberpfalz anonymisiert im Elektronischen Spielberichtsbogen einen Spieler aus der Startelf auf dessen eigenes Verlangen hin. Es kommt, wie es natürlich kommen muss: Der namenlose Spieler trifft prompt zum 1:0. Und nun? Während im BFV-Ticker brav als Torschütze "k. A." aufgeführt wird, sagt der "Stadionsprecher" den Namen des Schützen für die gut 150 Zuschauer durch, und der Verein selbst postet über seinen Instagram-Kanal den jubelnden Kicker samt Verlinkung auf dessen Profil. Auch unser Medienhaus erreicht die Bitte des Vereins, den Namen des Torschützen weder im Onetz noch in der Zeitung zu veröffentlichen, obwohl unser Fotograf vor Ort war und sogar ein Bild von der Szene machte, als "keine Angabe" das Tor erzielte. Auf einer Lokalfußball-Plattform ist nebst dem Namen des Spielers sogar ein Video des Tores veröffentlicht. Was hat es also für einen Sinn, Spieler zu anonymisieren, die in vollem Bewusstsein bei einem öffentlichen Fußballspiel vor (in diesem Fall) 150 Zuschauern mitwirken?

Veröffentlichung der Namen freiwillig

Wir haben beim BFV nachgefragt, dort heißt es in einer Antwort-Mail aus der Presse-Abteilung: "Der Bayerische Fußball-Verband hält bei allen Veröffentlichungen von personenbezogenen Daten – wie beispielsweise Spielernamen – strikt die gültigen Datenschutzbestimmungen des zuständigen Bayerischen Landesamts für Datenschutz ein und wahrt damit die Persönlichkeitsrechte der Spieler und Vereinsmitarbeiter. Das heißt, dass im öffentlichen Bereich ausschließlich die Daten angezeigt werden, für die die Spieler (bei Minderjährigen deren Eltern) explizit ihre Zustimmung erteilt haben. Die Zustimmung der Veröffentlichung wird von den jeweiligen Vereinen beziehungsweise Mannschaftsverantwortlichen für ihre einzelnen Spieler im Online-Programm für die Spielorganisation verwaltet."

Der Verband weise die Vereine regelmäßig auf diese Thematik hin. Ebenso, dass im Spielbetrieb und der Berichterstattung "eine Veröffentlichung der Daten wie Spielernamen und Statistiken natürlich Sinn macht" und der BFV "eine flächendeckende Veröffentlichung begrüßt". Allerdings folgt der nicht unwichtige Einschub: "Es handelt sich aber um eine freiwillige Entscheidung." Ein Amateurfußballer sei dabei nicht mit einem Profifußballer zu vergleichen, und auch "die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten im Internet ist nicht zu vergleichen mit der Möglichkeit, von einem Zuschauer bei einem öffentlichen Spiel gesehen zu werden".

Beweggründe der Vereine

Nachdem wir nun wissen, weshalb Vereine auf der BFV-Plattform ihre Spieler anonymisieren dürfen, bleibt weiter die Frage nach dem Warum. Nach dem Sinn. Genau das haben wir die Vereine gefragt, die in letzter Zeit von dieser Möglichkeit (teils regen) Gebrauch gemacht haben. Eine kleine Auswahl der Antworten, die wir unter der Zusicherung von (Achtung!) Anonymität erhalten haben: "Wir wollen nicht, dass unser kommender Gegner weiß, wer die Tore geschossen hat", "Wir wollen nicht, dass höherklassige Vereine unsere besten Spieler oder Nachwuchstalente wegholen", "Unser Spieler könnte Probleme mit seinem Arbeitgeber bekommen, wenn der erfährt, dass sein Angestellter trotz früherer Verletzungen weiter Fußball spielt", "Das geht Sie einen Sch*** an, weshalb wir unsere Spieler anonymisieren."

Für eine derartige Argumentation hat Thomas Graml, der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende im BFV, kein Verständnis. "Das ist für uns unbegreiflich, weshalb Spieler beim BFV versteckt werden, während sie auf anderen Plattformen genannt werden. So ein Verhalten ist schade und gewiss keine Werbung für den Amateurfußball", sagt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Während man im Jugendbereich vorsichtig sein müsse, findet Graml Anonymisierungen im Erwachsenenbereich "nicht in Ordnung". Denn: "Wir bieten den Vereinen die Möglichkeit, sich auf unserer Plattform zu präsentieren. Wenn sie das nicht möchten, müssen sie so konsequent sein und alle Zuschauer von ihrem Spiel ausschließen." Aber das kann auch nicht im Sinne des Amateurfußballs sein. Und so geht sie weiter, die Suche nach dem Sinn der digitalen Anonymität von Amateurfußballern.

Kurz vor Ende der Transferperiode hat die SpVgg SV Weiden Torhüter Michael Heisig vom FC Amberg verpflichtet

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

In eigener Sache

  • Die Sportredaktion hat ihre Lehren aus oben genanntem Fallbeispiel gezogen.
  • Wir werden künftig den Namen eines Spielers veröffentlichen, wenn uns dieser bekannt ist, auch wenn er im offiziellen Spielberichtsbogen des BFV anonymisiert ist.
  • Dabei spielt es keine Rolle, ob uns der Name des Spielers durch eigenes Sehen/Hören, durch Fotografen/freie Mitarbeiter, Soziale Medien oder andere Plattformen bekannt ist.

"Das ist für uns unbegreiflich, weshalb Spieler beim BFV versteckt werden, während sie auf anderen Plattformen genannt werden. So ein Verhalten ist schade und gewiss keine Werbung für den Amateurfußball."

Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz

 

 

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